Stef Penney, gebürtige Edinburgherin, hat mit diesem Roman, der im Original denselben Titel hat, einen phantastischen Erstling veröffentlicht. Die Rahmenhandlung, die Suche nach einem Mörder, findet im Jahr 1867 statt, und im eisigen Kanada treffen Menschen und ihre Schicksale aufeinander und treten durch die unterschiedlichsten Zusammenhänge miteinander in Verbindung. Alle, die sich für den Mord interessieren, haben unterschiedliche Gründe für ihr Interesse. Auch wenn das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird, ist die Ich-Erzählerin die Hauptperson, sie ist die Mutter eines jungen Mannes, der im Zusammenhang mit dem Mord in ihrem Dorf vermisst wird. Das Dorf ist noch nicht alt. Es wurde gegründet von Menschen auf der Suche, wie es zu der Zeit in Kanada, außer den Indianern, alle gewesen sein müssen.
Es ist faszinierend, wie die Autorin mit ihrer Erzählweise nicht nur das "Leitmotiv allgegenwärtigen Unbehagens" entstehen lässt, wie der Guardian in der engl. Ausgabe zitiert wird, sondern auch die unermessliche Weite der Landschaft, die eine kalten, trügerischen und gleichgültigen Schauplatz abgibt. Die Charaktere müssen sich damit abfinden, sind sie doch nicht hier geboren, sondern in Edinburgh, Perth, Frankreich oder in den sich zu diesem Zeitpunkt blutig zusammenraufenden Vereinigten Staaten; sie sind ernüchtert und desillusioniert und wollen doch ihren Platz im Leben behaupten. Die Autorin entwickelt die komplexesten Lebensgeschichten; so ist ihre Heldin bei weitem nicht nur die schöne, unangepasste Frau eines mürrischen Schotten, sondern hat eine dunkle, traurige Vergangenheit, der Sohn ist nicht der kauzige Einzelgänger, für den ihn seine Mitschülerinnen halten, und eine junge Norwegerin ist zu viel mehr bereit, als ihr Wesen vermuten ließe ... und immer tut die Landschaft ein übriges, um die Menschen auf die Probe zu stellen, von denen die wenigsten die sind, die sie zu sein vorgeben. Es ist erstaunlich, wie plastisch jede der Personen dargestellt wird, wie nüchtern und abgeklärt die Erzählerin spricht, die doch nicht ohne Gefühl ist. Die Übersetzung muß anspruchsvoll gewesen sein, es kommt selten vor, daß Landschaften oder Flüsse und Wälder, aber auch Jahreszeiten und das Wetter so eindrücklich beschrieben werden. Dieser Roman ist so viel mehr als ein Kriminalroman, oder ein historischer Roman, oder ein Wettrennen um einen fremdartigen Gegenstand, oder eine oder mehrere Liebesgeschichten (vor allem ist er viel mehr als die Zusammenfassung, die hier bei der Produktinformation zu lesen ist!).
Am Ende schließen sich manche Kreise und manche bleiben offen - und man hat das Gefühl, bei der grandiosen landschaftlichen Kulisse muß das so sein, denn wie leicht verirrt man sich und findet unter Umständen nie wieder zurück, auch wenn man Spuren im Schnee hinterlassen mag.