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Moviemans Kommentar zur DVD: Das farblich sehr kühle Bild weist klare Ansichten auf, die kaum unter Rauschen oder Artefakten leiden. Auch akustisch bietet sich dem Zuschauer enorme Klarheit und eine herausragend lebendige Kulissenarbeit. Der Audiokommentar und die Interviews bieten hintergründige Infos zu Produktion und Drehbuch.
Bild: Das farblich in zahlreichen Einstellungen bewusst blass gehaltene Bild (Hautfarben, 00:08:38 oder 00:12:11) bleibt in punkto Schwarzwerten recht kontrastarm. Vor allen in dunkleren Einstellungen überziehen Schwarzfelder fast das gesamte Bild (Kampf, 00:12:36). Die Schärfewerte hingegen fallen sehr konturiert aus und auch was Rauschen und Artefakte angeht, bringt das Bild kaum Schwierigkeiten mit sich. Wenn Rauschen sichtbar wird, dann bleibt es mehr als nur mild, das heißt, kaum sichtbar, und wenn die Kompression in Kameraschwenks mal ein wenig nachlässt, so auch nur als äußerst minimales Bildzittern auf groben Pflastersteinen. Die unterkühlte Ästhetik wirkt unterm Strich zwar wenig natürlich, dafür aber sehr eigenständig und stimmungsvoll. Das Bildformat beinhaltet enorm breite Balken. Wahrscheinlich liegt mindestens 2.40:1 vor.
Ton: Der mehr als nur plastische Ton weist ein enorm ausgeklügeltes Spiel mit wunderbar abwechslungsreich einsetzenden Kulissendetails auf (Pferdewiehern von links, 00:04:25 oder Quaken vonFröschen, 00:06:29), die den Zuschauer mit enormer Direktionalität erreichen und zudem noch wunderbar motiviert über die Seiten wechseln. Da der Dolby Decoder Pro Logic II-Signale auch auf die hinteren Boxen kopiert, entsteht eine zusätzliche Illusion von Räumlichkeit. Schade, dass ein Stereo-Ton nicht mehr als fünf Punkte erhalten kann, dieser hätte definitiv mehr verdient. Auch was Musik und Sprache angeht, ergibt sich das akustische Material äußerst vital und dicht besetzt. Die musikalische Untermalung erfolgt sehr behutsam und ausgewogen, zu keinem Zeitpunkt tritt sie in Konkurrenz zur ebenso harmonischen Sprachebene. Die deutsche Synchronisation fällt klar voluminiert aus, genau wie die authentischen und dabei sehr präzisen französischen Stimmen. Dennoch ist es aufgrund der sprachlichen Eigenheiten sinnvoll, den Film im Original anzusehen. Effekte wirken genauso deutlich und saftig wie der Rest. Eine wirklich überzeugende Leistung!
Extras: Die Extras setzen sich zusammen aus einem, viele Details der Produktion berücksichtigenden, Audiokommentar des Regisseurs Patrice Leconte, ausführlichen, sehr aufschlussreichen Interviews mit dem selben (15:30 Min.), Juliette Binoche (5:54 Min.), Daniel Auteuil (4:46 Min.) und Emir Kusturica (9:08 Min.) sowie dem Originaltrailer, der optional mit deutschem Untertitel anwählbar ist (1:48 Min.). Es folgen nur noch sechs Programmtipps, was aber nicht weiter stört, da der Audiokommentar reichlich Hintergrundinformationen liefert. --movieman.de
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Blickpunkt: Film
Patrice Leconte der den ursprünglich vorgesehenen Regisseur Alain Corneau ersetzte, hat sich in seinen bisher 17 Filmen an vielen Genres versucht. Er kristallisiert sich jedoch immer mehr als ein Meister für unterdrückte Leidenschaften heraus. Sein neuer Film ist ein großartig gefilmtes und besetztes Drei-Personen-Stück im historischen Rahmen. Das Drehbuch schrieb der Filmemacher und Autor Claude Farraldo, nach einer wahren Begebenheit, die sich in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts auf der französischen Insel Saint-Pierre-et-Miquelon in der Nähe von Neu-Schottland abspielte. Dort konnte ein zum Tode verurteilter Fischer monatelang nicht geköpft werden, weil auf der abgelegenen französischen Insel in der Nähe Kanadas eine Guillotine im Volksmund 'Witwe' genannt, fehlte.
Farraldo verlegte die Geschichte in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Unter der fürsorglichen Aufsicht von Madame La (Juliette Binoche) die ihren Mann, den Kapitän der kleinen Festung in die entfernte Kolonie begleitet hat, wird der Delinquent zum guten Menschen von St. Pierre. Die Motive der kinderlosen Kapitänsfrau, übertriebene Nächstenliebe, Mutterinstinkt und eine latente Leidenschaft, hält Leconte bewusst in der Schwebe. Juliette Binoche spielt diese eigenwillige Frau mit einer Mischung aus Naivität und Starrsinn. Emir Kusturica als Fischer Neel, den Leconte vor allem wegen seines Äußeren besetzte, überzeugt in seiner ersten Hauptrolle als ungeschliffener, gutmütiger Kerl. Aufregender ist jedoch die Rolle des Kapitäns, den Daniel Auteuil mit einer erstaunlich kontrollierten Intensität verkörpert. Die Liebe zu seiner Frau ist stärker als alle dienstrechtlichen Konsequenzen. Sie treibt ihn zur wiederholten Befehlsverweigerung, obwohl sich der Fatalist über die Nutzlosigkeit seines Tuns im Klaren ist. Eine Haltung, die der Anhänger einer 'schönen Traurigkeit' (Leconte über Leconte) konsequent zur Tragödie führt und die vom Publikum leider nicht honoriert wurde.
Lecontes Film konnte nach drei Wochen nur knapp 500.000 Zuschauer überzeugen. Durch sorgfältige und gezielte Publicity dürfte es jedoch gelingen, die Liebhaber von Lecontes subtiler Erotik ('Der Mann der Friseuse', 'Das Parfum von Yvonne') zu mobilisieren. jt.