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Ich bedaure beim Lesen des Buches nur, daß es nicht für jeden Leser geeignet ist. Lorenz verfügt über einen Anspruch, aber auch über einen enormen Wortschatz lateinischer oder griechischer Erklärungen. Dies, leider, macht dieses Buch leider dadurch nicht jedermann zugänglich. Doch eines wird in allen Schriften des Konrad Lorenz klar:
er war seelisch gesund in seinem Herzen. Seine Tierliebe bereits in jungen Jahren machte in zu einem Forscher, der Tiere nicht vermenschlicht, sondern Assoziationen zu Menschen entdeckt. Gerne erinnere ich mich beispielsweise an seine Umschreibung in "Das Jahr der Graugans", daß die Ganter sich absolut unvernünftig aufführen, wenn sie balzen. Unnötige Flüge für wenige Meter, die jede vernünftige Graugans lieber schreitet, vergleicht er mit dem "Jüngling", der mit Motorrad oder durchdrehenden Reifen imponieren will. "Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit" ist ein Buch für Menschen, die hinterfragen. Es ist aber noch geeigneter für Menschen, die übersättigt sind von Kommerz oder einfältigen Lebenszielen, die einem durch einen gewissen Trott anerzogen oder aufgebürdet wurden.
Wenn man das Buch aufmacht und hineinliest, fällt einem das zugleich beruhigende „optimistische Vorwort" auf. Wie auf einem Schlag ist es nicht mehr das Gefühl der Offenbarung des Untergangs, sondern ein Funken Hoffnung, wenn das erste Wort im Text „Optimistisches" lautet.
Genauso ist der Charakter des Vorworts, es hat eine beruhigende und Zuversicht schaffende Wirkung. Der letzte Absatz des Vorworts drückt das bildlich aus: „Es wäre überheblich, zu glauben, dass das, was man selbst sicher weiß, nicht auch den meisten Menschen verständlich gemacht werden kann. Alles, was in diesem Buch steht, ist viel leichter zu verstehen als z.B. Integral- und Differentialrechnung, die jeder Oberschüler lernen muss. Jede Gefahr verliert viel von ihrer Schrecklichkeit, wenn ihre Ursachen erkannt sind. So glaube und hoffe ich, dass dieses Büchlein ein wenig beitragen kann zur Verminderung der die Menschheit bedrohenden Gefahren." (Seite 8 f.)
Inhaltsverzeichnis:
Optimistisches Vorwort 7
I. Struktureigenschaften und Funktionsstörungen lebender Systeme 11
II. Überbevölkerung 19
III. Verwüstung des Lebensraums 23
IV. Der Wettlauf mit sich selbst 32
V. Wärmetod des Gefühls 39
VI. Genetischer Verfall 51
VII. Abreißen der Tradition 68
VIII. Indoktrinierbarkeit 84
IX. Die Kernwaffen 106
X. Zusammenfassung 107
Literaturverzeichnis 111
Das Inhaltsverzeichnis zeigt bereits die breite Auswahl an Themen, die Konrad Lorenz in diesem Buch behandelt und sie zu acht Todsünden der zivilisierten Menschheit zusammenfasst.
Es sind eben keine acht Todsünden, die von Gott als solche vorgegeben sind, sondern Todsünden, die der „zivilisierte" Mensch begeht ohne sich dessen wirklich und ausreichend bewusst zu sein.
Konrad Lorenz ist in seinem Element als Biologe, wenn er im ersten Kapitel über die Struktureigenschaften und Funktionsstörungen lebender Systeme schreibt. Obwohl das Thema nicht einfach ist, versucht Lorenz es so einfach wie möglich darzustellen. „Die Ethologie behandelt also das tierische und menschliche Verhalten als die Funktion eines Systems, das seine Existenz wie seine besondere Form einem historischen Werdegang verdankt, der sich in der Stammesgeschichte, in der Entwicklung des Individuums und, beim Menschen, in der Kulturgeschichte abgespielt hat. Die echt kausale Frage, warum ein bestimmtes System so und nicht anders beschaffen sei, kann seine legitime Antwort nur in der natürlichen Erklärung dieses Werdegangs finden." (Seite 11). Dieses Zitat ist einerseits eine zentrale Aussage des 1. Kapitels und stellt andererseits eine der wesentlichen Grundlagen für das Verständnis der im Buch beschrieben Probleme dar. Konrad Lorenz behandelt in diesem Kapitel u.a. auch noch das Thema „Regelkreis" und stellt die entscheidende stabilisierende Funktion des „negativen Feedbacks" dar. Ich wage es nicht, die gesamte Funktionalität eines Regelkreises hier in einem Satz darzustellen, aber es sei davor gewarnt, „negatives Feedback" aus einem Regelkreis zu entfernen, weil das System dann nur zu leicht außer Kontrolle geraten kann und wird. Wenn man den Fuchs der Hasen frisst als negatives Feedback für das System Hasen sieht, dann kann man sich ausmahlen, was passiert, wenn der Fuchs „ausfällt" und die Hasen sich unendlich vermehren.
Im 2. Kapitel, Überbevölkerung, geht Konrad Lorenz an ein zentrales Problem der zivilisierten Menschheit heran, das zugleich die erste Todsünde der zivilisierten Menschheit ist. „Die maßlose Vermehrung der Menschen als erstes zu besprechen, empfiehlt sich schon deshalb, weil so manche der später behandelten Erscheinungen ihre Folge sind." (Seite 19). Eine Folge dieser Überbevölkerung, besonders in Städten ist das Phänomen „not to get involved". Man möchte sich nicht einmischen und möchte nicht betroffen sein, somit kann es schon passieren, dass jemand verprügelt oder vergewaltigt wird ohne dass die Passanten eingreifen. Der Alltag zeigt dieses Problem nur zu oft auf. Konrad Lorenz geht davon aus, dass der Mensch für das massenhafte Zusammenleben auf engem Raum nicht geschaffen ist.
