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Die Witwe von St. Pierre
 
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Die Witwe von St. Pierre

Juliette Binoche , Daniel Auteuil , Patrice Leconte    Freigegeben ab 12 Jahren   DVD
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Rezensionen

Movieman.de

Nicht nur, dass die Situation, auf einer Insel auf das Mordinstrument für den eigenen Tod zu warten, schon bizarr genug ist, die Produktion des französischen Regisseurs Patrice Leconte ("Intime Fremde", "Das Parfum der Yvonne" oder "Der Mann der Friseuse") macht sich eine ganz eigene, schroffe Bildästhetik zu eigen, die das abnorme Geschehen virtuos in Szene setzt. Die Spannungen, die sich zwischen den Charakteren, ja dem ganzen Dorf aufbauen, sind von elektrifizierender Natur. Anhand einer Inselbevölkerung entspinnt sich die Möglich- und Unmöglichkeit eines menschlichen Rechtssystems, das noch heute von aktueller Brisanz ist. Fast könnte man schon sagen, dass hier im Kleinen die Entwicklung der gesellschaftlichen Strukturen der Menschheit generell vollzogen wird. Leider fehlt den Handlungen der Charaktere stellenweise ein wenig die Motivation. Warum sich Madame La und ihr Mann so stark für ihren Häftling einsetzen, wird weniger tiefenpsychologisch als mit einer recht oberflächlichen "Menschlichkeit" erklärt, aber selbst diese ist man natürlich geneigt nachvollziehen. Was man dem Film keinesfalls absprechen kann, sind die Wendungen gegen Ende hin. Diese sind es, neben der bannenden Regie und den aussagestarken Bildern, die dem Film seine große Anziehungskraft und Dramatik verleihen. Fazit: Leconte hat´s drauf!

Moviemans Kommentar zur DVD: Das farblich sehr kühle Bild weist klare Ansichten auf, die kaum unter Rauschen oder Artefakten leiden. Auch akustisch bietet sich dem Zuschauer enorme Klarheit und eine herausragend lebendige Kulissenarbeit. Der Audiokommentar und die Interviews bieten hintergründige Infos zu Produktion und Drehbuch.

Bild: Das farblich in zahlreichen Einstellungen bewusst blass gehaltene Bild (Hautfarben, 00:08:38 oder 00:12:11) bleibt in punkto Schwarzwerten recht kontrastarm. Vor allen in dunkleren Einstellungen überziehen Schwarzfelder fast das gesamte Bild (Kampf, 00:12:36). Die Schärfewerte hingegen fallen sehr konturiert aus und auch was Rauschen und Artefakte angeht, bringt das Bild kaum Schwierigkeiten mit sich. Wenn Rauschen sichtbar wird, dann bleibt es mehr als nur mild, das heißt, kaum sichtbar, und wenn die Kompression in Kameraschwenks mal ein wenig nachlässt, so auch nur als äußerst minimales Bildzittern auf groben Pflastersteinen. Die unterkühlte Ästhetik wirkt unterm Strich zwar wenig natürlich, dafür aber sehr eigenständig und stimmungsvoll. Das Bildformat beinhaltet enorm breite Balken. Wahrscheinlich liegt mindestens 2.40:1 vor.

Ton: Der mehr als nur plastische Ton weist ein enorm ausgeklügeltes Spiel mit wunderbar abwechslungsreich einsetzenden Kulissendetails auf (Pferdewiehern von links, 00:04:25 oder Quaken vonFröschen, 00:06:29), die den Zuschauer mit enormer Direktionalität erreichen und zudem noch wunderbar motiviert über die Seiten wechseln. Da der Dolby Decoder Pro Logic II-Signale auch auf die hinteren Boxen kopiert, entsteht eine zusätzliche Illusion von Räumlichkeit. Schade, dass ein Stereo-Ton nicht mehr als fünf Punkte erhalten kann, dieser hätte definitiv mehr verdient. Auch was Musik und Sprache angeht, ergibt sich das akustische Material äußerst vital und dicht besetzt. Die musikalische Untermalung erfolgt sehr behutsam und ausgewogen, zu keinem Zeitpunkt tritt sie in Konkurrenz zur ebenso harmonischen Sprachebene. Die deutsche Synchronisation fällt klar voluminiert aus, genau wie die authentischen und dabei sehr präzisen französischen Stimmen. Dennoch ist es aufgrund der sprachlichen Eigenheiten sinnvoll, den Film im Original anzusehen. Effekte wirken genauso deutlich und saftig wie der Rest. Eine wirklich überzeugende Leistung!

