Motiviert durch die zwei positiven Rezensionen habe ich mir das Buch gekauft und bin leider enttäuscht worden. Die positiven Meinungen kann ich leider nicht bestätigen.
1. Ganz allgemein: Einige Bereiche/mitunter sogar Kapitel lassen sich ganz allgemein auf alle Hunderassen- und mischlinge übertragen, z. B. das Thema Erziehung. Keine Exklusivität, keine Besonderheiten, keine auffallenden Parallelen zu HSH, abgesehen von einigen Sätzen wie "All jene Tricks, die bei anderen Hunden helfen (Weglaufen, Verstecken), nützen bei Hirtenhunden nichts". So? Bei mir persönlich haben diese "Tricks" sehr gut funktioniert und mitunter durchaus die Bindung bei Spaziergängen ohne Leine gefestigt. Das Ganze ist mir viel zu pauschalisierend und erfasst die Materie nur oberflächlich.
2. Verstärkt wird das Ganze noch durch Ansichten wie "(...) und schütteln die Schnauze des Hundes". Man kann darüber streiten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sehr gut "ohne" auskommt, der Hundehalter als Leitbild hat sämtliche Auswucherungen und Formen der Gewalt - selbst bei HSH und selbst wenn es "nur" das Schütteln der Schnauze ist - überhaupt nicht nötig und es scheint oft mehr ein Zeichen der Verzweiflung als der Kompetenz. Beinahe belustigend fand ich ihre Empfehlung, den Hund bei unerwünschtem Verhalten einen "Schuss aus der Spritzpistole zu geben". Es ist wie damals in der vierten Klasse, nur mit Bankkonto.
Die Höhe war dann aber "Ihr Kopf ist immer - auch bei der fröhlichsten Schmuserei - höher als seiner".... Dadurch will sich die Autorin die Unterwürfigkeit ihrer Hunde sichern. Das ist so pauschal völlig absurd (komplexes Thema, aber an dieser Stelle verweise ich auf Studien des Verhaltensforschers David Mech, der belegte, dass dieses gesamte "Alpha-Getue-Dominanz-Konzept", so wie es uns einige zweifelhafte Hundetrainer verkaufen ("Der Hund kommt auf Zuruf nicht --> Es ist Dominanz. Der Hund hat seinen Kopf höher --> Es ist Dominanz. Der Hund fordert Streicheleinheiten ein --> Es ist Dominanz. Der Hund furzt --> Es ist Dominanz") völlig falsch ist, Wölfe als Elterntiere und bestes Beispiel in freier Natur sind durchaus tolerant! Natürlich gibt es vereinzelt diese Hunde, die nach Status streben und auch ernst zu nehmen sind - aber weit weniger häufig, als es uns eben manchmal eingeredet wird. Und bei diesen wenigen Hunden helfen auch diese "ich-hab-meinen-Kopf-höher-als-Du-und-bin-deshalb-dominant"-Spielchen nicht (ob sie überhaupt helfen, darf an dieser Stelle bezweifelt werden)- die Frage ist, was einen guten "Leitwolf" ausmacht. Ich denke an natürliche Souveränität, Berechenbarkeit, Vertrauenswürdigkeit, die Gestattung von Freiheiten innerhalb gewisser Grenzen und unbedingt Vermittlung von Sicherheit. Was das Ganze jetzt aber speziell mit HSH zu schaffen haben soll, bleibt für mich ein großes Rätsel. Das Buch bzw. die Auffassungen der Autorin sollten dringend überarbeitet werden. Ich gebe natürlich zu, die Zitate sind zusammenhangslos herausgegriffen, aber mir ist es kaum möglich, das halbe Buch zu zitieren.
3. Für den Umfang (100 Seiten) + Inhalt zu teuer.
Einen Pluspunkt möchte ich aber trotzdem geben; lesenswert ist das Kapitel "der umweltsichere Hirtenhund" und die einzelnen (kurzen) Ausführungen "Verhalten bei Besuchern/belebte Straßen".
Das hat Frau Beckmann sehr anschaulich beschrieben, auch wenn relativ kurz gehalten und einige der wichtigen Punkte zusammengefasst, die für entsprechende Sozialisierung beachtenswert sind.
Fazit: Ein Rassebuch zeichnet sich durch Spezifikation und analytisches Herausarbeiten der Wesensmerkmale (soweit man natürlich überhaupt eine Hunderasse charakterisieren kann, ohne dabei das Individuum zu vergessen) und damit verbundener Folgen/Konsequenzen in den verschiedenen Lebensbereichen usw. heraus, nicht durch oberflächliche Streifung des Themas. Das hilfreichste deutschsprachige Buch über HSH ist in meinen Augen nach wie vor das von Thomas Achim Schoke (s. Rez.).