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Die Zeitwaage: Erzählungen
 
 
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Die Zeitwaage: Erzählungen [Gebundene Ausgabe]

Lutz Seiler
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 284 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 3 (21. September 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518421158
  • ISBN-13: 978-3518421154
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 12,6 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Lutz Seiler
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Lutz Seiler hat durch seine Gedichtbände Aufsehen erregt und zuletzt Essays veröffentlicht, die den Essay als eine verdichtete, hoch poetische Form ausweisen. Dass er sich nun der Prosa zuwendet, wurde in literarischen Kreisen aufmerksam verfolgt, schien er doch ein Dichter sui generis zu sein. ... Seiler erweist sich in dieser Prosa als ein Autor, der sehr konzentriert schreibt, der in den Details, die er nennt, immer eine tiefere Dimension mitschwingen lässt. In fast allen Szenen liegt etwas Allegorisches, eine zeitlos anmutende Erfahrung.«

(Helmut Böttiger Deutschlandradio Kultur )

» ... von geradezu altmeisterlicher Vollendung«
»Lutz Seiler ist ein großartig souveräner Erzähler von den seelischen Kollateralschäden des Sozialismus.«

(Jens Jessen Die Zeit )

»Im Jahr 2007 geschah beim Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettlesen etwas Ungewöhnliches. Wie immer lasen Autoren und Autorinnen eine Prosa, die nicht weiter auffiel und von der man ahnte, dass man sie nach kurzer Zeit wieder vergessen haben würde. Dann aber kam Lutz Seiler an die Reihe, und nach wenigen Worten erfüllte ein fast unbekanntes Gefühl den Saal, wie wenn man plötzlich an die Literatur selbst gerührt hätte. ... Seilers literarische Technik ... ist ein Drehen und Wenden, die Prüfung jedes Details, bis der Satzbau und die Grammatik so fein poliert werden, dass die Worte aus sich heraus zu leuchten beginnen.«

(Helmut Böttiger Süddeutsche Zeitung )

»Lutz Seilers unroutinierte, karge und dichte Prosa versteht es, den Leser auf allen Etappen seiner Geschichte zu fesseln.«

(Hans-Jürgen Schings Frankfurter Allgemeine Zeitung )

»Dass Lutz Seiler zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikern zählt, wissen wir längst. ... Mit den jetzt erschienenen 13 Erzählungen hat er sich unübersehbar in die erste Reihe der Prosaschriftsteller geschrieben.«

(Mannheimer Morgen )

»Diese Prosa scheint von weit her zu kommen, aus einer mythischen Ferne, in der die Gegenstände des täglichen Lebens eine alles überstrahlende Aura besitzen, die schützt vor der Unübersichtlichkeit der Welt. Und doch sind uns die Erfahrungen, die in den geschmeidigen und suggestiven Erzählsätzen des Schriftstellers Lutz Seiler vergegenwärtigt werden, noch bedrängend nah.«

(Michael Braun Die Rheinpfalz )

»Wie der Uhrmacher in Zeitwaage erweist sich der Lyriker Seiler auch als Prosaist als begnadeter Feinmechaniker der Sprache.«

(wirth Wiener Zeitung )

»Solche Erlösungshoffnung lässt an Patrick Roth denken, dessen Visionen freilich vom Kino befeuert sind, nicht von zunächst wenig auffälligen Ereignissen meist in Kindheit und Jugend. Seiler vermeidet alles, was als Symbolisierung zu verstehen wäre. Auch Wolfgang Hilbig ist in ›Die Zeitwaage‹ immer wieder präsent, nicht nur, wenn Duftwolken verschimmelnder Äpfel aus dem Keller aufsteigen und die Laube einhüllen. Allerdings entwirft Lutz Seiler keine Landschaften des Zerfalls und der Verwesung. Seine eindrucksvollen Erzählungen vermessen alltäglichere und unauffälligere, aber darum nicht weniger beunruhigende Angstterritorien der Seele.«

