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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
45 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine frühe Vorahnung der 70er Jahre,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Taschenbuch)
George Orwell's "1984" war eine düstere Zukunftsvision. Jenes von Konrad Lorenz ist dieses in gewisser Weise auch. Bedenkt man, daß "Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit" im Jahre 1973 veröffentlicht wurde, bewies Konrad Lorenz schon viel Gespür viel den einen oder anderen Verfall in unserer Gesellschaft. Lorenz zeichnet auf, daß der Mensch nicht viel anders als das Tier ist, wenn es in anonymen Trabantenstädten lebt und aufwächst. Agression ist eine Folge, oder auch Abgestumpftheit gegenüber dem, was um uns geschieht. Gelungen umschreibt er in einem Kapitel auch, wie divers sich der Land- und der Stadtmensch in der identischen Situation verhalten. Leider behielt Konrad Lorenz bereits Anfang der 70er Jahre recht, wenn man heute eine gewisse Verrohung der Gesellschaft konstatieren muß. Man könnte Konrad Lorenz zunächst konservativ nennen, aber das ist er nicht. Er ist nicht einmal ein Moralapostel, der sich auf einen religiösen GLauben stützen würde. Nein, anhand vieler Schilderungen, die durchaus seiner ethologischen Tierforschungentspringen, zeigt er auf, daß der Mensch mit all seiner Intelligenz zwar Populationen und Natur zerstören kann, aber die menschliche Intelligenz auch mit gewissen Quantitäten behaftet ist. Die Natur hat eigene Regularien, die bestens funktionierten, bis der Mensch zu enorm eingriff. Darum ist jenes Buch des Konrad Lorenz eine Mahnung.Ich bedaure beim Lesen des Buches nur, daß es nicht für jeden Leser geeignet ist. Lorenz verfügt über einen Anspruch, aber auch über einen enormen Wortschatz lateinischer oder griechischer Erklärungen. Dies, leider, macht dieses Buch leider dadurch nicht jedermann zugänglich. Doch eines wird in allen Schriften des Konrad Lorenz klar: er war seelisch gesund in seinem Herzen. Seine Tierliebe bereits in jungen Jahren machte in zu einem Forscher, der Tiere nicht vermenschlicht, sondern Assoziationen zu Menschen entdeckt. Gerne erinnere ich mich beispielsweise an seine Umschreibung in "Das Jahr der Graugans", daß die Ganter sich absolut unvernünftig aufführen, wenn sie balzen. Unnötige Flüge für wenige Meter, die jede vernünftige Graugans lieber schreitet, vergleicht er mit dem "Jüngling", der mit Motorrad oder durchdrehenden Reifen imponieren will. "Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit" ist ein Buch für Menschen, die hinterfragen. Es ist aber noch geeigneter für Menschen, die übersättigt sind von Kommerz oder einfältigen Lebenszielen, die einem durch einen gewissen Trott anerzogen oder aufgebürdet wurden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
32 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Es geht nicht um Eislutscher!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Taschenbuch)
