"Das wichtigste Faktum, die nicht mehr nur hypothetische, sondern tatsächliche Existenz einer Dritten Macht, scheint mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bewiesen". So der Autor im letzten Kapitel "Rück- und Ausblick". Es mangelt ihm offenbar nicht an Selbstbewusstsein, denn mit viel Mühe und Not kann man seinem Text zwar gewisse Indizien, Plausibilitäten und Wahrscheinlichkeiten entnehmen - mehr jedoch definitiv nicht. Das Quellen- und Literaturverzeichnis umfasst auf fünf Seiten genau 145 Positionen - von denen jedoch viele entweder selbst obskurer Natur sind (Erich von Däniken, Internet-Quellen, Veröffentlichungen aus dem Kopp-Verlag. UFO-Bücher etc.) oder schlichtweg in Romanform (Wilhelm Landig und seine dreiteilige Thule-Reihe) vorliegen. Überhaupt ist es bei einem solch umstrittenen Thema nicht sehr hilfreich, nur das Werk - nicht jedoch den konkreten Quellennachweis (beispielsweise, siehe Zitat von Y im Werk X auf Seite Z) mit anzugeben. Aus diesem Grund weiß man auch nicht ob es sich bei den Literaturverweisen um Primär- oder Sekundärquellen handelt; ein Personenregister bzw. Schlagwortverzeichnis fehlt ebenso - aber genug der Form, kommen wir zum Inhalt.
Der Autor setzt sich selbst das Ziel systematisch Kapitel für Kapitel eine Kausalkette aufzubauen, die - seiner Meinung nach - unweigerlich in die bewiesene Existenz einer Dritten Macht münden soll. Dieser Ansatz wird im Kapitel 1: "Das Problem" ausführlich beschrieben. Im nächsten Kapitel - "Die Absetzbewegung" weißt Sternhoff (ich gehe einmal davon aus, dass es sich hierbei um ein Pseudonym handelt) erstaunlich schlüssig mit der Nennung von vielen Einzelheiten nach, dass die Evakuierung der nationalsozialistischen respektive deutschen Elite (Stichwort: Rattenlinie über den Vatikan, reichsfreundliche Staaten wie Spanien, Argentinien und Chile) in einem weitaus größeren und gelungeneren Umfang von statten ging, als es uns die Geschichtsbücher lehren. Nachfolgend ist u.a. von einer Seeschlacht bei Island die Rede ("letzter deutscher Seesieg gegen die Alliierten"), die der Autor als Ente entlarvt. Das Thema Stützpunkt Neuschwabenland (hier spricht der Autor auf S.28 übrigens irrigerweise von Arktis statt Antarktis) wird zwar behandelt - jedoch als Militärstützpunkt ausgeschlossen. Laut Interpretation des Autors soll es sich hierbei um eine Täuschung handeln da sich der tatsächliche Stützpunkt in Südamerika befinden soll. Bis hierher ist noch alles nachvollziehbar (sehr schön auch aufgezeigt: Versuch der Neugründung der NSDAP unter dem Namen SRP bzw. der versuchten Unterwanderung der FDP) - nun kommen aber die berüchtigten Flugscheiben ins Spiel welche mit einem "Antigravitations-Antrieb" ausgerüstet sein sollen. Zwischen tatsächlich nachweisbarer Geheim- und Siegwaffenentwicklungen im Dritten Reich über mögliche - jedoch nicht beweisbare - weitere Forschungen und Prototypen, überspannt der Autor hier den Bogen gewaltig. Mag die deutsche Atom-, Giftgas- und Raketenforschung vom damaligen Kriegsgegner bzw. aus heutiger bundesrepublikanischer Sicht tatsächlich unterschätzt sein (was ich persönlich übrigens auch glaube) - befinden wir uns bei Projekten wie Nullpunktenergiefeld (= unbegrenzte Energie) und Zeitreise-Programmen jenseits aller Plausibilität. Weiter geht es zu der Operation Highjump (Stichwort Tagebuch des Admiral Byrd,): Im Gegensatz zu anderen Werken die dies ausgiebig in ihrem Sinne als Beweis für eine militärtische Konfrontation mit einer unbekannten Macht aus dem Eis interpretieren - handelt Sternhoff dieses Kapitel auf gut einer(!) Seite ab mit der Quintessenz, dass diese Geschichte rein gar nichts mit der Dritten Macht zu tun hat. Hier hätte man sich vielleicht noch etwas mehr an Hintergrundinformationen gewünscht. In aller Ausführlichkeit werden zudem die so genannten "Foo Fighters" beschrieben sowie geheime Rohstofftransporte (u.a. extreme Mengen von Quecksilber für das Projekt "Glocke").
