Dies ist ein weiterer Roman, der am individuellen Schicksal die Gräuel einer lateinamerikanischen Diktatur erzählt. Im Gegensatz z.B. zu Isabel Allendes "Geisterhaus" verzichtet Julia Alvarez jedoch auf die ausführliche Ausschmückung und Mythisierung des Schicksals der vier "Schmetterlinge", sondern versucht gerade eine andere GEschichte, jenseits des Mythos, zu erzählen. Die vier Schwestern Mirabal gab es wirklich, und der Mord an dreien von ihnen ist zum Stichtag für den Internationalen Tag der Gewalt gegen Frauen geworden. Julia Alvarez nun lässt jede der Schwestern zu Wort kommen und aus ihrem Munde eine Version ihres Heranwachsens und allmählichem politischen Engagement erzählen. So entsteht das Bild der Trujillo-Diktatur in der Dominikanischen Republik der 40er und 50er Jahre, vom Leben einer Familie unter dieser Diktatur; daneben zeigt der Roman auch die unterschiedlichen Wege, auf denen Frauen ihre Unabhängigkeit in einer machistischen Gesellschaft zu behaupten versuchen. Die Autorin setzt auf Poesie statt auf Kitsch und Melodramatik und durch die Vorwegnahme des Schicksals der drei Frauen entgeht sie der Gefahr, dass die dramatische Handlung die erzählerischen Variationen und Töne überdeckt. Und indem die überlebt habende vierte Schwester zu Wort kommt, erweckt Julia Alvarez den Eindruck von Dokumentation, wo es sich um Fiktion handelt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)