Ein insgesamt schönes Kinderbuch einigen Schwächen.
Positiv hervorzuheben sind vor allem die fantastischen, angenehm unkitschigen Bilder. Toll auch die abgedruckten Noten (vereinfachter Klaviersatz und Gesangsnoten) zu ausgweählten Arien, die zum (Mit-)Singen verführen.
Nicht so gelungen hingegen finde ich, wie die Geschichte erzählt wird: umständliche, wenig kindgerechte Formulierungen, hölzerne Ausdrucksweise, häufige Verwendung von Begriffen, mit denen Kinder nichts anzufangen wissen (versuchen Sie mal, einem vierjährigen Kind zu erklären, was "Bruderschaft" bedeutet). Zudem mogelt sich die Erzählung um einige Probleme herum:
Warum ist die Königin der Nacht eigentlich böse? Darüber erfährt man in dieser Nacherzählung nichts.
Problematisch finde ich auch, dass Monostatos (korrekt eigentlich: Manostatos, wie von Irmen dargelegt) unkommentiert als "Mohr" bezeichnet und er nebst seinen Sklaven in den Illustrationen als Farbiger dargestellt wird. Bei Kindern bleibt da schnell die Gleichung dunkelhäutig = böse im Gedächtnis. Im 21. Jahrhundert sollte man bei einer Nacherzählung, gerade bei einer Aufbereitung für Kinder, ein paar Worte darüber verlieren und nicht einfach die Geschichte aus dem 18. Jahrhundert unkommentiert nachplappern.
Aber ich will das Buch nicht allzu sehr kritisieren, denn imerhin hat es bei meinen beiden Kindern (4 1/2 und 2 1/2 Jahre) eine echte und, wie es scheint, länger anhaltende Zauberflöten-Begeisterung ausgelöst. Seit Wochen vergeht kein Tag, an dem die Kinder sich nicht abwechselnd als Königin und Sarastro oder Papageno und Pamina verkleiden und Arien trällernd durch die Wohnung rauschen. Immer wieder werden Zauberflöten gemalt und gebastelt. Auch mein 2 1/2-jähriger Sohn, der die Geschichte sicherlich noch nicht versteht, kommt täglich mit dem Buch und einer Zauberflöten-CD an und besteht darauf, die Musik zu hören und dabei im Buch zu blätttern. So gesehen: was will man mehr erwarten von einem Buch?