Das Altern hat viele Facetten. Altern ist ein körperliches, psychisches und soziales Phänomen. Entsprechend verschiedene Forschungsrichtungen haben im Verlauf der letzten dreißig Jahre das Altern entdeckt. Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), Prof. Peter Gruss, hat einen Report der MPG herausgegeben, der den Stand der Forschung über das Altern beschreibt und nahezu alle Aspekte beleuchtet.
Weites Feld.
Nicht nur unser Gehirn, sondern auch unsere Langlebigkeit ist plastisch (ein guter Kandidat für das "Wort des Jahres"; erinnert mich immer an Knete: form- und veränderbar); soll heißen, dass kein fixes maximales Lebensalter auszumachen ist. Unsere Lebenserwartung steigt und steigt, und zwar linear. Das hat Konsequenzen.
Was ist das Geheimnis der rüstigen "jungen Alten" (60-80 Jahre)? Sie beschränken sich auf Weniges, optimieren ihre Fertigkeiten und kompensieren Schwächen mit anderen Fertigkeiten. Wird das achtzigste Lebensjahr überschritten, beginnt die Schere zwischen langem und gutem Leben auseinanderzuklaffen.
Der Plastizität (siehe oben) unseres Gehirns ist es zu verdanken, dass wir auch im Alter noch lernen können. Allerdings geht dies dann besonders gut, solange wir auf vorhandenes Wissen, auf gemachte Erfahrung aufbauen können. Wenn es sich um vollkommen Neues handelt, wird's schwierig.
Zellbiologen und Biochemiker entdecken in alternden Zellen vor allem eine zunehmende Menge an so genannten Sauerstoffradikalen (auch bekannt aus der Nahrungsergänzungsmittelindustrie, die gerne Antioxidantien anbietet), sowie "falsche" Faltungen von größeren Eiweißstoffen. Der genaue Zusammenhang mit dem Altern ist aber nicht geklärt. Tiermodelle und Studien zu Alterungsabläufen in verschiedenen Organismen werden vorgestellt. Erkrankungen im Alter sind beeinflussbar: sie sind nur teilweise Veranlagung - sie hängen auch von der Lebensweise ab (dies sollte sich langsam herumgesprochen haben).
Es sind Technologien vorstellbar, die individuell und flexibel einen alternden Menschen unterstützen könnten. Die Ideen dazu gehen weit über größere Handy-Displays hinaus - beispielsweise Handys als intelligente Alleskönner und Alleswisser. Intelligente Gerätschaften könnten Älteren helfen, sich in der Welt zurechtzufinden und Kontakt zu anderen zu halten. In wie weit Ältere - als Gruppe - eine Rolle in der Gesellschaft, in Politik und Parteien spielen werden, untersuchen die Sozialwissenschaften.
Nicht Ratgeber, sondern Wegweiser.
Obwohl der Report aus Beiträgen verschiedener Autoren besteht, gibt es wenige Überlappungen. Die Forschungsergebnisse sind erfreulich allgemeinverständlich dargestellt. Lediglich die Beschreibung der molekularen Vorgänge in den Zellen lotet die Grenzen der Plastizität des Gehirns aus. Hier sollte etwas Hintergrundwissen vorhanden sein, um darauf aufbauen zu können (sonst geht gar nix, wie wir schon hörten).
Eines ist klar: Dies ist kein praktischer Ratgeber für Betroffene. Ich sehe die Bedeutung des Buches als Wegweiser für Entscheidungsträger und als Quelle für alle, die sich mit den Ursachen des Alterns, dessen Folgen und mit den zu ergreifenden Maßnahmen auseinandersetzen. Ich meine, für diesen Personenkreis ist es ein recht lesenswerter Statusbericht.