Jesse Ventura hat in Amerika mit seiner Fernsehserie "Conspiracy Theories" einiges Aufsehen erregt. Die Fernsehserie widmet sich gängigen Verschwörungstheorien und versucht, die "offizielle Version" durch möglichst unabhängige Aussagen (z.B. von Augenzeugen, Insidern oder Forschern) zu überprüfen. Das kommt im Fernsehen leichtfüßig daher ohne zu trocken zu sein. Dabei mausert sich Ventura zum hartnäckigen Reporter, der sich nicht scheut, auch sehr kritische Fragen zu stellen.
Und so hätte dieses Buch ein richtig tolles Buch zur Serie werden können, denn einige Themen aus dem TV-Format tauchen wieder auf (9/11, Kennedy, Wall Street), und gerade die Buchform eignet sich ja hervorragend, zusätzliche Informationen, die für das Fernsehen zu komplex sind, unterzubringen und zu strukturieren.
Leider gelingt dies dem Autor nur bedingt. Viele Themen werden nur angerissen, so dass man den Eindruck nicht los wird, stets an der Oberfläche zu schwimmen. Selten geht's hinab in die Tiefe. Zudem belegt der Autor zwar viele Aussagen, aber (für meinen Geschmack) geschieht dies zu selten durch wirklich handfeste Belege. Meist bezieht er sich auf Sekundärquellen wie Nachrichtenagenturen, die ihrerseits keinen Zugang zur Originalquelle haben.
Zugegeben, wenn schon Dutzende von Büchern voller Fakten allein über ein Thema wie 9/11 geschrieben werden, dann ist es schwierig, gleich 14 Verschwörungstheorien in einem Buch mit der gleichen Tiefe zu behandeln.
Und so liefert Ventura einen guten und auch lesenswerten Überblick über die gängigen Verschwörungstheorien, aber eben auch nicht mehr. Die Absicht ist gut, und deshalb gibt's vier Sterne.
Ah, ein Wort noch zur Übersetzung: Wer um Himmels Willen kommt denn auf die Idee, im Fließtext das Wort "Conspiracy" laufend mit "Konspiration" zu übersetzen? Das richtige Wort dafür heißt "Verschwörung" (wie es ja der Buchtitel auch klar nennt). Sowas ist schon blöd, in einem Buch über Verschwörungen...!