Seit langem schon beschäftigt sich der Bamberger Soziologieprofessor Richard Münch mit der akademischen Elite. In seinem jetzt unter dem Titel "Die akademische Elite" erschienenen Buch untersucht und kritisiert er die aktuelle Universitätsreform in Deutschland. Er kommt dabei zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Gründung von Eliteuniversitäten kein probates Mittel ist, um die Hochschulmisere zu lösen. Er verweist in seiner äußerst explosiven Analyse darauf, dass viele Reformen nicht kontrakonfliktär sind und es deshalb vielleicht kein Zufall ist das solche Institutionen wie zum Beispiel die Eliteuniversitäten in Göttingen, Karlsruhe und München, die zukünftige Managerinnen und Manager und sonstige akademische Führungskräfte ausbilden wollen, einerseits von sich behaupten sie seien Elite, anderseits aber feststellen müssen, das keine Gruppe gesellschaftlich einen so schlechten Ruf genießt wie die Wirtschaftsbosse der führenden Unternehmen. Das ist sicher kein Zufall, denn es ist ein Schließungsprozess, bei dem sich die Elite von dem Rest der Bevölkerung abgrenzt. Auf der einen Seite ist es die Selbstdefinition als Elite, auf der anderen Seite die Einrichtung von Institutionen die Elite ausbilden sollen. Junge Leute, die zum Zeitpunkt der Ausbildung in diese Förderprogramme aufgenommen werden, erbringen zwar zum Zeitpunkt der Ausbildung keine besseren Leistungen, finden aber später mit dem Eliteetikett besseren Zugang zu entscheidenden Führungspositionen. Der Autor weißt mit Nachdruck auf die Problematik und die damit einhergehende Arroganz hin, die mit der Selbsternennung sowie solchen im Kindergarten bereits beginnenden Eliteprogrammen verbunden ist. Er vertritt die These, dass sich die gebildete Klasse abschottet, die Kinder aus der Mittelschicht und bildungsferneren Schichten bewusst oder unbewußt draußen lässt und damit bleibt die Chancengleichheit, die im internationalen Vergleich für die Idee einer Leistungselite so wichtig ist, ein verzerrtes Trugbild.