(Jörg Plath ARTE )

»Eine immense, poetisch-leidenschaftliche Zärtlichkeit in jeder Zeile dieser nostalgischen Erzählung...Ein großartiges, originelles Debüt, das sich klar von der harmlosen, kommerziell erfolgreichen Ich-Befindlichkeitsprosa mancher junger Autoren distanziert.«

(Roland Freisitzer sandammeer.at )

»Es ist ein Buch der Bilder. Prosa eines Dichters. Das merkt man jedem dieser klingenden Sätze an. … Seilers Texte thematisieren die kleinen, ganz alltäglichen Beschädigungen, die sich beiderseits der Mauer ereignet haben. Sie machen Seilers Erzählungen zu einem Erlebnis.«

(Welf Grombacher Freie Presse )

Kurzbeschreibung

Mit der Ruhe eines Seiltänzers bewegt sich dieser Träumer auch durch das Nachwende-Berlin. Zu den Dingen, die dabei in seinen Besitz geraten, gehört eine einzigartige Uhr, in deren Ticken er die Geschichte hören kann, die ihm geschehen ist. Lutz Seilers lange erwartetes neues Buch enthält neben Turksib, für die er mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde, dreizehn neue Erzählungen. Ob in der Geschichte einer gespielten Erschießung oder im alltäglichen Drama einer wirklichen Trennung – in allen Texten des Bandes Die Zeitwaage geht es um prägende Wendepunkte, um das Groteske im Leben und unser häufig vergebliches Ringen um einen anderen Verlauf.

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Haß und Einsamkeit 13. Juni 2010
Von Mimir TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Lutz Seiler, geboren 1963 in Thüringen, also ein Babyboomer der DDR, erzählt von Reisen, Veränderungen, Brüchen. Reisen in die ersehnte Ferne und die eigene unvertraute Vergangenheit. Veränderungen, die unangenehme Trennungen sind oder schwieriger Neuanfang. Brüche im Leben und der Geschichte. Er reflektiert Vergänglichkeit, Überforderung, alltägliche Verletzungen.

Seine kurzen Erzählungen sind durchdrungen von einer bedächtigen, manchmal mystischen Melancholie. Dabei erzählt Seiler mal in der dritten Person ('Frank', 'Im Geräusch'), mal in der ersten Person; aus der Sicht eines Kindes ('Der Kapuzenkuß'), eines Heranwachsenden, (dem »halbseidenen« Serkin in 'Die Schuldamsel'), eines jungen ('Die Zeitwaage') oder eines älteren Mannes ('Jetzt erschießen wir dich, du alter Mann.').

Die Geschichten selbst sind eigenwillige, fast intime Erinnerungsstücke (»Ich glaube, noch heute könnte ich meinen Stoffturnbeutel in allen Einzelheiten beschreiben, mein Stoffturnbeutel von 1972 erscheint mir vertrauter als das Kind, das ich war.«), beinahe kafkaeske Träumereien oder zerplatzende Illusionen (»Er hatte teilgenommen am Schönen, die Berge, das Meer, Triest, Trévignon, sogar Amerika. Aber nie war es ihm gelungen, sich zu entfernen.«). Und über allem schwebt der Gedanke, dass es keine Möglichkeit gibt, Einsamkeit zu vermeiden.

Lebensentwürfe scheinen zerstoben, verflogen: »Seit einiger Zeit bedrängte ihn die Empfindung, sich an einem bestimmten Punkt seines Lebens zu weit aus dem Fenster gelehnt zu haben, ... , hinausgelehnt und abgedriftet, ..., verlorengegangen für die Rolle, die er zu spielen gehabt hätte, verloren für den Ort, der ihm zugedacht gewesen war, seine natürliche Umgebung.« Das Umfeld, Thüringen, das Tal der Elster, das Chemiedreick Buna, Leuna, Bitterfeld spielen markante Rollen.

