Das Yoga Sutra des Patanjali gehört zu den bedeutensten Yoga schriften überhaupt und es gibt bereits zahlreiche Kommentare dazu. Natürlich ist jede Interpretation vom persönlichen Wissen und Erfahrungen gefärbt und so ein Stück weit einzigartig.
Aber nicht nur die Interpretation, auch die Übersetzung der über 100 kleinen Sutren ist sehr variabel! Schließlich handelt es sich beim Sanksrit um eine sehr alte Sprache die sich kreativ übersetzen lässt. Hierzu ein Beispiel:
ishvarapranidhana kann auf verschiedene Weisen übersetzt werden - Hingabe an Gott, Selbstaufgabe, ohne Verhaftung an das Resultat. Der Autor wählt hier meist Hingabe an Gott, betont jedoch dabei, dass es dabei eher um den allgemeinen Begriff Gottheit verstanden werden muss. In anderen Übersetzungen kann es vorkommen, dass anstatt "Hingabe an Gott" als "Handeln im Bewusstsein eines höheren Ideals" übersetzt wird.
Der Autor versteht es hierbei hervorragend, das Wissen zu differenzieren und in ausführlichen Kommentaren Begriffe aus dem Philosophiesystem, dem sich Patanjali bedient, zu erläutern. So bedeutet "tapas" in dem Zusammenhang mit "Kriya-Yoga" Askese, Disziplin, Selbstbeherrschung, kann aber in einem anderem Zusammenhang leicht anders verstanden werden.
Jedes Sutra besteht aus ein bis zwei Sätzen, die zunächst in Sanskrit bzw. einer wissenschaftlichen Einheitsdarstellung des Sanskrit erst mal für sich da steht. Damit kann man natürlich nichts anfangen, deswegen sind die "Vokabeln" anschließend übersetzt zu sehen. Dann folgt das eigentliche Kommentar. Es fällt Anfangs etwas schwer die Sanskrit Begriffe (Kriya-Yoga, tapas, mudha, ...) im Text sofort zuordnen zu können. Sie sind jedoch anfangs immer in einem Nebensatz mit ihrer Übersetzung in Verbindung gebracht und kommen erst später, wenn sie sehr häufig verwendet werden auch unkommentiert vor. Mit Konzentration gelesen ist es kein Problem.
Generell ist es Phantastisch dieses Buch zu lesen, es enthält sehr viele Weisheiten und Übungen, die teilweise im Sutra enthalten und vom Autor erläutert, oder auch im Kommentartext ausführlich beschrieben werden. Es ist jedoch, ähnlich wie mit der Bibel oder generell mit Schriften, die einen spirituellen Inhalt tragen, nicht zu empfehlen, das Buch einfach von einem Buchdeckel zum anderen durchzulesen! Durch die vielen kleinen Sutren fällt es leicht die Menge zu portionieren und sich gezielt Gedanken darüber zu machen. Obwohl der Text kommentiert ist, sollte man sich die Zeit nehmen die Gedanken nachzuvollziehen und in Ruhe auf sich wirken zu lassen.
Ich persönlich habe mir als Hilfe noch eine weitere Übersetzung (kostenlos aus dem Internet) genommen und mit dem Buch verglichen. Dabei wird man sensibilisiert für die feinen Unterschiede in der Übersetzung und wenn man ein Sutra in der einen Formulierung nicht versteht, dann vielleicht ja in der anderen.
Noch ein weiterer Ratschlag: Man kann natürlich im ersten Kapitel anfagen. Ich habe das getan und fand es auch bis zur Hälfte gut, dann wurde es sehr schnell sehr schwer. Das wohl beste Kapitel für den einstieg ist das zweite, da hier viele Praxistipps (von Patanjali) stehen und auch viel Konkreter ist.
Obwohl es die Sutras kostenlos in zahlreichen Übersetzungen zu haben gibt, empfehle ich dringlich zumindest einen Kommentar dazu zu lesen und dieses Buch ist ein solider Grundpfeiler für das wahre Verständnis des Sutras.