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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
26 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Humorvolle Tiefe,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Zunge Europas (Gebundene Ausgabe)
Typisch. Eigentlich konnte Heinz Strunk nach "Fleisch ist mein Gemüse" gar nichts richtig machen. Es scheint hier so eine Art Vertreter einer neuen Religion zu geben, die nur eine heilige Schrift zulassen. Eben jenes Erstlingswerk des zu spätem Ruhm gelangten Autors.Dabei ist bei genauerem Besehen der Nachfolger "Die Zunge Europas" vielleicht sogar das bessere Buch. Strunk selbst ist viel stilsicherer geworden. Er ist ein genialer Beobachter und weiß das nun noch viel besser als im Vorgänger in Worte zu fassen. Klar hat das Buch keine große Handlung - soll es nicht. Klar beschränkt er sich in seinen Beobachtungen oft auf rein äußerliche, ästhetische Aspekte und drückt sich dabei oft derbe aus. Aber genau das ist doch der Reiz. Ich persönlich musste manchmal minutenlang das Buch zur Seite legen, um erstmal abzulachen. Und das nicht über die scheinbare Oberflächlichkeit seiner Worte, sondern im Gegenteil, weil das Ganze eine solche Tiefe besitzt, die manchmal nur genau dieser schwarze Humor herzustellen imstande ist. Man darf Tiefgründigkeit nicht mit Trübsal verwechseln. Jeder kann sich mit den Befindlichkeiten des Markus Erdmann hier und da identifizieren, auch wenn er nicht so ein "Looser" ist wie der Protagonist dieses Buches. Seine sarkasistische Sichtweise erleichtert einem selber den Blick auf viele Dinge des Lebens, an denen man verzweifeln könnte. Sehr schön finde ich auch das Ende, das - ohne etwas verraten zu wollen - weder kitschig, noch hoffnungslos ist. Irgendwie realitsich und trotzdem tröstend! Empfehlung! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Nichts schmeckt so gut, wie Dünnheit sich anfühlt.",
Von RockBrasiliano (Costa Banana) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (VINE®-PRODUKTTESTER)
Rezension bezieht sich auf: Die Zunge Europas (Gebundene Ausgabe)
Soll man gleich den ersten Satz aus dem Buch hier als Überschrift verwenden?, Ups schon passiert.Also: Eine Woche im Leben von Markus Erdmann und das zur großen Jahrhunderthitze. "Wann explodiert die Sonne? (Bild)" Das heißt für den etwas übergewichtigen Gagschreiber richtig leiden. Das Berufsleben ist schon hart genug, aber auch die Beziehung zu Sonja will nicht mehr so recht, bleibt noch das Essen und das Fernsehen und eben die Besuche bei Oma und Opa in der Käfersiedlung. Doch dann kommt es unerwartet zu einer Begegnung mit einer alten Bekannten..Die Zunge Europas lässt sich (und das wird viele interessieren) mit dem Vorgänger "Fleisch ist mein Gemüse" vergleichen. Ort und Konstellation sind ähnlich, auch hier Beobachtung des tristen Alltagslebens. Auch dieses ein Buch was man in einem Satz runterliest, wenn man den Humor, der ätzend und gallig sein kann, verträgt. Was ich interessant fand, ist auch das Aufgreifen des Themas Alter, was auch nicht immer nur bösartig geschildert wird (doch das auch zu genüge, man denke mal an das Gedicht "Boten des Todes" das Markus schreibt) sondern die Szenen z.B. mit dem Großvater ist auch irgendwie berührend. Hier wird ohnehin eher Banales mit wenigen Worten so beschrieben, dass es zu etwas Besonderem wird. Heinz Strunk ist ein guter Beobachter, der Humor furztrocken. Na, ein bißchen Kritik muss auch sein, im letzten Drittel des Buches, die Diskoszenen sind etwas zu misanthropisch geraten, wenngleich natürlich sehr witzig, dieser Teil hatte trotzdem ein bißchen den Touch von Männergesprächskreis. Aber: Heinz Strunk kann etwas was andere nicht können: Er wirkt echt und kann mit Gags umgehen. Super Buch. Unbedingt lesen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
