Inhalt:
Dana Stellgarten steht mit ihren fünfundvierzig Jahren am Scheideweg ihres Leben: seit knapp einem Jahr geschieden, kämpft sie immer noch mit den Nachwehen der Trennung von Ex-Mann Kenneth, zumal die beiden gemeinsamen Kinder den Verlust des Vater scheinbar nur schwer verkraften. Die zwölfjährige Morgan und auch der siebenjährige Grady zeigen sich da in mehr als nur einer Krisensituation aufmüpfig und zänkisch und ziehen sich daheim immer zurück oder zeigen sich in der Schule verhaltensauffällig.
Und damit nicht genug, taucht auch noch Danas sechzehnjährige Nichte Alder auf ihrer Türschwelle auf und bittet nach einem heftigen Streit mit ihrer Mutter flehentlich um Familien-Asyl. Also eigentlich der ganz normale Wahnsinn einer Alleinerziehenden. Dana hat alle Hände voll zu tun, Kinder, Nichte, finanzielle Nöte und ja, auch eine neue Liebe unter einen Hut zu kriegen …
Einschätzung:
Hut ab vor Dana Stellgarten! So viel zunächst mal zu unserer Hauptprotagonistin, die sich hier nicht nur als eine wunderbar warmherzige Mutter präsentiert, sondern sich ebenso als einfühlsame Tante zeigt und für ihre Kinder und ihre Nichte ein echter Fels in der Brandung ist.
Juliette Fay präsentiert uns mit „Die Zufälle des Herzens“ einen warmherzigen und zugleich auch launigen Frauenschmöker und gewährt uns dabei einen tiefen Einblick in das manchmal doch schwierige Leben einer alleinerziehenden Mutter. Da gibt’s gigantische Hürden zu meistern, kleinere und größere Stolpersteine aus dem Weg zu räumen und es dabei jedem Recht machen. Kurzum: jede Menge Probleme zu bewältigen.
Und wer sonst, wenn nicht „Muddern“ könnte all das zur Zufriedenheit aller bewerkstelligen? Wir werden dabei Zeuge, wie unsere toughe Mama sich durch den mehr als tückischen „Problem-Dschungel“ kämpft, den Alltag mit all seinen Tücken mit Bravour meistert und Probleme scheinbar spielend löst.
Im Mittelpunkt der Story steht hier eindeutig Dana mit all ihren Gefühlen und Emotionen, die eigentlich die ganze Gefühlsskala von Wut, Verzweiflung bis absolute Hingabe und Liebe abdeckt. Als Leserin kann man gar nicht anders, als dieses heftige Gefühlschaos mit ihr ganz bewusst und intensiv mit zu erleben. Die Autorin hat mit der guten Dana eine mehr als sympathische und patente Hauptfigur geschaffen, die Mutter mit Leib und Seele ist, sich dabei aber immer wieder selbst in Frage stellt und so sehr an sich zweifelt, ob ihr Handeln und Tun das Richtige für ihre beiden Kinder ist. Für mich persönlich von der Autorin wunderbar einfühlsam in der ein oder anderen Situation in Szene gesetzt. Da war ganz flott klar: Dana ist Mutter durch und durch und ja, ich würde sie für den Titel „Mutter des Jahres“ nominieren.
Flankiert wird unsere Vollblut-Mama von ganz unterschiedlichen Nebencharakteren, die nett oder auch etwas unsympathisch daherkommen. Sei es die „verräterische“ Nachbarin und Freundin, die oberflächliche neue Bekannte, die mehr Schein als Sein ist oder der einfühlsame und verständnisvolle Zahnarzt, der immer ein offenes Ohr für unsere von Sorgen geplagte Mama hat.
Vielleicht einziges Manko der Story, dass die Autorin doch einiges an Problemchen zu viel reinpackt: die Scheidung mit all ihren weitreichenden Folgen, Essstörung bei Jugendlichen, Tod nach schwerer Krankheit, der Aufbau eines neuen Freundeskreises und last but not least der Beginn einer neuen Liebe. Da kommt die ein oder andere Problematik vielleicht einen Tick zu kurz und hätte etwas tiefgründiger und ausführlicher abgehandelt werden können.
Apropos Liebe: Amors Pfeil trifft hier übrigens erst auf Umwegen und mal ganz erfrischend anders, dass der Auserwählte optisch eben nicht der eineiige Zwilling von Adonis persönlich ist, sondern einfach „nur“ durchschnittlich daherkommt, dafür aber mit ganz anderen, nicht zu verachtenden Qualitäten aufwarten kann.
Die Autorin überzeugt hier durchaus mit ihrer saloppen, aber auch dynamischen Schreibe und punktet da insbesondere auch mit ihren flotten und schmissigen Dialogen, die mal mit humorigen, aber auch melancholischen Untertönen zu unterhalten wissen. Da hat Juliette Fay wirklich eine wunderbar harmonische Mischung gefunden, die sich gut von der Hand weg lesen lässt.
Fazit:
Eine wunderbar erzählte Story über eine Frau in den besten Jahren, die nach ihrer Scheidung noch nach ihrer neuen Identität sucht und sie nach einigen Irrungen und Wirrungen findet! Und das Schöne daran ist, wir erleben diese Veränderung hautnah mit und kommt zu der Erkenntnis: Dana Stellgarten - Das hast du dir redlich verdient! Von mir gibt’s liebevolle 4 von 5 Punkten für Danas erfolgreichen Selbstfindungs-Trip! (AK)