Wem Uranus-Willy vertraut ist, den überrascht das Auftauchen eines Kids vom Pluto nur noch mäßig. Lee und B.J. schauen auch mal um die Ecke. Wer Naked Lunch und Nova Express kennt, findet in dieser Artikelsammlung nicht viel Neues oder Überraschendes, sondern Untermauerungen und zusätzliche Blindenstöcke für die Wanderung durch Burroughs' Reich. Es sind Variationen seiner ewigen Sujets, also der Manipulation, der Entmenschlichung, des Identitätsverlustes und schließlich der Strategien und Versuche, dagegen anzugehen. In manchen Passagen schimmert bereits die Einsicht in das Scheitern dieser Bemühungen durch - man lese nur einmal das "Tanger Telex St. Auberge 07.Juli 1964"!
Manches scheint den eigenen Werken entnommen, manches wiederholt sich - an diesen Stellen ist der Teebeutel-Effekt unvermeidlich: es schmeckt fad.
Warum ich das Buch trotzdem empfehle? Weil die Fragestellungen und Provokationen so aktuell (oder noch drängender) sind, wie vor dreißig Jahren. weil der Text von grandiosen Vergleichen und kühnen Metaphern nur so wimmelt. Weil es Literatur im besten Sinne ist! Weil von einem Jahrhundertschriftsteller zunächst einmal alles bewahrenswert ist. Und vor allem, weil Burroughs im Gegensatz zu der nach Kilo zu bewertenden gedruckten Allerweltsunterhaltung eins immer tut: er zwingt zum Selberdenken!
Am Rande sei noch bemerkt: Burroughs hat mit Carl Weissner einen kongenialen Transformator - das Resultat ist nicht bloß eine Übersetzung, sondern eine wahre Lesbarmachung! ich hoffe, Weissner hatte an der Arbeit die finstere Freude, die das Buch verbreitet, denn soweit ich weiß, wird Übersetzertätigkeit lausig schlecht bezahlt. Danke!