Im 3. Kapitel, Verwüstung des Lebensraums, zweite Todsünde, behandelt Lorenz den Irrglauben, dass die Natur unerschöpflich sei. Mittlerweile haben wir Europäer schon ein wenig dazugelernt, aber die Menschheit verwüstet den Lebensraum Tag für Tag weiter. Auch bei uns wird mit der Natur in Wahrheit noch immer sorglos umgegangen.
Im 4. Kapitel, Der Wettlauf mit sich selbst, wäre ein typischer positiver Regelkreis. Im gegenseitigen Wettbewerb der Menschen, Organisationen und Nationen geht es um schneller, höher, stärken und jedenfalls um mehr bzw. sogar viel mehr. Die Menschen leiden unter der Beanspruchung unter dem Stress. Doch das System fordert weiterhin mehr und noch viel mehr.
Im 5. Kapitel, Wärmetod des Gefühls, wird es sehr persönlich. „Schon in grauer Vorzeit haben die Weisen der Menschheit ganz richtig erkannt, dass es für den Menschen keineswegs gut ist, wenn er in seinem instinktiven Streben nach Lustgewinn und Unlustvermeidung allzu erfolgreich ist. Schon in alten Zeiten haben es die Menschen hochentwickelter Kulturen verstanden, alle unlustbringenden Reizsituationen zu vermeiden, was zu einer gefährlichen, wahrscheinlich sogar oft zum Untergang einer Kultur führenden Verweichlichung führen kann. Seit altersher haben die Menschen herausgefunden, dass man die Wirkung lustbringender Situationen durch besonders schlaue Zusammenstellung der Reize steigern und durch deren ständigen Wechsel vor der Abstumpfung durch Gewöhnung bewahren kann, und diese Erfindung, die in jeder höheren Kultur gemacht wurde, führt zum Laster, das indessen kaum jemals ebenso kulturvernichtend wirkt wie die Verweichlichung." Wir kennen das aus unserem Alltag, dass wir nicht jeden Tag unsere Lieblingsspeise essen können, ohne uns davon „satt zu essen". Wenn alles immer da ist und zur Selbstverständlichkeit wird, dann kann das schon zum Problem werden. Wie viele Menschen suchen heute nach dem „Kick", wenn sie zu Drogen greifen oder an Gummiseilen hängend von Brücken springen, einfach um wieder einmal was Besonderes zu spüren, zu neudeutsch ein besonderes „Feeling" zu haben.
Im 6. Kapitel, Genetischer Verfall, beschreibt Lorenz die Probleme, die aus mangelnden Selektionsbedingungen entstehen können bzw. aus dem Glauben an den Behaviorismus entstehen können. „In einer österreichischen Zeitung las man jüngst [Anm. 1972!] die Schlagzeile: Siebzehnjähriger wird aus Angst vor den Eltern zum Mörder. Der Bursche hatte nämlich seine zehnjährige Schwester vergewaltigt und, als sie drohte, es den Eltern zu sagen, erwürgt. Die Eltern mögen in komplexer Verkettung der Wirkungen daran wenigstens teilweise Schuld getragen haben, ganz sicher aber nicht dadurch, dass sie dem Jungen zu viel Angst einflößten." (Seite 57)
Im 7. Kapitel, Abreißen der Tradition, beschreibt Lorenz die Probleme, die daraus entstehen, dass die Jugend die alte Generation einfach ablehnt. Nur durch Tradition war es der Menschheit möglich, sich so schnell und so schnell so „hoch" zu entwickeln. „Die Methode jedoch, mit welcher unter dem vielen Angebotenen das Festzuhaltende ausgewählt wird, ist offenbar in Art- und Kulturentwicklung dieselbe, nämlich Auswahl nach gründlicher Erprobung." (Seite 68)
Im 8. Kapitel, Indoktrinierbarkeit, geht es unter anderem um die Gleichschaltung großer Menschenmassen durch die Mode. Aber nicht nur die Massenmenschen sind leicht indoktrinierbar auch Wissenschafter sind es, wie Lorenz in diesem Kapitel ebenso nachweist. „Die gefährliche modische Indoktrinierbarkeit der Wissenschaft, die der Menschheit die letzte Stütze zu rauben droht, hätte nie zustande kommen können, wenn nicht die in den ersten vier Kapiteln besprochenen Kulturkrankheiten ihr den Weg gebahnt hätten. Die Überbevölkerung mit ihrer unvermeidlichen Entindividualisierung und Uniformierung, die Naturentfremdung mit dem Verlust der Fähigkeit zur Ehrfurcht, der kommerzielle Wettlauf der Menschheit mit sich selbst, der in utilitaristischer Denkungsart das Mittel zum Selbstzweck macht und das ursprüngliche Ziel vergessen lässt, und nicht zuletzt die allgemeine Verflachung des Gefühls, sie alle finden in den die Wissenschaften betreffenden Dehumanisationserscheinungen ihren Niederschlag, sie sind deren Ursache und nicht deren Folge." (Seite 105)
Im 9. Kapitel, Die Kernwaffen, fasst sich Lorenz kurz, er handelt das Thema auf nur einer Seite ab. Obwohl es damals wohl die am Stärksten spürbare Bedrohung war, verweist er darauf, dass sie von den acht Bedrohungen am leichtesten Vermeidbar sei. „Man braucht sie nur nicht herzustellen oder nicht abzuwerfen." (Seite 106).
Am Ende seines Buches steht die Zusammenfassung, die noch einmal die einzelnen Probleme darstellt und insbesonders auf die Zusammenhänge verweist. Lesen Sie weiter... ›
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