Dieses Buch hat mich nach den ersten drei - doch recht ordentlichen Bänden - zutiefst enttäuscht, was um so ärgerlicher ist, da die Grundidee des vierten Teils fasziniert und lediglich schlecht umgesetzt wurde.
Ist der Beginn des Romans noch recht furios und kurzweilig, baut das Buch im weiteren Verlauf immer stärker ab, um lediglich kurz vor Schluss noch einmal an Spannung zu gewinnen.
Zur Handlung: Im Gegensatz zu den ersten drei Bänden erstreckt sich das Buch diesmal nicht über einen längeren Zeitabschnitt, sondern spielt in dem verhältnismäßig kurzen Zeitraum 1940-1943.
Im Gegensatz zu den anderen drei Romanen der Zeit-Odysse befinden wir uns hier tatsächlich in einer Parallelwelt. Ausgangspunkt ist, dass die Deutschen 1940 vor Dünkirchen nicht halt gemacht haben und hierdurch das gesamte britische Heer in Frankreich vernichtend geschlagen wurde. Da der englische Widerstand gegen das Deutsche Reich trotzdem nicht endet, wird Invasion ,,Seelöwe" gestartet, also die Invasion Großbritanniens. Diese Invasion gelingt dem Deutschen Reich unter großen Verlusten und endet in einem Stellungskrieg in England. De facto wird England hierdurch in ein freies Restengland und ein deutsch beherrschtes Protektorat Albion zweigeteilt.
Eine Grundidee also, die durchaus originell ist und Spannung verheißt.
Was diesen vierten Roman allerdings so schwer erträglich macht, sind die eindimensionalen Personen. Jede Person erscheint eigens geschaffen, um ein Rolle zu erfüllen Die Personen leben nicht für sich, sondern lediglich um eine andere Sichtweise auf die Geschehnisse einzubringen. Diese Eindimensionalität der Personen ist nicht zu verwechseln mit Klischeeerfüllung. Was stört ist, dass die Personen schlichtweg nicht ,,atmen":
Da ist der aufrechte deutsche Wehrmachtsoldat Ernst und sein böser SS-Bruder; da ist eine aufrechte US-Historikerin und ihr tapferer Sohn; da ist der verfolgte latent schwule Jude Ben Kamen; da ist der aufrechte englische Bobby, der sich im Protektorat Albion ausgerechnet in die fanatische britische SS-Offizierin Julia verliebt.
Alle diese Personen sind miteinander verknüpft, da nur Ben Kamen in der Lage ist, den Lauf der Geschichte zu verändern und treffen zum Schluss aufeinander.
Stephen Baxter ist in seinen Darstellungen keinesfalls deutschfeindlich, ganz im Gegenteil, selbst bei einer vergewaltigten Engländerin stellt sich heraus, dass diese nicht durch heranrückende deutsche Wehrmachtsoldaten, sondern durch abrückende britische Truppen vergewaltigt wurde. Stephen Baxter verspielt aber nach dem rasanten Beginn durch ständige Perspektivwechsel und einer Überfrachtung des Geschehens durch diverse Protagonisten, dass man ernsthaft mit den Figuren mitleidet. Hinzu tritt, dass die Aufklärung, auf welche Art und Weise denn nun die Geschichte in den drei vorherigen Bänden verändert werden sollte, derart hanebüchen ist, dass man auch gleich auf sie hätte verzichten können.
Schade: Da wär mehr drin gewesen !