Mahmud Doulatabadi gilt als wichtigster Vertreter der zeitgenössischen persischen Prosa, ist hierzulande aber noch zu entdecken. In seinem Roman «Die alte Erde» zeigt er schonungslos und ergreifend zugleich den plötzlichen Zerfall einer kleinen Familie, die lange zufrieden mit ihrem Schicksal von den Früchten ihres bescheidenen Stücks Land gelebt hat. Der Konflikt wird ausgelöst, als der Familie die Pacht des Landes von der reichen Witwe Adeleh aufgekündigt wird. Das Auseinanderfallen der Familie erscheint unausweichlich. Schon nach wenigen Seiten hat Doulatabadi seine Leser in seine Geschichte gezogen. Er erzählt von einer Welt, der die Wunder der Technik weitgehend fremd sind und schildert realistisch die tragischen Ereignisse - in einem Ton, der weder anklagend noch wehmütig gerät. Er vermittelt ein detailreiches Bild vom Dorf und den darin lebenden Menschen. Der Handlungsstrang ist geradlinig konstruiert. Nicht zuletzt deshalb kann die schlichte Sprache ihre volle poetische Kraft entfalten.