Die im Jahr 2000 erstmals veröffentlichte, gut tausend Seiten umfassende Gesamtdarstellung des britischen Historikers Michael Burleigh darf bis auf Weiteres als Referenzwerk betrachtet werden. Eine so kluge, umfassende, differenzierte und ausgewogene Gesamtschau auf die Zeit zwischen 1918 und 1948 ist bis dato und auch seither nicht mehr geliefert worden. Zwar stützt sich Burleigh überwiegend auf publiziertes Material sowie das geschichtswissenschaftliche Schrifttum und weniger auf Primärquellen, aber die dabei erbrachte kompositorische Leistung ist ohnegleichen. Außerdem zeichnet Burleigh sich durch enorme geschichtswissenschaftliche Expertise und eine stupende, allerdings nie aufdringliche Gelehrsamkeit aus.
Formal lebt diese Darstellung, die chronologische Linienführung und thematische Schwerpunkte geschickt miteinander verschränkt, von den "Tugenden" angloamerikanischer Historiographie: Sie ist anschaulich und konkret geschrieben, durchweg gut verständlich und lesbar, ohne allerdings zu simplifizieren. (Diese Hürde hat die Arbeit von Ernst Piper mit dem Titel "Kurze Geschichte des Nationalsozialismus" von 2007 nicht gemeistert, so dass hier gleichsam ex negativo ein Vergleichswerk vorliegen würde.)
Dabei enthält sich Burleigh keineswegs eines historischen Urteils oder einer scharfen Kontextualisierung. Der erste und der letzte Abschnitt des Buches legen insofern Zeugnis von einer uneingeschränkt humanistischen, demokratischen und rechtsstaatlichen Gesinnung ab. Aufbau, Gliederung und Aufbereitung des wissenschaftlichen Materials sind tadellos; besonders hilfreich ist die abschließende Auswahlbibliographie.
Ein Meisterwerk der modernen Geschichtswissenschaft.