Die Zwillinge" ist nicht nur ein gut gemachter Unterhaltungsfilm, sondern auch eine konkrete und nachvollziehbare Aufklärung darüber, wie wesentlich Menschen in ihrer Entwicklung von ihrem direkten und indirekten Umfeld geprägt werden.
Zum Inhalt: Die Zwillinge - Anne und Lotte - werden durch den Tod der eigenen Eltern rabiat von einander getrennt und zwei sehr unterschiedlichen Familien zugeordnet. Die eine Schwester kommt in eine gut situierte bürgerliche holländische Familie, die andere in einen ärmlichen deutschen Bauernhaushalt. Die eine wird gezielt gefördert - Schule, Universität - die andere muss von klein auf harte Arbeit im Schweinestall leisten und wird nicht nur an einer schulischen Entwicklung gehindert, sondern erfährt tagtäglich willkürlich ungerechtes Verhalten bis hin zur körperlichen Misshandlung. Zwillinge also, die in diametral entgegengesetzten Verhältnissen aufwachsen.
Den geschichtlichen Hintergrund bildet die NS-Zeit, die wesentlich den Inhalt des Filmes mitbestimmt. Trotz der Wirren dieser Zeit und des Krieges versuchen die Schwestern immer wieder zueinander zu finden. Sie treffen schließlich zusammen und entzweien sich aufgrund dessen, dass die eine aus Nazi-Deutschland kommt, welches brutal das neutrale Holland überfallen hat - also, nicht nur gegensätzliche familiäre Verhältnisse, sondern auch extrem gegensätzliche politische Systeme treffen auf einander und verdecken alle tieferen persönlichen Bindungen.
Erst sehr spät - die Zwillinge sind alte Frauen - treffen sie zufällig aufeinander und finden in einer aktuellen Notsituation wieder zusammen. Doch - viel zu spät - schon in der darauf folgenden Nacht stirbt der eine Zwilling liegend an der Seite des anderen.
"Die Zwillinge" ist ein tragischer Film; vom Inhalt sehr beeindruckend und von den Darstellern absolut überzeugend. Das Spiel der Schauspieler wirkt sehr realistisch, keine Übertreibungen, keine Effekthascherei. Dargestellt wird der Versuch normal zu leben in anormalen Zeiten. Und deutlich wird, wie sehr doch das Leben des Einzelnen auch von Zufällen, politischen Wirren und gesellschaftlichen Umständen abhängt; und wie schwer der Einzelne gerade an dem zu tragen hat, von dem er niemals die Möglichkeit hatte, es sich auszusuchen.
Urteil: Sehr empfehlenswert - ein Film, den man gesehen haben muss!