Dünn ist das Buch, sehr dünn, das Oriana Fallaci "mein Büchlein" nennt. Allerdings war der Inhalt auch nie für ein Buch gedacht. Er erschien vielmehr kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in einer italienischen Zeitung. Oriana Fallaci fügte für die Buchausgabe dann ein sehr langes Vorwort ein. Ein Vorwort, indem sie ihre Beweggründe, Gedanken und ihre Wut beschreibt.
Objektiv ist dieses Buch nicht. Soll es auch nicht sein. Schon allein aus dem Titel "Die Wut und der Zorn" verbietet sich jede Objektivität. Nein, Oriana Fallaci schreit hier ihre Wut, ihren Zorn heraus. Sie schreit ihre Wut über eine Religion heraus, die Menschlichkeit nur für ihre eigenen Glaubensbrüder kennt, ihre Wut über eine Religion, die die Frauen in Burkas hüllt und in der der Jubel über die Opfer durch alle Straßen zog. Sie schreit ihre Wut über eine Religion heraus, in der es eben nicht einige fehlgeleitete Individuen sind, die die Anschläge verübt haben, sondern sie vielmehr von den allerbreitesten Bevölkerungsschichten mitgetragen wurden.
Und sie ist zornig über ihre alte Heimat Italien, ja Europa generell. Sie fühlt sich wie die einsamen Warner vor Hitlerdeutschland, die 1933 in ihrer Wahlheimat Amerika kein Gehör fanden. Erst acht Jahre später - 1941 - wurde dann auch dem letzten Amerikaner klar, wovor gewarnt worden war. Aber da war es zu spät und Amerika wurde in den Krieg gezogen.
Heute warnt Oriana Fallaci vor einer Religion, die bedroht Europa zu überrennen. Europa, verkommen in seiner Dekadenz, wie sie meint, hat keine Kraft gegen die Invasion zu kämpfen. Sie nennt ihre Landsleute faul und verkommen, der Freiheit überdrüssig, kampffaul.
Man muß ihre Meinung nicht teilen, kann aber ihr weder ihre Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit absprechen, noch die Wahrheit ihrer Anklage anzweifeln.
In Zeiten der Political Correctness, in der das Aussprechen von ahrheiten, insbesonderen unbequemen, als Sakrilieg gilt, das leicht mit einer öffentlichen Hinrichtung bestraft wird, in diesen Zeiten ist ihr Buch wertvoller denn je. Und sei es nur, weil sich jemand traut eine unbequeme Meinung zu haben.