Der Titel „Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit" lässt schon einiges über den Inhalt erahnen und das Gefühl der Endzeitstimmung kommt wohl zu recht auf. In den 70er-Jahren, mit der ständigen bewussten Bedrohung durch Kernwaffen, war „Das Ende" wohl ziemlich nahe. Heute spüren wir die atomare Bedrohung nicht mehr so stark, obwohl sie an sich immer noch und sogar noch mehr da ist.Wenn man das Buch aufmacht und hineinliest, fällt einem das zugleich beruhigende „optimistische Vorwort" auf. Wie auf einem Schlag ist es nicht mehr das Gefühl der Offenbarung des Untergangs, sondern ein Funken Hoffnung, wenn das erste Wort im Text „Optimistisches" lautet. Genauso ist der Charakter des Vorworts, es hat eine beruhigende und Zuversicht schaffende Wirkung. Der letzte Absatz des Vorworts drückt das bildlich aus: „Es wäre überheblich, zu glauben, dass das, was man selbst sicher weiß, nicht auch den meisten Menschen verständlich gemacht werden kann. Alles, was in diesem Buch steht, ist viel leichter zu verstehen als z.B. Integral- und Differentialrechnung, die jeder Oberschüler lernen muss. Jede Gefahr verliert viel von ihrer Schrecklichkeit, wenn ihre Ursachen erkannt sind. So glaube und hoffe ich, dass dieses Büchlein ein wenig beitragen kann zur Verminderung der die Menschheit bedrohenden Gefahren." (Seite 8 f.) Inhaltsverzeichnis: Optimistisches Vorwort 7 Das Inhaltsverzeichnis zeigt bereits die breite Auswahl an Themen, die Konrad Lorenz in diesem Buch behandelt und sie zu acht Todsünden der zivilisierten Menschheit zusammenfasst. Es sind eben keine acht Todsünden, die von Gott als solche vorgegeben sind, sondern Todsünden, die der „zivilisierte" Mensch begeht ohne sich dessen wirklich und ausreichend bewusst zu sein. Konrad Lorenz ist in seinem Element als Biologe, wenn er im ersten Kapitel über die Struktureigenschaften und Funktionsstörungen lebender Systeme schreibt. Obwohl das Thema nicht einfach ist, versucht Lorenz es so einfach wie möglich darzustellen. „Die Ethologie behandelt also das tierische und menschliche Verhalten als die Funktion eines Systems, das seine Existenz wie seine besondere Form einem historischen Werdegang verdankt, der sich in der Stammesgeschichte, in der Entwicklung des Individuums und, beim Menschen, in der Kulturgeschichte abgespielt hat. Die echt kausale Frage, warum ein bestimmtes System so und nicht anders beschaffen sei, kann seine legitime Antwort nur in der natürlichen Erklärung dieses Werdegangs finden." (Seite 11). Dieses Zitat ist einerseits eine zentrale Aussage des 1. Kapitels und stellt andererseits eine der wesentlichen Grundlagen für das Verständnis der im Buch beschrieben Probleme dar. Konrad Lorenz behandelt in diesem Kapitel u.a. auch noch das Thema „Regelkreis" und stellt die entscheidende stabilisierende Funktion des „negativen Feedbacks" dar. Ich wage es nicht, die gesamte Funktionalität eines Regelkreises hier in einem Satz darzustellen, aber es sei davor gewarnt, „negatives Feedback" aus einem Regelkreis zu entfernen, weil das System dann nur zu leicht außer Kontrolle geraten kann und wird. Wenn man den Fuchs der Hasen frisst als negatives Feedback für das System Hasen sieht, dann kann man sich ausmahlen, was passiert, wenn der Fuchs „ausfällt" und die Hasen sich unendlich vermehren. Im 2. Kapitel, Überbevölkerung, geht Konrad Lorenz an ein zentrales Problem der zivilisierten Menschheit heran, das zugleich die erste Todsünde der zivilisierten Menschheit ist. „Die maßlose Vermehrung der Menschen als erstes zu besprechen, empfiehlt sich schon deshalb, weil so manche der später behandelten Erscheinungen ihre Folge sind." (Seite 19). Eine Folge dieser Überbevölkerung, besonders in Städten ist das Phänomen „not to get involved". Man möchte sich nicht einmischen und möchte nicht betroffen sein, somit kann es schon passieren, dass jemand verprügelt oder vergewaltigt wird ohne dass die Passanten eingreifen. Der Alltag zeigt dieses