Der Tod setzt nicht nur einem Leben ein Ende, er verändert auch das der nahen Angehörigen. Diese Tatsache umschreibt man oft mit dem eher harmlosen Begriff Trauerbewältigung, der jedoch für die Betroffenen eine sehr weitreichende Bedeutung hat. Die Autorin Joanna Trollope, die für ihre einfühlsamen Familienportraits bekannt ist, nähert sich diesem Thema offen und direkt, aber mit sehr viel Respekt. Chrissie Rossiter und ihre Töchter haben nicht nur einen geliebten Ehemann und Vater verloren. Mit Richies Tod werden auch Dinge seiner Vergangenheit für seine Familie wieder aufgewühlt, welche so lange sorgfältig ignoriert worden sind. Der Verstorbene, der ein berühmter Musiker und Künstler war, hat ausgerechnet seiner ersten Frau und dem Sohn aus dieser Ehe Vermächtnisse von großer Bedeutung vermacht: Seinen Flügel und ein Großteil seines musikalischen Nachlasses. Wie gehen die Beteiligten mit dieser Situation um? Wird es ihnen gelingen, ihr Leben neu zu ordnen?
Zunächst befindet sich die Familie im Schockzustand. Es werden unzählige Kannen Tee gekocht und viele Tränen vergossen. Bei der Beerdigung des geliebten Menschen kommt es Scott, dem Sohn aus erster Ehe so vor, als würden Chrissie und ihre Tochter eine geschlossene Einheit bilden. Doch ist der Zusammenhalt der Trauerfamilie äußerst fragil und durch die Testamentsbestimmungen werden Mutter und Töchter vor eine große Herausforderung gestellt. Die nachdenkliche Amy setzt sich ohne Wissen der anderen mit Scott in Verbindung. Auch Scott und seine Mutter Margret werden durch den Tod von Richie Rossiter in eine emotionale Achterbahn versetzt. Margret, die nun eine erfolgreiche Geschäftsfrau ist, erinnert sich an die schwere Zeit der Trennung von ihrem Ehemann, der sich nie von ihr scheiden ließ. Ein guter Freund unterbreitet ihr ein gutes Jobangebot, doch sie fühlt sich dieser Aufgabe auf einmal nicht gewachsen. Auch um ihren Sohn, der mit siebenunddreißig noch keinen festen Platz im Leben gefunden zu haben scheint, macht sie sich Sorgen. Scott dagegen erinnert sich an seine Einsamkeit nach der Trennung von seinem Vater, die eine endgültige sein sollte. Der Anruf von Amy, die gerade mal siebzehn Jahre alt ist und mit dem schweren Verlust fertig werden muss, geht ihm sehr nahe. Als er merkt, dass das Mädchen gerne wissen würde, wie ihr Vater in Nordengland gelebt hat und wo er aufgewachsen ist, reift in ihm der Plan, sie zu sich einzuladen. Chrissie und die Schwestern werfen Amy Verrat und mangelnde Loyalität vor. Doch auch Sue, Chrissies beste Freundin, findet, dass es an der Zeit ist, wichtige Entscheidungen zu treffen, um die Familie vor allem vor finanziellen Schaden zu bewahren. Zuerst muss dieser unsägliche Flügel das Haus verlassen und seinen Platz im Norden finden. Sue zwingt die Töchter ihrer Freundin, bei dem Projekt zu helfen, welches den Anstoß für ein neues Leben geben soll.
Die Szenen in Joanna Trollopes Roman sind niemals reißerisch oder künstlich überzogen, um den Leser zu fesseln. Beinahe nüchtern und sehr ehrlich schildert sie die schwierige Lebenssituation ihrer Protagonisten, die plötzlich an einem Scheideweg stehen und neue Weichen stellen müssen. Ihre Erzählung ist lebensnah und überzeugend. Die sehr natürlich geschilderten Emotionen der Beteiligten tragen sehr zur nachdenklichen Stimmung des Werkes bei. Der dezente, unaufgeregte Stil der Autorin prägt auch diesen neuen Roman, den der geneigte Leser gerne der Reihe einfühlsamer Familiengeschichten hinzufügt.