Gerald schrammt gerade noch so an der 40 vorbei. Er hat es im Leben bisher nicht besonders weit gebracht, steckt schon seit Jahren mit seiner Promotion zum Spätwerk Wittgensteins fest und jobbt als Pförtner in einer Darmstädter Kinderklinik, in der er auch schon einen Zivildienst geleistet hat. Er hat so gut wie keine Freunde, außer Max, mit dem er sich regelmäßig im 'Carpe Diem' zum Schachspielen und Durstlöschen triff. Ansonsten vergrault er mehr die Leute, als dass er Bande knüpft. Hinzu ist seine Frau Vikarin, was dem ersten Anschein so gar nicht zu ihm passt. Doch ihr Eheleben steckt gerade in einer Phase streiten - schweigen - versöhnen fest.
Nun eben dieser Gerald wird nachts im Martinsviertel von zwei Posträubern gekidnappt, als er gerade einen handgeschriebenen Brief für seine Erbtante einwerfen möchte. Sie lassen ihn auf einem Rasthof wieder laufen. Natürlich möchte ihm diese Geschichte keine abnehmen, schon gar nicht die Polizei. So macht er sich selber auf die Suche nach den Hintergründen dieses vermeintlichen Postraubes und bringt damit eine Kette von Ereignissen ins Rollen, die tragische Züge annehmen.....
Der Autor P. J. Hoffmann ist einem breiten Publikum als ein Teil des Kabarett-Ensembles 'Kabbaratz' in Darmstadt und Umgebung bekannt. Dass er auch schreibt, war mir neu. Hier nun also sein Erstlingswerk: "Die Zunge im Mixer". Der Titel könnte eine Metapher für "sich die Zunge verbrennen"sein, denn das tut Gerald oft genug im Handlungsverlauf. Witzig geschrieben, eine Identifikationsfigur für machen Spät-68, viel Lokalpatriotismus... das Buch hat schon was Eigenes. Die Sätze oft kurz, manchmal fast abgehackt, was den Lesefluss nicht immer unterstützte.
Ich hatte jedenfalls Spaß an der verrückten Geschichte, auch wenn manchmal doch recht dick aufgetragen wurde.
Für mich eine gut 3-Sterne-Bewertung.