Ob man als Mensch nun mit einer übergroßen Sensitivität geboren oder einem durch echte Mißhandlung und Vernachlässigung die Wunde des Ungeliebtseins geschlagen wurde - dieses Buch zeigt Wege auf zu einer Heilung, die sich nicht mit faulen Kompromissen und bloßer Linderung von Symptomen zufrieden gibt.
Was dazu vonnöten ist, so der Autor, grenzt - ganz bis zum Grund verstanden - an Mystik: das Leid ist erst einmal einzugestehen, die grausame Wahrheit, nie geliebt worden zu sein, zu bennenen. Das biblische Wort, von der Wahrheit, die uns frei machen wird, klingt an. Dann führt uns jene große und verlässliche Macht des Lebens jene Kräfte zu, die es braucht, um mit Geist und Seele wieder in den Strom des Seins einzutreten. Und "Strom", "Fließen", sind wichtige Begriffe für Schellenbaum - hat doch seelische Gesundheit nichts mit ewig in Granit gemeißelten Verstandeswahrheiten sondern mit einem Sich-einlassen, Bejahen dessen, was uns das Leben von Augenblick zu Augenblick anbietet, zu tun. Er weist nach, dass das Leid des Ungeliebten gerade darin besteht, vor dem Leben zurückzuscheuen und seine Angebote von sich zu weisen, in der Hoffnung so ein festes und dadurch scheinbare Sicherheit bietendes "Ich" zu erkämpfen. "Sein" kann also nur als Dynamik gedacht werden, auf die der Mensch sich einlassen muss, wie ein Tänzer auf Rhythmus und Musik - um so die Erfüllung zu finden, nach der die "Wunde der Ungeliebten" schreit. Allerdings muss zur Heilung die reife Einsicht aufgebracht werden, dass die Unfähigkeit, sich geliebt zu fühlen, selbst in der Unfähigkeit zur Liebe wurzelt. Die Welt fordert uns in ihrer Schroffheit auf, selbst die existenzielle Herausforderung aufzunehmen und das Lieben zu lernen.
Schellenbaum erweist sich mit solchen Erkenntnissen als echter Wahrheitssucher, der die Grenzen der menschlichen Entwicklung nicht entlang der Grenzen seiner psychotherapeutischen Methoden zieht, sondern gründlich und beherzt darüber hinausgeht, einer, der die Wahrheit, die er zu verkünden weiß, selbst erfahren hat.