Das Kapitel 3 "Die Evolution des UFO-Phänomens" kann man sich eigentlich schenken. Alle UFO-Sichtungen ab 1944 gehen auf das Dritte Reich respektive die Dritte Macht zurück - vorherige Erscheinungen in der Geschichte waren (wie praktisch!) Täuschungen, Naturerscheinungen oder irdischen Ursprungs. Der Autor negiert hier einen außerirdischen Hintergrund - und zwar im absoluten Sinne. Besonders ein Flugzeugtyp namens V-7 muss es dem Autor besonders angetan haben da dieser als Grundlage für alle Ufo-Sichtungen herhalten muss. Ja, und wer nun dachte - "aber was ist denn mit den kleinen grauen außerirdischen Männchen, den Entführungen und Menschenversuchen, den Zeitverlust und dem nicht mehr anspringen des Motors von dem so viele Opfer berichten?" der wird auch hier belehrt: Alles "made by Dritte Macht". Die Entführungen zwecks Genmanipulation um einen "arischen Rassetypus" zu bewahren ("Zuchtprogramm"), sowie der ganze Science-Fiction Technik Schnick Schnack. Die - neudeutsch - Aliens sollen übrigens in Wirklichkeit entweder Roboter oder kybernetische Organismen sein. Ein weiterer Kommentar zu diesem Kapitel erübrigt sich.
Kapitel vier geht auf die so genannte Prä-Astronautik / Paläo-SETI ein. Und hier ist der Autor wieder ganz der kritische, hinterfragende Wissenschaftler: Schlüssig und nachvollziehbar werden anhand von konkreten Beispielen (z.B. Pyramiden von Gizeh) aufgezeigt, dass dies alles Leistungen von Menschenhand waren - ohne den Einfluss einer außerirdischen Macht.
Kapitel 5 widmet sich anschließend dem "irdischen Hauptquartier" - hier wird (zumindest temporär) die berichtigte Colonia Dignidad (heute: Villa Baviera) in Chile vermutet. Dies befindet sich meiner Meinung nach im Bereich des Möglichen.
Das Kapitel 6 kann man wiederum überspringen: Hier wird behauptet, dass die Dritte Macht bereits in den fünfziger Jahren zu umfassenden Raumfahrtprogrammen fähig war und den Mars später als Basis verwendeten. Demnach sei das häufige Versagen / der Verlust der amerikanischen bzw. sowjetischen Sonden im Bereich dieses Planeten ein Abwehrwerk der Dritten Macht.
Fazit: Die verwendeten Ablichtungen von Dokumenten sowie das Bildmaterial ist szenetypisch als dürftig zu bezeichnen und besitzen meiner Meinung nach keine Aussagekraft. Der Autor vermag durchaus stichhaltig zu argumentieren (wenn er will und wenn es ihm nützlich erscheint) - verwechselt jedoch häufig Möglichkeiten mit Wahrscheinlichkeiten und Indizien mit Beweisen. Besonders seltsam mutet auch ein Gespräch in Bolivien an, dass Sternhoff zu Ende des Buches schildert: Hierbei soll ein ehemaliger deutscher Offizier auf die Frage in welcher Einheit er gedient habe wie folgt geantwortet haben: "Als Offizier in einer - wie man heute sagen würde - multinationalen Einheit der Waffen-SS". Das ist unglaubwürdig. Wieso nennt der Unbekannte nicht einfach den Namen der Einheit? Besonders bei Eliteneinheiten gibt es einen Korpsgeist der i.d.R. mit Stolz das eigene Regiment benennt (mit Ausnahme von Kommandokräften aus verständlichen Gründen). Als multinationale Einheit käme hier jedenfalls die Division Wiking in Betracht. Auch wirkt es unlogisch, dass diese Person - welche mit der Dritten Macht in Kontakt stehen soll - auf die Frage nach den bisherigen Erfolgen auf die "Wiedervereinigung Deutschlands" verweist. Kein Nationalsozialist - egal ob alt oder neo würde jemals die Teilwiedervereinigung West- und Mitteldeutschlands ohne die abgetrennten Ostgebiete als "Wiedervereinigung" bezeichnen (nebenbei bemerkt war dies auch die offizielle Position der großen Volkspartien nach dem Krieg). Es kommt mir so vor, als ob dieses Gespräch fingiert wurde. Beim besten Willen hatte ich beim Lesen immer dann wenn Begegnungen und Aussagen zitiert wurden ein etwas mulmiges Gefühl. In der Summe der Eindrücke kann ich das Buch als Ganzes daher nicht empfehlen - wenngleich einige Kapitel wirklich gut gelungen sind.
Bezeichnend für das recht selbstsame, indifferente Geschichtsverständnis des Autors (vorausschicken möchte ich hier, dass ich keinesfalls zu jenen gehören die Geschichte in "Links-Rechts" oder "Gut-Böse" Schubladen sperren) - ist sein Abschlusssatz: "Abschließend noch die Frage: Ergibt es einen Sinn, gegen diese Entwicklung aufzubegehren? Ich glaube nicht. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Mit anderen Worten: Die Zukunft hat längst begonnen!" Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Nationalsozialistische konspirative Kreise ausgerüstet mit Ufo-Technologie und Möglichkeiten zur Genmanipulation am Menschen wollen die Weltherrschaft an sich reißen und dieser lapidare Kommentar ist alles an "kritischer Haltung" was Sternhoff aufzubringen vermag? Allein dadurch - und ich bin wie gesagt wahrlich kein Sklave eines geistestötenden Political Correctness - hat sich der Autor selbst diskreditiert.