"Die Wolkeninsel" ist die in sich abgeschlossene Fortsetzung der "Priesterin der Insel" - erfreulicherweise aber um längen besser als sein Prequel! Und dieses muss man erfreulicherweise auch nicht gelesen haben, um die "Wolkeninsel" zu verstehen...
Nach ihrer "Sevenwaters"-Trilogie, die ich sehr begeistert gelesen habe, war ich von der "Priesterin der Insel" etwas enttäuscht: zu nüchtern, zu langatmig, die Figuren hatten mich nicht wirklich gepackt.
Trotzdem hab ich mich an die "Wolkeninsel" gewagt, weil der Klappentext so interessant klang - und Marillier hat mich gottseidank wieder in ihren Bann gezogen!
Die Hauptcharakter des Vorgänger-Bandes tauchen nur als Nebenfiguren auf, der Handlung der "Wolkeninsel" kann man denke ich mühelos folgen, ohne die "Priesterin" gelesen zu haben - und das sollte man meiner Meinung nach auch tun!
Im Mittelpunkt der Erzählung steht eine starke Frauenfigur, die sich erfreulich bodenständig von den Magierinnen und Kriegerinnen gängiger Fantasy-Epen abhebt und einfach Mensch ist.
Sicher: Ihr unterlaufen Fehler, aber das macht den Charakter nur dreidimensionaler.
Bald schon verstrickt die australische Autorin den Leser mit ihrem wunderbaren Schreibstil in ein Netz aus Mythen, Geheimnissen, Liebe, Abenteuer und Magie, die über blose Zaubertricks hinausgeht.
Düstere Intrigen, Verrat, Sagenfiguren wie das Volk der Meer-Menschen und eine Liebesgeschichte, die sich anders entwickelt als man das am Anfang erwarten mag, haben mich begeistert.
Erfreulich ist auch, dass die Charaktere eine Entwicklung und Reife durchstehen und ihr Leben überraschende und prägende Wendungen nehmen, die sie weiter formen.
Fazit:
Mit der "Wolkeninsel" konnte Marillier zwar nicht direkt an die (für mich in ihrem Genre unerreichbare) "Sevenwaters"-Trilogie anknüpfen, sie bietet jedoch ein wunderbares mystisch-romantisches Lesevergnügen.
Wer sich selbst einen Gefallen tun will, sollte die "Priesterin der Insel" allerdings gleich überspringen und sich sofort der "Wolkeninsel" widmen.