30 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Erdmann erkennt man,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Zunge Europas (Gebundene Ausgabe)
"Erdmann erkennt man". Mit diesem kongenialen Werbeslogan aus den achtziger Jahren,eines in der niedersächsischen Landeshauptstadt ansässigen, legendären Herrenausstatters möchte ich mal den Einstieg machen.Man erkennt ihn auf jeder Seite. "Heinzer is back" um es mal distanzgemindert zu formulieren. Nicht nur das. Er ist "back for good". Wer jetzt jedoch ein "aufgejazztes Fleischgemüse" erwartet und/oder erhofft wird ein wenig enttäuscht sein. "Die Zunge Europas" ist ein ebenso hervorragend beobachtetes und fein ziseliertes Sittenbild, liegt jedoch ein gutes Stück weiter unter der Oberfläche, als es Gurki und seine Truppe taten. Man trifft auf einen, wie kaum anders zu erwarten, verirrten und überforderten Neoproletarier der sein Heil in den "kreativen Berufen" suchen muss, da ihm handwerkliches Geschick nicht gegeben scheint, oder er es im Laufe seines Lebens einfach nicht mehr weiter gepflegt hat. Es erschien ihm vielleicht zu banal, zu altbacken. Auf über dreihundert Seiten verstrickt sich Erdmann in Beobachtungen über seine Umgebung und die darin enthaltenen Figuren. Hier kann Heinz Strunk seine ganze sprachliche Brillianz und sensitive Beobachtungsgabe zur Entfaltung bringen. Ich sage nur: "Halb Mensch, halb Salbe". Erdmann schiebt sich von Zweifel zu Zweifel, immer hin- und hergerissen zwischen Verachtung und Mitgefühl. Für sich und für alle anderen. Er zerdümpelt vor dem Orakel des kleinen Mannes, dem Fernseher, trinkt, raucht, verliert sich in hypochondrischen Gedanken, trinkt und verzehrt sich in sexuellen Phantasien. Es wird weniger "entsaftet" als in den "fleischigen Zeiten" und dafür ein wenig mehr philosophiert. Insgesamt sind die Figuren nicht so zwingend wie im Vorgänger. Alles ist in ausgewaschene Farben getaucht. Ich kann mich nicht erinnern während der Lektüre überhaupt Farben gesehen zu haben. Da war alles grau-braun-beige mit vielleicht einem Hauch altrosa... Und was ist das jetzt? Und wieso "Zunge Europas"? Worum geht es denn jetzt eigentlich? mag der eine oder andere sich Fragen. Das Buch selbst gibt die Antwort: "Wie länge erträgt man es, zu wissen, dass nichts mehr kommt?" Das beschreibt es ziemlich genau. Ein Trudelnder, wie eine alte abgehalfterte Fischernetzboje die sinnfrei an die Kaimauer klopft. Tag ein Tag aus. So kommt einem Herr Erdmann vor. Wenn man davon ausgeht, dass die Boje ihr Schicksal jedoch nicht realisiert, im Gegensatz zu Erdmann, ist sie deutlich im Vorteil. Wir haben es also, mal wieder, mit einem zu tun, der spürt das es nicht so läuft wie es laufen sollte und der sich damit beruhigt und tröstet, dass es offenkundig bei nahezu allen auch nicht anders ist. Ist das zu wenig? Ja, vielleicht ein bisschen. Heinz Strunk hat erneut bewiesen, dass er sprachlich alle Möglichkeiten besitzt Bilder von großer Intensität und schonungsloser Liebenswürdigkeit zu schaffen. Wenn er beim nächsten Werk noch den Mut dazu gewinnt den Schrecken nicht mit Humor, sondern mit Schmerz zu bekämpfen, die Oberfläche vollends zu verlassen um sich dem zuzuwenden was hinter den korrodierten und erodierten Fassaden pocht und pulsiert, dann wird es sicherlich ein noch intensiveres Stück Text. Wie das Leben aussieht kann man in diesem Buch entdecken. Wie das Leben ist, vielleicht schon im nächsten. Ich freu mich drauf. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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