Der Roman "Die Wunderheilerin" von Ines Thorn handelt von den Zwillingsschwestern Priska und Regina, die von nach ihrer Lehre zur Silberschmiedinnen sehr unterschiedliche Lebenswege bestreiten. Priska, die Hauptakteurin heiratet den homosexuellen Bruder ihrer Lehrmeisterin, einen Arzt und wird mehr und mehr zu dessen heilkundigen Assistentin. Regina, ihre eifersüchtige und egoistische Schwester wird zur Magd und macht Priska zunächst ihr Leben schwer und bringt es später sogar noch in Gefahr.
Insgesamt war ich von dem Werk enttäuscht. Zwar lässt sich der Roman flüssig und einfach lesen, jedoch wollte bei mir weder große Sympathie bei einem der Charaktere, noch ein Mindestmaß an Spannung aufkommen.
Die Charaktere sind facettenlos und ohne Tiefgang dargestellt. Priska als die Gute, die ihrer bösen Schwester selbst die Anzeige beim Stadtrat verzeiht. Regina als die Böse, die bis zum Schluss versucht ihre Schwester zu erpressen und ins Unglück zu stürzen.
Priskas Werdegang zur Wunderheilerin ist dürftig dargestellt: In einem Nebensatz erfährt der Leser, dass Priska bereits vor ihrer Lehre in der Silberschmiede einige Kenntnisse von dem Kräuterweib im Vorort gelernt hat und daher auch meisterlich bei einer Geburt helfen konnte. Bei der Silberschmiedin hat sie in den Jahren ihrer Ausbildung so gut Latein gelernt, dass sie sich autodidaktisch mit Hilfe der Bücher ihres Ehemannes weiteres Wissen aneignet und ihm später assistiert. Jedoch lässt die Autorin den Leser eher dürftig an den Arztbesuchen des Ehepaares teilhaben, sondern beschäftigt sich mehr mit der sexuellen Lust im örtlichen Bordell. Ein Nebenereignis ist dann auch Priskas Teilnahme an der Leichenöffnung zu Lehrzwecken an der Universität. Obwohl ihr Mann für seine Forschung gegen Syphilis viele Leichen öffnen möchte und Priska ihn dabei unterstützt, bekommt er nur die Genehmigung für eine und die Autorin beschäftigt sich nicht mehr weiter mit dem Thema, so dass man sich fragt, warum sie diesen Handlungsstrang überhaupt begonnen hat.
Am Ende dann das Happy End Dank Martin Luther, welches allzu vorhersehbar war: Die Konvertierung eines jüdischen Geliebten und des Pfarrers. Für mich der interessanteste Teil des Romans: Die Auswirkungen der Reformation auf Leipzig, die leider nur am Rande thematisiert werden - daher auch die zwei Sterne.