Problem nur zu oft auf. Konrad Lorenz geht davon aus, dass der Mensch für das massenhafte Zusammenleben auf engem Raum nicht geschaffen ist. Im 3. Kapitel, Verwüstung des Lebensraums, zweite Todsünde, behandelt Lorenz den Irrglauben, dass die Natur unerschöpflich sei. Mittlerweile haben wir Europäer schon ein wenig dazugelernt, aber die Menschheit verwüstet den Lebensraum Tag für Tag weiter. Auch bei uns wird mit der Natur in Wahrheit noch immer sorglos umgegangen. Im 4. Kapitel, Der Wettlauf mit sich selbst, wäre ein typischer positiver Regelkreis. Im gegenseitigen Wettbewerb der Menschen, Organisationen und Nationen geht es um schneller, höher, stärken und jedenfalls um mehr bzw. sogar viel mehr. Die Menschen leiden unter der Beanspruchung unter dem Stress. Doch das System fordert weiterhin mehr und noch viel mehr. Im 5. Kapitel, Wärmetod des Gefühls, wird es sehr persönlich. „Schon in grauer Vorzeit haben die Weisen der Menschheit ganz richtig erkannt, dass es für den Menschen keineswegs gut ist, wenn er in seinem instinktiven Streben nach Lustgewinn und Unlustvermeidung allzu erfolgreich ist. Schon in alten Zeiten haben es die Menschen hochentwickelter Kulturen verstanden, alle unlustbringenden Reizsituationen zu vermeiden, was zu einer gefährlichen, wahrscheinlich sogar oft zum Untergang einer Kultur führenden Verweichlichung führen kann. Seit altersher haben die Menschen herausgefunden, dass man die Wirkung lustbringender Situationen durch besonders schlaue Zusammenstellung der Reize steigern und durch deren ständigen Wechsel vor der Abstumpfung durch Gewöhnung bewahren kann, und diese Erfindung, die in jeder höheren Kultur gemacht wurde, führt zum Laster, das indessen kaum jemals ebenso kulturvernichtend wirkt wie die Verweichlichung." Wir kennen das aus unserem Alltag, dass wir nicht jeden Tag unsere Lieblingsspeise essen können, ohne uns davon „satt zu essen". Wenn alles immer da ist und zur Selbstverständlichkeit wird, dann kann das schon zum Problem werden. Wie viele Menschen suchen heute nach dem „Kick", wenn sie zu Drogen greifen oder an Gummiseilen hängend von Brücken springen, einfach um wieder einmal was Besonderes zu spüren, zu neudeutsch ein besonderes „Feeling" zu haben. Im 6. Kapitel, Genetischer Verfall, beschreibt Lorenz die Probleme, die aus mangelnden Selektionsbedingungen entstehen können bzw. aus dem Glauben an den Behaviorismus entstehen können. „In einer österreichischen Zeitung las man jüngst [Anm. 1972!] die Schlagzeile: Siebzehnjähriger wird aus Angst vor den Eltern zum Mörder. Der Bursche hatte nämlich seine zehnjährige Schwester vergewaltigt und, als sie drohte, es den Eltern zu sagen, erwürgt. Die Eltern mögen in komplexer Verkettung der Wirkungen daran wenigstens teilweise Schuld getragen haben, ganz sicher aber nicht dadurch, dass sie dem Jungen zu viel Angst einflößten." (Seite 57) Im 7. Kapitel, Abreißen der Tradition, beschreibt Lorenz die Probleme, die daraus entstehen, dass die Jugend die alte Generation einfach ablehnt. Nur durch Tradition war es der Menschheit möglich, sich so schnell und so schnell so „hoch" zu entwickeln. „Die Methode jedoch, mit welcher unter dem vielen Angebotenen das Festzuhaltende ausgewählt wird, ist offenbar in Art- und Kulturentwicklung dieselbe, nämlich Auswahl nach gründlicher Erprobung." (Seite 68) Im 8. Kapitel, Indoktrinierbarkeit, geht es unter anderem um die Gleichschaltung großer Menschenmassen durch die Mode. Aber nicht nur die Massenmenschen