Vorab: Der zweite Teil einer offensichtlich breit angelegten Saga ist auch ohne Kenntnis des ersten Teils (,,Imperator") gut verständlich und in sich abgeschlossen.
Zur Handlung: Der Roman spielt in Britannien in der Zeit von 607 n. Chr. bis 1066 n.Chr. und ist unterteilt in vier unabhängige Geschichten mit unterschiedlichen Protagonisten zu verschiedenen Zeiten, die lediglich lose durch eine Prophezeiung innerhalb ihres familiären Umfeldes miteinander verknüpft sind.
Die Prophezeiung wird bereits auf der ersten Seite des Romans abgedruckt, so dass nicht zu viel verraten wird, wenn angeführt wird, dass diese Prophezeiung für den Leser - nicht aber für die Protagonisten - in zu entschlüsselnder Form bedeutende britische Ereignisse des o.a. Zeitraums ankündigt und ein zehntausendjähriges ,,arisches" Reich vorhersagt.
Die Romanabschnitte selber spielen zu Zeiten der Überwindung der römischen Kultur in Britannien durch Angeln und Sachsen im Jahr 607 n. Chr., zur Blütezeit des klösterlichen Lindisfarne 793 n. Chr., zur Zeit Alfred d. Großen 878-899 n. Chr. und zur Zeit des Konfliktes von Harold Godwinson und Wilhelm, Herzog der Normandie 1066 n.Chr.
Der Roman ähnelt erschreckend - und somit tendenziell langweilend - dem ersten Band, was der aufmerksame Leser dieser Rezension daran bemerkt, dass auch diese Rezension zu ,,Eroberer" meiner Rezension zu ,,Imperator" ähnelt. Es gibt schlichtweg nur wenig Neues zu berichten.
Somit gilt exakt das Gleiche wie bei ,,Imperator": Der Roman ist ein historischer Roman, da keinerlei offenkundige geschichtliche Alternativweltgeschehnisse stattfinden.
Und doch ist der Roman Science-fiction, da der Leser mit Beginn der Prophezeiung über alternative geschichtliche Entwicklungen spekuliert und es nicht auszuschließen ist, dass bereits die Existenz der Prophezeiung den Geschichtablauf ändert, indem sie die Protagonisten in ihrem Handeln beeinflusst.
Da auch die Protagonisten über ,,Zeitweber" spekulieren, die versuchen den ,,normalen" Geschichtsablauf zu ändern und selber stets darüber nachdenken ,,Was wäre wenn", ist auch der Leser im steten Nachdenken über diese Königsfrage eines jeden Alternativweltromans.
Vielleicht ist ja selbst unsere heutige so selbstverständliche Welt mit einem ,,weißen = arisch" dominierten Nord- und Südamerika sowie Australien nur Ergebnis dieser Zeitweber.
Fazit: Mir hat der Roman längst nicht mehr so gut gefallen wie der erste. Er ist zwar in sich abgeschlossen, ähnelt aber zu sehr dem ersten Band, was Spannung raubt. Somit ist auch mein Fazit nahezu identisch.
Stephan Baxter hat es durchaus verstanden, dass der Leser sich in die verschiedenen Handlungszeiten des frühmittelalterlichen Britanniens einfühlen kann, der Leser mit den Protagonisten und deren Schicksalen mitfiebert und er spekuliert, wo und ob sich der normale Geschichtsablauf ändert bzw. welche Alternativen es zu der uns bekannten Geschichte gegeben hätte.
Der Roman ist deshalb nichts für Interessenten technisch ausgerichteter Science-fiction und auch nichts für Anhänger klassischer Alternativweltromane. Es ist in erster Linie ein historischer Roman, der aber auch den typischen geschichtlich interessierten Science-fiction Leser zum Nachdenken anregt.