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Die Wohlgesinnten [Taschenbuch]

Jonathan Littell , Hainer Kober
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (102 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

26. September 2009
Im Februar 2008 erschien im Berlin Verlag der Roman, den Jorge Semprun als »das Ereignis unserer Jahrhunderthälfte « bezeichnet: Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell. Über Monate hielt er die deutsche Literaturkritik in Atem. Mit den fiktiven Lebenserinnerungen des SS-Obersturmführers Maximilian Aue, Jahrgang 1913, Sohn eines deutschen Vaters und einer französischen Mutter, zeichnet Jonathan Littell ein erschreckend detailgenaues Bild des Zweiten Weltkriegs und der Verfolgung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten aus Sicht eines Täters. »Das ist ein Roman, und das ist ein Autor, vor denen man sich verneigen muss«, schrieb Andreas Isenschmid in der NZZ am Sonntag. Die Wohlgesinnten erscheint im Oktober 2009 im Berliner Taschenbuch Verlag.

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 1392 Seiten
  • Verlag: Berlin Verlag Taschenbuch (26. September 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3833306289
  • ISBN-13: 978-3833306280
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,6 x 5,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (102 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 9.770 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

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Seit Goldhagens Hitlers willige Vollstrecker hat kein Buch, das sich mit dem Holocaust beschäftigt, für so viel Aufsehen gesorgt wie Jonathan Littells Die Wohlgesinnten. Hymnischer Beifall begleiten das Erscheinen des Werks in Deutschland ebenso wie vernichtende Fundamentalkritik.

Weswegen sich die Gemüter so erhitzen? Littell verfasst diesen Roman über den deutschen Vernichtungsfeldzug in Osteuropa aus der Sicht eines Täters. Es ist der zynische Jurist Dr. Max Aue, der als Mitglied des Sicherheitsdienstes und SS-Offizier unmittelbar an den schlimmsten Verbrechen des Nationalsozialismus beteiligt ist. Zudem verwebt Littell in seinem ersten Roman aufs Engste Fakten und Fiktion. Die einen erheben ihn dafür zum künftigen Träger der kollektiven Erinnerung an den Holocaust, die anderen werfen ihm eine irrwitzige Geschichtsfälschung, ja eine Glorifizierung des Nationalsozialismus vor.

"Ihr Menschenbrüder, lasst mich euch erzählen, wie es gewesen ist." So beginnt der Prolog ("Toccata") des Autors, der zugleich den Anspruch des Werkes definiert - bereits mit diesem ersten Satz hat sich Littell den Vorwurf der Hybris strenger Kritiker eingehandelt hat. "Es", so rechnet der Erzähler vor, das sind 18.722 Tote, die von Juni 1941 bis Mai 1945 Tag für Tag starben - jede 4,6 Sekunden ein Toter: "eine gute Meditationsübung". Als "Erinnerungsfabrik" bezeichnet sich der Erzähler selbst, und man ist geneigt, ihm Recht geben, angesichts der fast 1.400 folgenden Seiten. Er beteuert, dass die Aufzeichnungen "frei von jeglicher Reue sein werden...Ich habe meine Arbeit getan, mehr nicht" - ein zweiter Schlag in die Magengrube einiger Kritiker, versprach doch der Autor im Prolog gerade die Aufdeckung der Motive der Henker.

Littell breitet das beeindruckende, vor allem aber verstörende, streckenweise pornografische Panorama eines Krieges aus, der in knapp sechs Jahres Osteuropa fast vollständig zerstörte. Erzählt von einem klassisch gebildeten Offizier, der trotz aller humanistischen Wurzeln zum Mörder wurde. Einfache Unterscheidungen zwischen Gut und Böse gibt es nicht. So lesen wir neben den NS-Verbrechen auch von den Massenerschießungen durch das sowjetische Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (NKWD), von Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung durch Ukrainer, von psychotischen Wehrmachtsoffizieren. Akribisch flicht Littell die organisatorischen Strukturen von Wehrmacht, Reichssicherheitshauptamt, KZ-Lagerverwaltungen, Befehlsketten der SS und vieles mehr in sein Epos ein. Allein diese umfassende Darstellung in einem literarischen Werk ist einzigartig.

