"The Great Commandment" - so der Originaltitel des 1939 entstandenen Films gehört zu den in Vergessenheit geratenen Filmen des Schauspielers und Regisseurs Irving Pichel. Pichel glänzt bei diesem Film in beiden Funktionen - als Schauspieler lieh er dem allenfalls indirekt sichtbaren Jesus seine Stimme.
Zur Handlung:
Der Film spielt kurz vor der Kreuzigung von Jesus. Der Rabbinersohn Joel ist Mitglied einer militanten Widerstandsgruppe, die sich gegen die römische Herrschaft auflehnt. Als er durch Zufall erfährt, daß die Römer die Bewohner seines Dorfes auslöschen wollen, begibt er sich auf die Suche nach dem Zimmermannssohn aus Galiläa, der Wunder bewirkt und von dem alle behaupten, er sei der König der Juden. Er will versuchen, den König als Feldherr zum bewaffneten Kampf gegen die Römer zu bewegen ...
Das Ganze erinnert irgendwie an die Judas-Figur aus Nicolas Rays "König der Könige" - nur mit dem Unterschied, daß Joel am Ende die Geistigkeit des Königreichs und damit die Botschaft versteht. Und so gelingt es ihm, sich auch mit dem Römer auszusöhnen, der Jesus bei der Kreuzigung die Lanze in die Seite stieß. Er kann ihn sogar zum Christentum zu bekehren und geht mit ihm auf Missionsreise, was einen an "Das Gewand" erinnert.
Insgesamt nicht nur aufgrund der Parallelen ein sehenswerter Film, dessen Produktionsfirma Cathedral Films für die Verfilmung religiöser Stoffe bekannt ist. Die ursprüngliche Verleihfirma (20th Century Fox) sieht das scheinbar anders (in den mir vorliegenden Chroniken ist der Film nicht mehr aufgeführt) und auch eine deutsche Kinoauswertung konnte ich nicht nachvollziehen (dies erklärt wohl auch den wenig glücklichen deutschen Titel der DVD, der Enttäuschungen vorprogrammiert). Die DVD gibt allerdings den deutschen Ton in restaurierter und unrestaurierter Fassung an, so daß es scheinbar irgendeine Auswertung gegeben hat. Allerdings konnte ich in den Stichproben zwischen beiden Fassungen, die ich gemacht habe, keinen relevanten Unterschied feststellen.
Die Bildqualität leidet an der zur Abtastung verwendeten Kopie, die zum Teil sehr streifig ist. Das Problem hatte allerdings auch schon eine englischsprachige DVD-Auswertung. Im Vergleich mit der ist das Bild hier insgesamt besser - auch der englischsprachige Ton. Das Bonusmaterial beschränkt sich auf eine Trailerauswahl.
Bei der Bewertung schwankte ich zwischen drei und vier Sternen. Für vier Sterne sprach für mich der relativ unbekannte Film als solcher, der sich aus der Zeit, in der er entstanden ist erklärt und für den Sammler eine Bereicherung darstellt. Das zeitweise streifige Bild sprach eher für drei Sterne. Auf der anderen Seite muß man dem Anbieter zugute halten, daß hieran auch eine frühere englischsprachige Veröffentlichung litt, von der sich das Produkt hier merklich abhebt - und der Film scheint so selten zu sein, daß die Anzahl der verwertbaren Kopien begrenzt ist. Deshalb haben sich die vier Sterne durchgesetzt.