Unglaublich, daß diese Aufnahme, die bislang nur in der teuersten Preiskategorie zu haben war, nun in diese wunderbare Midprice-Reihe aufgenommen wurde!
Für mich persönlich zählt sie zu den allerbesten Einspielungen dieses Werkes (welche die definitive Version ist, vermag ich angesichts des großen Angebots nicht zu sagen), auf jeden Fall zu den Top 5.
Es handelt sich dabei um die erste von zwei Aufnahmen, die SIR GEORG SOLTI mit den Wiener Philharmonikern aufgenommen hat, im Jahre 1969.
Er wählt eher gediegene Tempi, ruhig, aber niemals schleppend, in den Allegro-Passagen aber durchaus flott und voller Schwung - kurz, sehr geschmackvoll. Überflüssig zu betonen, daß ihm mit diesem Orchester klanglich eine traumhafte Wiedergabe gelingt, satt und mit brillanten Farben, dabei aber schlank und seidig. Besonders brillant die Streicher.
Die Sängergarde ist reinster Luxus!
Vor allem zeichnet sich das Ensemble dadurch aus, daß die Stimmen durchwegs füllig, klangreich und nicht zu leicht sind, bis in die kleinsten Partien: welche andere Aufnahme hat sich bitte in den Rollen der beiden Geharnischten Kaliber wie RENÉ KOLLO und HANS SOTIN geleistet?
STUART BURROWS ist ein Tamino der Sonderklasse. Geschmeidig in der Phrasierung, nobel und elegant im Ausdruck, und auch die heroischen Teile der Partie singt er unangestrengt mit beinahe heldischem Tenor. Edel.
PILAR LORENGARs Pamina ist ganz Dame. Ein wunderbar hoher lyrischer Sopran mit leichtem Vibrato, der auch allen technischen Aspekten der Rolle gerecht wird und im Duett mit Papageno wunderbare Wärme entfaltet.
Den Vogelfänger singt HERMANN PREY, und das Schöne ist, daß er die Partie wirklich SINGT und nicht zu sehr in die Rolle des dümmliche Tollpatschs verfällt. Ein sehr gefühlvoller Papageno mit viel Herz, das er am Ende der Papagena von RENATE HOLM schenkt, die mit sauberem Klang und viel Charme ihr "Pa-pa-pa"-Duett gibt.
Als Sarastro und Königin der Nacht bietet diese Aufnahme die meines Erachtens nach besten Sänger auf, die ich in diesen Rollen gehört habe:
MARTTI TALVELAs Sarastro ist der klangfülligste, voluminöseste und dunkelste Bass, den ich kenne. Seine Darbietung ist nobel, autoritär und gebieterisch, dabei gütig und sehr menschlich. Für mich perfekt.
Das absolut Außergewöhnliche findet man allerdings in der Besetzung der Königin der Nacht: CHRISTINA DEUTEKOM, eine holländische Koloratursopranistin, die heute nicht mehr sehr bekannt ist. In den Sechziger- und Siebzigerjahren hat sie in dramatischen Belcanto-Rollen an vielen großen Opernhäusern für Aufsehen gesorgt. Wer wirklich sternflammende Koloraturen und eine furiose Rachearie hören will, kommt hier auf seine Kosten: keine andere Königin wartet mit einer größeren, hochdramatischeren Stimme auf, die dreigestrichenen F's werden geradezu gnadenlos herausgespien, die Triolenketten sind technisch schon überperfekt (sodaß sie fast gejodelt klingen, wofür die Sängerin bekannt ist). Noch dazu kommt, daß die Stimme sehr kalt klingt, was in dieser Partie ausnahmsweise einmal kein Nachteil ist. Eine legendäre Interpretation; das haben nicht einmal Edita Gruberova, Edda Moser oder Joan Sutherland geschafft.
Auch die drei Damen (HANNEKE VAN BORK, YVONNE MINTON, HETTY PLÜMACHER) sowie die drei Knaben (Wiener Sängerknaben) bieten Hörgenuß vom Feinsten.
Kurzum: ein Produkt für Feinschmecker und Freunde des eher üppigen, schwelgerischen Musizierens. Für Liebhaber des Historischen-Originalinstrumente-Stils ist das ganz sicher nichts!!
Allen anderen sei die Aufnahme auf Herzlichste empfohlen.