"...ihr seid nicht besser", deklamiert schließlich der frühere SS-Offizier und spätere Spitzen-Fabrikant. Dieses Fazit, das der Autor seinem Erzähler in den Mund legt, bleibt unbefriedigend. Zwar kann der Leser das Ergebnis einer außerordentlichen Fleißarbeit über Verlauf und organisatorischen Unterbau des Ostfeldzuges im Detail nachlesen. Warum sich aber der Bildungsbürger Dr. Max Aue so leicht zu einem effizienten Rad im Getriebe der Vernichtungsmaschinerie wandeln konnte, bleibt letztlich unklar. Ob das Buch also, wie Jorge Semprún voraussagt, in 50 Jahren maßgeblich die Erinnerung an Nationalsozialismus und Holocaust prägen wird, muss sich erst noch erweisen. -- Henrik Flor, Literaturtest -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

"Ganze Lebensbereiche, die zuvor als nicht erzählbar galten, hat Littell im Gewaltstreich erobert und der Gattung des hohen moralistisch reflektierenden Romans einverleibt." Wilfried Wiegand (FAZ)

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141 von 159 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genialisch! 5. Januar 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Was für ein Brocken! Was für ein Werk! An Kühnheit kaum zu überbieten. An Komplexität und Vielschichtigkeit beeindruckend. Ein 1400-Seiten Roman über das anspruchsvolle Thema des 2. Weltkriegs und des Holocaust. Erzählt ausgerechnet aus der Perspektive eines SS-Offiziers. Geschrieben von einem jungen französischen Juden. Obendrein ein Debütroman. Man muss schon einige Superlative versammeln, um den Roman "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell zu beschreiben. Allein schon beim Durchblättern mag man in die Knie gehen: 1400 eng bedruckte Seiten im Blocksatz. Nirgendwo die Spur eines auflockernden Dialoges mit zerfransten Zeilenenden. Stattdessen eine Flut von völlig identisch aussehenden Seiten, im Anhang ein 30-Seitiger Glossar mit den Fachtermini der Deutschen Wehrmacht und eine Konkordanz der Dienstgrade der SS, der Wehrmacht und der Polizei. Nimmt man noch das Inhaltsverzeichnis hinzu, ausschließlich bestehend aus Bezeichnungen der Musik und des Tanzes wie "Courante" und "Sarabande", weiß man: dieser Mann meint es ernst.
Da werden die Literaturwissenschaftler einiges zu bearbeiten haben, wenn erst einmal das empörte Geblöck des Feuilletons verstummt ist. Denn einen Vorwurf kann man Littell sicher nicht machen: dass er es sich leicht gemacht habe und dass er bloß provozieren wolle. Oder dass er gar politisch verdächtig wäre. Dazu ist dieses Riesenwerk viel zu komplex und viel zu genau.
Denn es geht ja nicht darum - wie manche Kritiker gerne glauben machen wollen - dass mit der Erzählung der Judenvernichtung aus der Perspektive eines SS-Manns letzte Tabus fallen sollen. Der erzähltheoretische Rahmen und die ganze Anlage des Werks ist so vielschichtig, dass jeder kurzgeschlossener Moralismus ins Leere läuft.
Dies fängt natürlich bereits bei der Titelgebung "Die Wohlgesinnten" an, die mit dem Verweis auf den griechischen Mythos der Orestie einen ganzen Kosmos der Auslegung aufschlägt. Die Wohlgesinnten sind bei Aischylos die endlich besänftigten, schrecklichen Schicksalsgöttinen Erinnyen, die nach der Verurteilung des Orest ins Freundliche gewandelt sind. Orest ist im Mythos schuldig des Muttermordes. Und auch Obersturmbannführer Aue erschlägt in der Mitte des Romans Mutter und Stiefvater. Aue unterhält aber zudem noch ein inzestuöses Verhältnis zu seiner Zwillingsschwester, die, wie könnte es anders sein, Una heißt, was für 'Eins' oder 'Vereinigung' stehen mag. Mit dem Muttermord, bzw. dem stellvertretenden Vatermord und dem Inzest verknüpft Littell seinen Roman mit dem mythologischen Kern der abendländischen Überlieferung.
Das Spiel der Spiegelungen und Vereinigungen geht aber noch weiter: Bei dem Besuch bei den Eltern, in dessen Folge Aue sie ermordet, entdeckt er zwei bei ihnen lebende Kinder, Zwillinge. Aue ist von diesen Zwillingen, die er nicht zuordnen kann, höchst irritiert, bis zum Ende des Romans eine dumpfe Ahnung Gewissheit wird: es handelt sich um seine eigenen Kinder, inzestuös gezeugt mit seiner Zwillingsschwester Una.
Darüber hinaus ist Maximilian Aue aber, von der Vereinigung mit der Schwester abgesehen, schwul. Die Homosexualität ist ein weiterer Stein im Motivkomplex der Vereinigung des Unvereinbaren, in der sich der Zug zur Negation der Differenz offenbart. Dieser Furor der Identität, dieses Verlangen nach Ursprünglichkeit und Einheit, die ja auch als Fundament der Naziideologie angesehen werden kann, gipfelt in der Spiegelung von Juden und Ariern. So sieht beispielsweise Aue beim Besuch einer Führerrede in einer surrealistisch anmutenden Szene Adolf Hitler als Rabbi. Mehrfach wird das Zwillingshafte als Motiv zwischen den Juden und den Deutschen aufgerufen. Schließlich noch wird Aue nach der Ermordung seiner Eltern in fast kafkaesker Manier von einem wie Zwillinge auftretendes Ermittlerpärchen verfolgt. Und die Auflösung der Differenz im einzigen 'Scheitelauge', das Aue in Stalingrad in die Stirn geschossen wird, mit welchem er fortan eine geschärfte Sichtweise der Welt hat.
All dies schafft erst einmal einen literaturhistorischen und -theoretischen Rahmen, der es in sich hat! Die weiteren intertextuellen Bezüge sind zahllos!
Aber dies ist ja nur die eine Seite des Werkes, zeigt nur, auf welchem Niveau er angesiedelt ist. Etwas anderes ist die Handlung und das Erzählen selber:
Selbst Historiker bescheiden Littell unglaubliche Genauigkeit, was die Fakten der Darstellung angeht, wenn er Maximilian Aue als SS-Offizier das gesamte Panorama Europas im 2. Weltkrieg durchlaufen lässt.
Und was das Erzählen angeht: Es ist großartig! Über 1400 Seiten kommt keine Langeweile auf. Es gibt erschütternde Passagen, es gibt Passagen, die einem einiges abverlangen. Es ist ein gewaltiges Werk! Die literarische Auseinandersetzung mit Nazideutschland für das 21. Jahrhundert.

