Lara Varani möchte Profilerin werden und macht daher ein Praktikum bei der Mordkommission von Paris. Ihre ersten Erfahrungen macht sie bei der Jagd nach einem berüchtigten Serienmörder, hinter dem ihr Vorgesetzter Kommissar Kermadec bereits lange her ist. Ungefähr zur selben Zeit wird der Finanzchef eines belgischen Pharma-Konzerns das Opfer eines tragischen Unfalls. Bei einem Fahrradunfall wird Spengler von aggressiven Bienen zu Tode gestochen. Einige Zeit später verschwindet ein weiterer Mitarbeiter während einer Geschäftsreise nach Nizza, von der niemand etwas wissen durfte. Stattdessen findet man die Leiche eines Obdachlosen, der ebenfalls von Bienen getötet wurde. Lara erfährt mehr durch Zufall von diesen Vorfällen, weil ihr neuer Freund zufällig Imker ist, und sie sich daher für diese Tiere interessiert. Doch bald ahnt sie, dass mehr hinter diesen Todesfällen steckt, denn der Pharma-Konzern hat ein Insektizid in Umlauf gebracht, das die Bienenpopulation stark dezimiert. Doch der Killer ist noch lange nicht am Ende ...
Seit 'Der Weiße Hai' im Jahr 1975 über die Kinoleinwände flimmerte, überschwemmten sogenannte Tier-Horror-Geschichten größtenteils den Film-, teilweise aber auch den Buchmarkt. Auch Bienen, vor allem die als 'Killerbienen' verschrieenen afrikanischen oder afrikanisierten Tiere, mussten als tierische Mörderbestien herhalten. Subtil waren die wenigsten dieser Beiträge, obwohl einige eine unbestritten dichte Atmosphäre aufzuweisen hatten. Mit 'Die afrikanische Königin' liefern die Autoren Roch Domerego und Christian Blanchard einen Thriller ab, der neue Wege beschreitet. Bienen als perfide Waffe in den Händen eines skrupellosen Serienkillers verliehen der Thematik neue Facetten. Wird das Ganze, wie hier, dann auch noch schlüssig und glaubhaft beschrieben ist ein kurzweiliges und spannendes Lesevergnügen garantiert. Die Charakterisierung der Personen ist solide, wenngleich die Figuren keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Am charismatischsten ist eigentlich der Imker David, mit dem Lara Varani eine kleine Romanze anfängt, und dessen Liebe und Leidenschaft zu den Bienen stellvertretend für die der Autoren steht. In den Ausführungen des Imkers wird schließlich auch eine Menge Fachwissen vermittelt, allerdings nie zu dick aufgetragen, immerhin handelt es sich bei dem Buch um einen Unterhaltungsroman und keine wissenschaftliche Abhandlung. Lara Varani hingegen bleibt ein wenig blass und oberflächlich, ihr Verhältnis zu den Kollegen der Mordkommission ist zu unkompliziert und herzlich, um vollkommen glaubhaft zu sein. Gerade in einer Männerdomäne wie der im gehobenen Polizeidienst, dürfte einer angehenden Profilerin vom Lande doch mit sehr viel mehr Skepsis begegnet werden. Die Hatz auf den Serienmörder zu Beginn, die lediglich der Einführung der Protagonistin dient, bei der sie ihre ersten Sporen verdienen darf, ist angesichts der ohnehin knapp bemessenen 300 Seiten zu ausladend beschrieben worden. Wenn man sich jedoch fragt, wieso auf die Struktur des Pharma-Konzerns und die Angestellten dort so ausführlich eingegangen wird, kann man beruhigt sein. Gerade diese Passagen sind für den weiteren Handlungsverlauf enorm wichtig und am Ende führen die losen Fäden schlüssig und überzeugend zusammen und überraschen den Leser mit einem gelungenen Finale. Die Angriffe der Bienen wurden plastisch in Szene gesetzt, hätten aber durchaus drastischer dargestellt werden können. Nichtsdestotrotz ist 'Die afrikanische Königin' ein flüssig und angenehm zu lesender Thriller, der sich erfrischend vom Einheitsbrei abhebt. Zumal die Tiere nicht, wie so oft in den Büchern und Filmen des Genres, verteufelt und verunglimpft werden. 'Die afrikanische Königin' ist ein Roman, der auf unterhaltsame und spannende Weise Funktion und Bedeutung der Biene im Ökosystem unterstreicht.
Mit der äußeren Gestaltung des Taschenbuchs wurde sich sehr viel Mühe gegeben. Auf der ersten Seite eines jeden Kapitels ist die Zeichnung einer Honigbiene zu sehen, und die anatomisch korrekte Darstellung auf dem Cover leuchtet fluoreszierend im Dunkeln. Ein wahrhaft gelungener Gag, mit dem sich der Roman den vierten Stern verdient hat.