Der Stoff der Zauberflöte" wirkt auf den ersten Blick wie ein nettes, wenn auch stellenweise etwas konfuses Märchen. Es gibt die Guten und die Bösen, freilich muss man zwischendurch feststellen, dass manche genau das Gegenteil von dem sind, was zunächst suggeriert wurde. Dies hängt mit der Entstehungsgeschichte der Oper zusammen.
Gerade die Zauberflöte"-Geschichte in ihrer bewegten Farbigkeit eignet sich vorzüglich als Grundlage für ein Manga. Es gehört jedoch einiges an Kreativität dazu, dies überhaupt zu erkennen, und vor allem, es dann zu realisieren.
Die Umsetzung ist bemerkenswert gut gelungen. So treten die Comicfiguren als ausdrucksstarke Figuren in Erscheinung, die sich schon durch ihr Aussehen charakterisieren: Tamino als sensibler, jedoch selbstbewusster Jüngling, Pamina verführerisch schön, klug und sehr eigenwillig, Sarastro imponierend und mit dem Gesicht eines orientalischen Weisen, Papageno als flatterhafter, nicht sehr aufgeweckter Bursche, die Königin der Nacht als unheimliches Feenwesen in Schwarz, Dunkelblau und Gold.
Aus der Story" wurden die wesentlichen Abläufe herausgezogen und in Manga-Form dargestellt, und selbst Comic-Skeptiker dürften begeistert sein von der kraftvoll-bewegten Ausführung, die den Inhalten der Oper wirklich gerecht wird und den Leser und Betrachter fesselt. So kann man Klassik-Muffel" unter Schulkindern und Jugendlichen hervorragend an die Oper heranführen.
Zum Verständnis der Hintergründe findet man in einem beigefügten Heft nicht nur den Originaltext des Librettos, sondern auch zahlreiche hilfreiche Texte, die vor allem den Freimaurer- und Illuminati-Hintergrund der Zauberflöte"-Geschichte erläutern, aber auch Anspielungen auf die damalige Politik, zum Beispiel die Auswirkungen der französischen Revolution auf die Wiener Illuminati und Freimaurer. Die Rolle der Frau spielt ebenso eine Rolle wie die zahlreichen versteckten Symbole. Es ist bemerkenswert, wie detailliert und anschaulich im Textheft auf diese Anspielungen eingegangen wird. Am Ende des Hefts erläutert das Team, wie es die Oper in einen Manga umgewandelt hat, also unter anderem, dass die Zauberflöte, die Tamino zu seinem Schutz erhalten hat, im Manga eine griechische Faun-Flöte ist.
Einziges Manko: Das bezaubernde Werk enthält zu viele Kommafehler, weshalb bei einem vor allem für Kinder und Jugendliche gedachten Buch ein Bewertungsstern abgezogen werden sollte.
Abgesehen davon handelt es sich um eine herausragende Umsetzung einer tollen Idee. Unbedingt zu empfehlen - und man darf gespannt sein auf die Fortsetzung der Reihe.