Thomas Reuter
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Widerlich, abscheulich, genial 26. April 2010
Von P. Hanel
Format:Gebundene Ausgabe
Wie wird gemeinhin ein SS-Offizier beschrieben? Eigenschaften und Auszeichnungen wie ein Doktortitel, eine sehr große Allgemeinbildung, die Bereitschaft, das Morden, die Massenerschießungen, irgendwie zu rechtfertigen und eine damit verbundene Abneigung gegen alle Sadisten in den SS-Reihen, aber auch Homo- und Transsexualität, Inzest, Muttermord und das Töten bester Freunde, die das eigene Leben mehr als einmal retteten oder Antriebslosigkeit ' solche Charaktermerkmale fehlen meist. Doch genau mit diesen ist der Ich-Erzähler in Jonathan Littells Roman, der bis zum Obersturmbannführer beförderte und mit zahlreichen Ehrenauszeichnungen versehene Jurist namens Maximillan von Aue, ausgestattet. In diesem Sinne stellt er gewissermaßen einen Anti-Nazi dar, auch wenn gewisse Überzeugungen ähnlich denen der 'typischen' SS-Mitglieder sind, wenn auch ungleich durchdachter. Dazu gehört die Ansicht, nichts zu bereuen und nur die Pflicht erfüllt zu haben; man war eben zur falschen Zeit am falschen Ort. Aue, oder 'Max', wie ihn Littell selbst nennt, geht allerdings noch weiter. Er hält es nicht für entscheidbar, welche von den am Holocaust mitgewirkten Personen, die meiste Schuld träfe. Alle seien nur Rädchen im Getriebe gewesen, die meisten von 'euch' (Max wendet sich besonders im ersten Teil des öfteren direkt an den Leser) hätten ebenso gehandelt. Mit einem eindringlichen 'Ich bin wie ihr!' endet der erste Teil.
Littell hat die besondere Begabung, hinter die Kulissen zu schauen, zwischen den Zeilen zu lesen. Derart offenbaren sich dem Leser einige bis dato unklar gebliebene Motive von Himmler und anderen, die an der Schlächterei mehr oder minder direkt beteiligt waren; da auch einige wesentlichen Merkmale des Nationalsozialismus mit dem Ziel beschrieben werden, ihn zu rechtfertigen und nicht, wie gemeinhin üblich unter der Prämisse, dass er falsch ist, kann der Leser selbst die Fehler finden. Im Marginalienband erläutert Littell in einem Interview, weshalb eine systematische Ausrottung der Homosexuellen nicht stattgefunden hat, obgleich Himmler von ihnen besessen war und sie alle töten wollte: Die bürokratischen Apparate hätten gegeneinander operiert, bspw. schickte das Justizministerium sie ins Gefängnis, nicht ins Lager, wie von Himmler verlangt, da 'wenn Hitler keine Richtung angibt ... nichts voran' ginge (S.44). Littell schreibt in einem fast schon melodisch zu nennenden Stil, den der Übersetzer geschickt beizubehalten wusste und der sich vom ersten ('Ihr Menschenbrüder, lasst mich euch erzählen, wie es gewesen ist. Wir sind nicht deine Brüder, werdet ihr antworten, und wir wollen es gar nicht wissen.'; ja, ich weiß, dass waren zwei Sätze) bis zum letzten Satz ('Die Wohlgesinnten hatten meine Spur wieder aufgenommen.'). Die Zeichensetzung läuft gängigen Konventionen zu wider; viele Semikolons 'zerhacken' die Sätze, Kommas statt Punkten lassen Sätze hier und da sehr lang werden. Absätze gibt es bewusst selten: 'Der Text soll Blöcke bilden, Blöcke, die den Leser ersticken und denen er sich nicht so einfach entziehen kann.' So Littell in einem Brief an seine Übersetzer (Mariginalienband, S. 10). Mit am meisten beeindruckt jedoch die Allgemeinbildung des Autors: Er kennt zahlreiche Werke der alten Griechen und Römer, von russischen Schriftstellern, Philosophen und Sprachwissenschaftlern, die Max oder seine Gegenüber zitieren. Wie Lanzmann, der Regisseur von 'Shoah' erwähnte, sei die absolute Exaktheit der Darstellung beachtenswert: Auch wenn es nie einen Obersturmbannführer Aue gegeben habe, so ist dieser doch sehr gekonnt in die auf Fakten beruhende Geschichte des 3.Reiches, eingeflochten worden.