Seiler benutzt die alte Rechtschreibung. Auffällig ist der häufige Gebrauch des Wortes 'Haß' in verschiedenen Momenten, mehreren Erzählungen. Und doch wird Seiler niemals eindeutig oder festgelegt. Seine Sprache ist fein und erhellend, seine Charaktere sind filigran und doch knapp gezeichnet. Einfach faszinierend menschlich.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
feinste Sprachsensorien 8. Oktober 2010
Von Andrea
Format:Gebundene Ausgabe
Vielleicht sind diese Erzählungen nicht perfekt. Und ganz sicher sogar sind sie nicht alle gleich packend. Aber in jeder einzelnen tut sich eine eigene Welt auf, die der Autor mit feinsten Sprachsensorien auslotet. Es sind die Töne, verzwickte oder ganz einfache Geräusche, die häufig den Rhythmus der Sprache vorgeben. Und es sind die Figuren, unspektakulär aber doch außergewöhnlich in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit, die mich als Leser angerührt und interessiert haben. Ich habe diesen Band nicht in einem Stück gelesen, da jede einzelne Erzählung noch in mir nachhallen sollte. Besonders beeindruckt haben mich der Junge, der jeden Morgen beklommen zur Schule geht, und der Vater, der ein wenig mit seiner Erwachsenenrolle kämpft, sich leicht überfordert fühlt und sich darum vielleicht gern in die puppige Beschaulichkeit einer jüngeren und geborgeneren Existenz zurückwünscht. Alles in allem ist "Die Zeitwaage" für mich ein beeindruckender Erzählband, der weit über die üblichen (auch hochliterarischen) Standards reicht. Sehr lesenswert und unbedingt neugierig machend auf einen längeren Prosatext dieses Autors.
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15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Erlesene Sammlung 29. November 2009
Von MS
Format:Gebundene Ausgabe
Ich habe mir vor einigen Jahren, wohl eher aufgrund der damaligen Naehe unserer Wohnorte, den Lyrikband "Pech und Blende" von Lutz Seiler gekauft und war sofort von der eigenen Sprache des Autors angetan.
Vor einigen Wochen habe ich dann durch eine Lesung im DLF mitbekommen, dass er sozusagen die Disziplin gewechselt hat (und zwischendurch den Bachmannpreis fuer eine Erzaehlung bekommen hatte). Die Lesung von zwei Stuecken (Zeitwaage und ...) hat mich bereits sehr beeindruckt. Um so mehr der vorliegende Band.
Ich habe den Titel der Rezension gewaehlt, weil ich die Erzaehlungen durchgaengig auf sehr hohem Niveau erlebt habe. Ich habe sie mir regelrecht "aufgehoben", wie man das bei einem guten Wein tut (und wie es sonst ganz und gar nicht meine Art ist).
Hohes Niveau? Nun, sowohl sprachlich (es faellt mir schwer, das praeziser auszudruecken, aber ich wuerde es als "eigen" und fuer mich "treffend", weil den Inhalt untermalend (nein, nicht ganz richtig, aber...)) als auch inhaltlich sehr feine Kost. Vielleicht kann man zum Inhalt als Klammer sagen, dass die Erzaehlungen meist einen fragenden Charakter haben. Hinterfragend, und zwar eigene (ob nun des Autors oder nicht) biographische Erlebnisse. Weitere Inhaltsangaben entnehme man dem offiziellen Text, bin gerade daran gescheitert Zusammenfassungen zu liefern - und zwar deswegen, weil die einzelnen Geschichten fuer mich so anregend sind, dass ich sie nur schwer bzw. gar nicht auf einige Zeilen komprimieren moechte.
Ein letztes: die Kurzbiographie des Autors ist an sich schon ungewoehnlich; an dem Abend im DLF hat Lutz Seiler erzaehlt, dass er ueberhaupt erst waehrend seiner Militaerzeit angefangen hat zu lesen. Zum Glueck!
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