Mit Sicherheit rührt hier Gudrun Pausewang ein heißes Eisen an. Auf sehr anschauliche und leicht lesbare Weise wird Kindern hier veranschaulicht, auf welche Risiken sich die Menschheit einlässt, wenn sie sich der Kernkraft bedient. Hier wird nicht vorsichtig angetippt, was passieren könnte, sondern der schlimmstmögliche Ernstfall durchgespielt und konsequent zu Ende gedacht.
Das ist soweit nicht verwerflich und für Kinder durchaus empfehlenswert, wenn das Buch nicht einen großen Fehler hätte - die Einseitigkeit. Denn durch dieses Buch wird kein Heranwachsender dazu angeregt, kritisch und bewußt über technische Errungenschaften nachzudenken. Vielmehr wird dem jungen Leser lang, breit und grausam erklärt, dass Kernenergie ganz doll böse ist und am besten gleich morgen alle KKWs abgeschaltet werden sollten. Und ganz schlecht stehen die da, die nie etwas dagegen getan haben.
Dafür wird die Anti-Kernkraft-Bewegung mit ihrer Demonstrations- und Sitzblockadekultur über den grünen Klee gelobt, das Buch atmet unübersehbar den Geist der 68er. Ein kritischer und vernünftiger Dialog zwischen den verschiedenen Meinungen findet nicht statt, Kernkraftbefürworter sind grundsätzlich leichtsinnige Naivlinge, die von intelligenten Umweltbewußten stets in Grund und Boden diskutiert werden und kaum zu Wort kommen.
Um nicht missverstanden zu werden - ich bin durchaus kein begeisterter Kernkraftbefürworter. Aber ich habe etwas dagegen, wenn junge Menschen, die sich ihre Meinung erst noch bilden müssen, so offensichtlich beeinflusst werden. Dieses Buch regt nicht zum Denken an, sondern ist politische Propaganda, die durchaus zu genießen ist - aber nur mit Vorsicht. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)