Das Buch empfande ich stellenweise als nur schwer lesbar. Auch wenn die Progrome oder Massenerschießungen der Einsatzgruppen sehr plastisch und damit eindringlich geschildert werden, so wirken die Beschreibungen der immer abnormaler werdenden Phantasien von Max um ein vielfaches nervenzehrender, abstoßender, zumal der Ich-Erzähler nicht nur sein psychisches sondern auch physisches Innenleben detailreich zu beschreiben weiß ' er leidet übrigens seit den Massenerschießungen in der Ukraine an unregelmäßigem, dafür jedoch recht plötzlichem Erbrechen.
Das Buch ist in sieben Teile gegliedert, die nach alten Tänzen benannt sind, von Toccata bis Gigue. Und für wen ist es bestimmt? Die wirkliche Gefahr seien 'die gewöhnlichen Menschen, aus denen der Staat besteht.' Und nicht die Megalomanen und Psychopathen, diese würden vom Staat rasch zertreten. 'Die wirkliche Gefahr für den Menschen bin ich, seid ihr. Wenn ihr davon nicht überzeugt seid, braucht ihr nicht weiterzulesen. Ihr werden nichts verstehen und euch nur ärgern, nutzlos für euch ' wie für mich.' (S.35)
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96 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen EPOCHAL 26. März 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Ein Roman, beim dem man sich fragt, warum der erst jetzt geschrieben wurde. Er erzählt die Geschichte des SS-Offiziers Dr. Max Aue, der nolens volens in die Verstrickungen der NS-Menschenvernichtungsmaschinerie involviert wird. Er ist beteiligt an der Judenvernichtung in der Ukraine, er entkommt knapp dem Kessel von Stalingrad und ist später Sonderbeauftragter von Himmler für die Konzentrationslager. Aus seiner Sicht erlebt man den Krieg im Osten und den Untergang des Dritten Reiches hautnah mit.
Mit tiefem Einfühlungsvermögen erzählt Littell in der Ich-Form, also aus der Sicht des SS-Mannes. Seine Beweggründe, seinen Weltanschauung, sein Antrieb, seinen Probleme mit seinem "Job". Dieser einzigartige historische Roman wird nie langweilig, im Gegenteil: ich las die gut 1300 Seiten in knapp einer Woche. Bestimmt wird er die Leser spalten: in die Moralisten, die mit erhobenem Zeigefinger vor Verharmlosung, Beschönigung oder Schleichwerbung für den Nationalsozialismus warnen werden und solchen, die sich unvermittelt fragen: wie hätte ich mich anstelle von Dr. Aue verhalten? Von Beschönigung kann keine Rede sein: die Situation bei den Judenvernichtungen ist wohl derart realistisch geschildert, dass man manchmal innehalten muss. Die Schilderungen aus Stalingrad klingen so, als wäre Littell selber dabeigewesen: man spürt Trostlosikeit, Hunger, Kälte, Verzweiflung. Gnadenlos stellt Littell die Dinge dar, wie sie eben waren, und das mit einer überaus beeindruckenden Sachkenntnis.
Littell wollte den Nationalsozialismus und den Rassenwahn aus der Sicht der Zeit und der Täter darstellen. Ohne zu werten, ohne davon etwas gutzuheißen - der Verdacht entsteht nicht. Das ist das einzigartige an diesem Roman. Dies gelingt Littell vor allem in Form von meisterhaft dargestellten Diskussionen und Dialogen. Immer wieder stellt er subtil die mehr als privilegierte Situation der SS mit ihrem Fress- und Saufgelagen der darbenden Bevölkerung und den verhungernden KL-Häftlingen gegenüber. Faszinierend fand ich die Darstellung des "inneren" Zusammenwirkens der Machtapparate des Dritten Reiches, die Beschreibung der handelnden Personen und Umstände. Littell ist hier ein Werk gelungen, das ohne zu übertreiben als epochal bezeichnet werden muss.
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Die neuesten Kundenrezensionen
5.0 von 5 Sternen prima
alles hat prima geklappt, dem kann ich nichts hinzufuegen, ich wuerde wieder bei dem anbieter kaufen und freunden empfehlen :-)
Vor 25 Tagen von tschernich veröffentlicht
2.0 von 5 Sternen Effekt heischender Schund
Ich habe es nicht durchgelesen, dazu war es einfach zu schlecht.

