Noch im Mittelalter hatten die Feudalherren alle Rechte an den Bauern und Landwirten, wir alle waren faktisch Sklaven, derer sich der Landesherr frei bedienen konnte und die gerade so viel erhielten, dass sie überleben konnten. Gut nachzulesen hier:
Die blinden Flecken der Ökonomie: Wirtschaftstheorien in der Krise Dass diese Zeiten auch heute keinesfalls vorbei sind, sondern in bestimmten Regionen oder Konstellationen das Treibmittel des Brutalo-Kapitalismus sind, zeigt dieses Buch.
Wer kennt sie nicht, die Damen, leicht bekleidet und lebend in Schaufenstern ausgestellt am Rande des Weges nach Prag? Wir schauen vorbei, sind pikiert und wollen schnell in die Goldene Stadt Prag. Tatsächlich stehen die Zuhälter, die Erpresser mittelalterlicher Strukturen uns näher als wir alle glauben, sie sind vor der Haustüre und auch die italienische Mafia hat ihren langen Arm in Deutschland griff-bereit.
Wie der Name Zuhälter schon sagt: extreme Ausbeutung bzw. Rücksichtslosigkeit ist Thema dieses Buches. Es sind jene dunklen Kapitel, die wir so gerne ausblenden. Die sich z.B. auch zeigen, wenn unsere polnischen Nachbarn für einen Hungerlohn auf den Feldern in Deutschland arbeiten, ohne sozialversichert zu sein oder irgendwelche Rechte zu haben.
Mich hat das Kapitel "Prostituierten Markt in Osteuropa" besonders betroffen gemacht. Die dabei angewandten Tricks sind nicht nur menschenverachtend, sie sind oft tödlich. Der Marshall Plan der USA nach dem Krieg war letzten Endes nach Napoleoni ein Rahmenwerk, das andere Länder dem Joch der Amerikaner unterwarf bzw. die Vormachtstellung der USA ermöglichte. Die Autorin beschreibt darüber hinaus den Aufstieg und den gesellschaftlichen Hintergrund Chinas sehr treffend.
Gefährlich für jede wirtschaftliche Entwicklung und der Nährboden für dunkle Kapitel des Wirschaftens sind nach Napoleoni immer Ungleichgewichte in Einkommen und den Chancezugängen. "Heute streicht eine neue Klasse von Berühmtheiten und Milliardären, Menschen, die sich nicht mit dem gemeinen Volk vermischen, die Gewinne der globalisierten Wirtschaft ein." Die Mittelschicht ist Opfer dieser beängstigenden Entwicklung, in einem Buch aus Deutschland auch dramatisch nachgewiesen:
Hurra, wir dürfen zahlen: Der Selbstbetrug der MittelschichtFrau Napoleoni beschreibt den neuen globalen Marktstaat in seinen extremsten Ausprägungen und weist auf den desaströsen Held- bzw. Starkult einer Kultur hin, die sich so über Werbung und Medien neue Götter schaffe. Dabei bleibt auch Bono nicht verschont: der zwar viel zur Rettung der Welt beitrage, sein Einkommen aber im günstigeren Holland versteuert, hellt Napoleoni auf.
Ein umfassender, globaler Blick auf die dunklen Seiten der Welt, die m.E. niemand ausblenden darf. Wenn die Politik nicht unter die Räder der Händler und Zuhälter kommen will, muss sie entschiedener handeln, Regeln erlassen und Grenzen für Zuhälter des Marktradikalismus setzen. Chancengleichheit für alle und möglichst nicht zu weit auseinander gehende Einkommensverteilungen aller Schichten sind dafür wesentliche Voraussetzungen.