Insgesamt ergeben die in drei Teilen zusammengefassten Erzählungen so etwas wie eine Autobiographie des Bruno Schulz und seine Auseinandersetzung mit dem Industriezeitalter. In "Die Zimtläden" von 1934 geht es um die Kindheit des Autors, der sich hier Józef nennt, im galizischen Shtetl und besonders um seinen Vater Jakub. Der erscheint in den Texten als ein schwer nervöser, reizbarer Mensch, der in seinem Textiliengeschäft und in der Realität nur mit größter Mühe bestehen kann und sich lieber in seine eigene Welt verkriecht. Allerdings muss man hier gleich sagen, dass Schulz den wirklichen Sachverhalt in der fantastischsten Weise übertrieben, assoziativ darstellt. So lebt Jakub etwa wie ein Verrückter in der Gesellschaft von Vögeln, denen er sein Haus zur Verfügung stellt, bis die Hausgehilfin Adela den ganzen Spuk vertreibt, wobei Adela den Vater mit ihren erotischen Reizen quält, was er ohnmächtig über sich ergehen lässt. Dieser Jakub entwickelt gegenüber den Näherinnen, die in seinem Haus arbeiten, die verstiegensten ästhetischen Theorien, die gleichzeitig die Theorien des Autors selbst zu sein scheinen. Er spricht von der "phantastischen Gärung der Materie", ihrer "Skala der Morphologie" (54), die besonders in "fest umrissenen Milieus erscheint. Diese Milieus sind alte Wohnungen, gesättigt mit Emanationen vieler Leben und Geschehnisse. Auf solchem Grund gedieh jene Pseudovegetation sehr rasch und oberflächlich, wucherte reichlich und ephemer, trieb kurzlebige Generationen, die rapide und glänzend aufblühten, um bald wieder zu erlöschen und zu verwelken." (55). Und so haben wir durchgehend das Mittel der Synästhesie bei Bruno Schulz, d.h. das Ineinander und Durcheinanderwirbeln aller Sinneseindrücke. Die Milieus, die Natur, die Dinge werden ständig verlebendigt, sie wandeln immerzu ihre Formen, die Realität wuchert unablässig ins Traumhafte. Das erinnert an Kafka, den Schulz gelesen hat, was sich z.B. zeigt, wenn er einmal den Vater in eine Küchenschabe verwandelt, die dann von Adela mit Schaufel und Besen aufgekehrt wird. Aber anders als bei Kafka geht es bei Schulz immer um seine persönlichen Erinnerungen, die er ins Groteske, Ungeheuerliche, Fantastische übertreibt, um deutlich zu machen, wie er die Dinge als Kind erlebte bzw. wie er die neue Zeit sieht.
Der zweite Band "Das Sanatorium zur Todesanzeige" von 1937 kann als eine Fortführung der Autobiografie gelesen werden, indem es hier um die Jahre der späten Kindheit und der Jugend bzw. der Erwachsenenjahre geht. Wieder handelt es sich um einzelne Erzählungen, von denen die erste, "Der Frühling" ungewöhnlich lang ist. In ihr wird, zunehmend sehr komisch und stilistisch kühn, eine erste unglückliche Liebe bewältigt. Die übrigen, kürzeren Erzählungen geben dann das Bild eines sehr einsamen Menschen, der seinen Platz in der Wirklichkeit nicht findet. Im 3.Teil, der nur aus einer Erzählung aus dem Nachlass - "Der Komet" - besteht, findet sich eine thematische Steigerung des Prinzips der unendlichen Verwandlung und Entfesselung der Materie ins Universale und Abstrakte - bei aller Mehrdeutigkeit doch auch sehr komisch. - Vieles an dem Stil mutet zeitbedingt an, z.B. die euphorischen, expressionistischen Schilderungen der Jahreszeiten oder Landschaften, er wirkt auch manchmal zu theoretisch befrachtet und abstrakt und leider gibt es in den zusammengefassten Erzählungen keinen stringenten Zusammenhang, aber insgesamt bleibt ein Eindruck von einem genialischen Geist, der den Alltag in einer entfesselten, brillanten Prosa in lebendige Poesie verwandeln konnte, wie Jakub, von dem der Sprecher sagt: "Heute erst verstehe ich das einsame Heldentum, mit dem er mutterseelenallein dem grenzenlosen Element der stumpfen Langeweile den Krieg erklärte. Jeglicher Unterstützung beraubt, ohne Anerkennung unsererseits, verteidigte dieser wundervolle Mann die verlorene Sache der Poesie." (36).