Das Buch ist sehr gut strukturiert und gliedert sich in zwei fast gleichgroße Teile.
Im ersten Teil durchschreitet die Autorin mit Siebenmeilenstiefeln die politische Ideengeschichte der europäischen Frauenbewegung, wobei die wichtigsten Personen und ihre Konzepte kurz und prägnant dargestellt werden. Dabei pendelt die Ideengeschichte immer zwischen Differenz- und Gleichheitskonzepten. Der Bogen spannt sich von Olympe de Gouges, welche den Gegenentwurf zur absolut männlich ausgerichteten Erklärung der Menschenrechte von 1793 proklamiert hat, bis zur einflussreichsten feministischen Theoretikerin der Neuzeit Simone de Beauvoir, die mit ihrem 1949 erschienenen Werk ,Das andere Geschlecht, die moderne Theoriebildung und die westliche Frauenbewegung maßgeblich beeinflusst hat.
Der zweite Teil des Buches spielt sich zeitlich dann vor allem in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts ab und konzentriert sich auf den Raum Europa/Nordamerika. Es werden die Umbrüche und Neuerungen in der Frauenfrage in Jahrzehnten erfahrbar gemacht und so kristallisiert sich zunehmend ein immer komplexer werdendes Feld heraus, in dem sich heterogene Forderungen, Identitäten und Ansätze strategisch zunehmend blockieren und zur Ausdifferenzierung zwingen. Ausgehend von den gesellschaftlichen Umbrüchen der 68er Bewegung und mit einem hohem Maß an naiver politischer Energie ausgestattet, wird die Frauenfrage zunehmend in den modernen Kapitalismus einverleibt / Feminisierung des Kapitalismus.
Die deutsche Frauenbewegung ist am Ende dieser Entwicklungen weitestgehend entpolitisiert und findet auch keine Erneuerung in der deutsch-deutschen Begegnung nach dem Ende des Kalten Krieges. Andererseits entwickelt sich ein professionalisierter Strang von /westlichen/ BerufsfeministInnen, die sich an den Universitäten zunehmend etablieren konnten und so zumindest institutionalisiert und im Gehege nach wie vor patriarchalisch ausgerichteter Wissensproduktion begrenzte Wirksamkeit entfalten.
Ausgehend von dieser deutschen, mitteleuropäischen Perspektive widmet sich die Autorin dann den großen Herausforderungen: Globalisierung, Transnationalisierung / EU-isierung und natürlich der Herausforderung reproduktiver Selbstbestimmung von Frauen bezüglich der neuen biopolitischen Imperative. Die Frauenfrage selbst wird demnach immer komplexer und einheitliche Lösungsstrategien rücken in weite Ferne auch wenn theoretisch Lösungen umso klarer ins Auge zu fallen scheinen, denn die männliche Herrschaft, so konstatiert die Autorin, hat sich als resistenter erwiesen, als erwartet wurde.
Resultat: Die Frauenfrage ist aktueller und dringlicher denn je und gerade die Globalisierung verschärft die Situation. Das heißt auch, dass die Frauenfrage nicht mehr, und wahrscheinlich war das auch nie so, im nationalstaatlichen Rahmen beantwortet werden kann.
Trotz des echt guten Ansatzes des Buches muss ich sagen, dass gerade die ideengeschichtliche Aufarbeitung schon sehr große Tücken bereitet. Es ist eine recht eurozentristische Theorietradition, die hier präsentiert wird und man wundert sich schon warum eine Angela Davis oder Sojourner Truth nicht mal einer Erwähnung würdig sind. Mich hätte das interessiert. Dahingehend soll nicht gleich mit Unterstellungen herumgefuchtelt werden, aber wenn mir als Mann das schon auffällt, fragt man doch, inwiefern man dann die großen Aussichten auf Globalisierung und Co. ernst nehmen kann, wenn die eigene Ideengeschichte sich schon so färbt. Ich selbst kann da aber leider auch keine Lösung anbieten. Dennoch ist diese Nichtbeachtung eine sehr aussagekräftige Politik, wenn man sie auf eine der Welt angemessenes Größenverhältnis bringt. Hier tritt wieder das Problem der Repräsentation zu Tage auf welches Gayatri Chakravorty Spivak so eindrucksvoll hingewiesen hat. Wer spricht für wen und wie machtgesättigt ist der Ort des Sprechens schon. Trotz dieser Paradoxien ein aus meiner Sicht sehr empfehlenswertes Buch, was hoffentlich nicht nur Frauen lesen !