Der Historiker und Papyrologe Carsten Peter Thiede begibt sich in seinem Buch zusammen mit dem Historiker und Altphilologen Urs Stingelin auf die Suche nach den Wurzeln des Antisemitismus. Ihr gemeinsames Buch beschreibt mit wissenschaftlicher Genauigkeit, auf welche antiken Wurzeln der moderne Antisemitismus aufsetzt - wobei ausschließlich literarisches Quellenmatierial Beachtung findet, das im Kontext der Zeit gedeutet wird. Die Verfasser widerlegen den Vorwurf, Judenfeindschaft sei bereits im Neuen Testament angelegt und weisen überzeugend darauf hin, dass die neutesamentlichen Schriften von Juden verfasst sind, die an strittigen Stellen allenfalls eine im Judentum übliche polemische Sprache gebraucht haben. Andererseits wird die im frühen Christentum aufkommende Judenfeinschaft nicht verschwiegen, sondern vielmehr mit zahlreichen Zitaten belegt und kommentiert. Es mag für einige Leser eine erschütternde Erkenntnis sein, dass gerade die Großen unter den Vätern der Kirche, nicht zuletzt Abrosius und Augistinus, die Munition für Judenhass und ungestrafte Judenverfolgung lieferten.
Wenn im Anhang auch auf den Antisemismus eingegangen wird, wie er im Koran zu finden ist, dann um deutlich zu machen, dass der Islam das Erbe des Judenhasses übernahm und weiterführte.
"Die Wurzeln des Antisemitismus" ist in keiner Weise tendenziös. Es will dem Leser helfen, aufgrund sorgfältig abgewogener Fakten, selbst ein Urteil zu fällen. Das ist sicher im Blick auf aktuelle Vorgänge sehr hilfreich.
Ulrich Schlittenhardt