"Ihr Menschenbrüder, lasst mich euch erzählen, wie es gewesen ist. Lesen Sie weiter...
Vor 1 Monat von Ocean veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Weltklasse
Ich habe schon viele Bücher gelesen. Insbesondere über das dritte Reich und die Haupt- und Nebendarsteller. Aber so ein Buch das gibt es kein zweites Mal. Lesen Sie weiter...
Vor 2 Monaten von G.G. u. P.G. veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Der SS-Mann in Dir
Jonathan Littell hat in seinem Roman »Die Wohlgesinnten« auf rund 1.400 Seiten den Holocaust aus ungewöhnlicher und zugleich persönlicher Perspektive beschrieben. Lesen Sie weiter...
Vor 2 Monaten von E. Baeuerle veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Interessant!
Dieses Buch hat mich sehr bewegt, weil es aus der Sicht des Täters geschrieben ist.Gab Möglichkeiten zur Diskussion in der Familie.
Vor 3 Monaten von Linde veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen C&P
So ein Schwachsinn mit den Bewertungen hier als wenn ich Zeit und Lust hätte zu jedem Artikel etwas zu schreiben. Lesen Sie weiter...
Vor 4 Monaten von hottentott veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Der menschliche Makel
Ein grandioses Buch, ein kalkulierter Skandal; Reißbrett, aber gekonnt.
Das Zwillingsmotiv ist bestechend; auch die Ein-Mann-Orgie um das verlassene Gutshaus. Lesen Sie weiter...
Vor 4 Monaten von Wildfang veröffentlicht
3.0 von 5 Sternen Die Wohlgesinnten
Diese Buch muß man sehr konzentriert lesen. Es ist schwer sich das gelesene in der Realität vorzustellen. Lesen Sie weiter...
Vor 5 Monaten von Henning Baum veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Egal ob Sie es mögen oder nicht...
Warum lohnt es sich diesen Brocken zu lesen? Ganz einfach, es ist die Art wie Littell schreiben, wie er eine Welt voller Unmenschlichkeit erschafft (wobei auf jeder Seite der... Lesen Sie weiter...
Vor 7 Monaten von Sebastian Födisch veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Brutales Thema unterhaltsam verarbeitet
Kann man aus dem Terror, den die Nazis auf ihrem Eroberungsfeldzug im Osten mit rücksichtsloser Brutalität und ethischer Radikalität verbreitetn, einen Roman machen? Lesen Sie weiter...
Vor 7 Monaten von Fabian B. veröffentlicht
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