sind leicht indoktrinierbar auch Wissenschafter sind es, wie Lorenz in diesem Kapitel ebenso nachweist. „Die gefährliche modische Indoktrinierbarkeit der Wissenschaft, die der Menschheit die letzte Stütze zu rauben droht, hätte nie zustande kommen können, wenn nicht die in den ersten vier Kapiteln besprochenen Kulturkrankheiten ihr den Weg gebahnt hätten. Die Überbevölkerung mit ihrer unvermeidlichen Entindividualisierung und Uniformierung, die Naturentfremdung mit dem Verlust der Fähigkeit zur Ehrfurcht, der kommerzielle Wettlauf der Menschheit mit sich selbst, der in utilitaristischer Denkungsart das Mittel zum Selbstzweck macht und das ursprüngliche Ziel vergessen lässt, und nicht zuletzt die allgemeine Verflachung des Gefühls, sie alle finden in den die Wissenschaften betreffenden Dehumanisationserscheinungen ihren Niederschlag, sie sind deren Ursache und nicht deren Folge." (Seite 105) Im 9. Kapitel, Die Kernwaffen, fasst sich Lorenz kurz, er handelt das Thema auf nur einer Seite ab. Obwohl es damals wohl die am Stärksten spürbare Bedrohung war, verweist er darauf, dass sie von den acht Bedrohungen am leichtesten Vermeidbar sei. „Man braucht sie nur nicht herzustellen oder nicht abzuwerfen." (Seite 106). Am Ende seines Buches steht die Zusammenfassung, die noch einmal die einzelnen Probleme darstellt und insbesonders auf die Zusammenhänge verweist. Wie für eine wissenschaftliche Arbeit üblich steht ganz am Ende das... Lesen Sie weiter... › Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
32 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Welch großartiger Wissenschaftler und Mensch!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (Taschenbuch)
Welch faszinierendes Buch, welch faszinierender Mensch und großer Wissenschaftler, würdig mehr als nur eines Nobelpreises! Mit diesem Eindruck legte ich - selbst als Wissenschaftler tätig - dieses Buch nach dem Lesen zur Seite. Faszinierend ist besonders an Konrad Zacharias Lorenz, wie sehr er zeit seines Lebens hinzugelernt hat; wie sehr er schließlich gegen Indoktrinierung inner- und außerhalb der Wissenschaft resistent wurde. Es ist zu bedauern, daß seine kurzfristige Zugehörigkeit zur NSDAP (die er, wie anderes, rasch als Fehler erkannte - er lehnte den Nationalsozialismus und seine Taten, wie auch in diesem Buch deutlich wird, dann entschieden ab) auch heute noch angeführt wird, um Lorenz zu verunglimpfen und seine Lebensleistung zu schmälern. Es wird aber auch an diesem Buch nachvollziehbar, worin eine solch emotionale wie irrationale Ablehnung wurzeln könnte: Lorenz sprach und schrieb in heute völlig unüblich gewordener Klarheit. Das tut manchmal weh, zumal, wenn man sich selbst von der Wahrheit getroffen fühlen muß. Gerade diese Klarheit der Sprache zeichnet Lorenz aber als wirklich großen Wissenschaftler aus, der - das beweist seine Größe - geradezu einübte, sich widerlegen zu lassen: " ... und es ist, wie ich einmal sagte, eine zwar schmerzhafte, aber jung und gesund erhaltende Turnübung, täglich, gewissermaßen als Frühsport, eine Lieblingshypothese über Bord zu werfen." Nur wer klar formuliert, kann auch klar widerlegt werden. Das sind wir heute nicht mehr gewöhnt. Zwei Jahre nach dem Erscheinen dieses Buches im Jahre 1971, also 1973, äußerte Lorenz bereits vorsichtigen Optimismus, einige seiner 8 Todsünden würden vielleicht überwunden. Wir sind aber vielleicht weiter denn je davon entfernt.
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