Extras: Die Extras setzen sich zusammen aus einem, viele Details der Produktion berücksichtigenden, Audiokommentar des Regisseurs Patrice Leconte, ausführlichen, sehr aufschlussreichen Interviews mit dem selben (15:30 Min.), Juliette Binoche (5:54 Min.), Daniel Auteuil (4:46 Min.) und Emir Kusturica (9:08 Min.) sowie dem Originaltrailer, der optional mit deutschem Untertitel anwählbar ist (1:48 Min.). Es folgen nur noch sechs Programmtipps, was aber nicht weiter stört, da der Audiokommentar reichlich Hintergrundinformationen liefert. --movieman.de

VideoMarkt

Aufwendiges, historisches Epos und detaillierte Dreiecks-Geschichte in beeindruckender, unterkühlter Optik.

Blickpunkt: Film

Allein zwei Millionen Franzosen müssten in den neuesten Kostümfilm 'La veuve de St. Pierre' von Patrice Leconte gehen, um die Produktionskosten von 100 Millionen Francs wieder einzuspielen. Damit ist die zweite Zusammenarbeit der Produzenten Frédéric Brillon und Gilles Legrand mit ihrem Erfolgsregisseur von 'Ridicule' (2,1 Millionen Zuschauer in Frankreich, vier Césars, eine Oscarnominierung) einer der fünf teuersten französischen Filme des Jahres.

Patrice Leconte der den ursprünglich vorgesehenen Regisseur Alain Corneau ersetzte, hat sich in seinen bisher 17 Filmen an vielen Genres versucht. Er kristallisiert sich jedoch immer mehr als ein Meister für unterdrückte Leidenschaften heraus. Sein neuer Film ist ein großartig gefilmtes und besetztes Drei-Personen-Stück im historischen Rahmen. Das Drehbuch schrieb der Filmemacher und Autor Claude Farraldo, nach einer wahren Begebenheit, die sich in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts auf der französischen Insel Saint-Pierre-et-Miquelon in der Nähe von Neu-Schottland abspielte. Dort konnte ein zum Tode verurteilter Fischer monatelang nicht geköpft werden, weil auf der abgelegenen französischen Insel in der Nähe Kanadas eine Guillotine im Volksmund 'Witwe' genannt, fehlte.
Farraldo verlegte die Geschichte in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Unter der fürsorglichen Aufsicht von Madame La (Juliette Binoche) die ihren Mann, den Kapitän der kleinen Festung in die entfernte Kolonie begleitet hat, wird der Delinquent zum guten Menschen von St. Pierre. Die Motive der kinderlosen Kapitänsfrau, übertriebene Nächstenliebe, Mutterinstinkt und eine latente Leidenschaft, hält Leconte bewusst in der Schwebe. Juliette Binoche spielt diese eigenwillige Frau mit einer Mischung aus Naivität und Starrsinn. Emir Kusturica als Fischer Neel, den Leconte vor allem wegen seines Äußeren besetzte, überzeugt in seiner ersten Hauptrolle als ungeschliffener, gutmütiger Kerl. Aufregender ist jedoch die Rolle des Kapitäns, den Daniel Auteuil mit einer erstaunlich kontrollierten Intensität verkörpert. Die Liebe zu seiner Frau ist stärker als alle dienstrechtlichen Konsequenzen. Sie treibt ihn zur wiederholten Befehlsverweigerung, obwohl sich der Fatalist über die Nutzlosigkeit seines Tuns im Klaren ist. Eine Haltung, die der Anhänger einer 'schönen Traurigkeit' (Leconte über Leconte) konsequent zur Tragödie führt und die vom Publikum leider nicht honoriert wurde.
Lecontes Film konnte nach drei Wochen nur knapp 500.000 Zuschauer überzeugen. Durch sorgfältige und gezielte Publicity dürfte es jedoch gelingen, die Liebhaber von Lecontes subtiler Erotik ('Der Mann der Friseuse', 'Das Parfum von Yvonne') zu mobilisieren. jt.

Blickpunkt: Film Kurzinfo

Aufwendiges, historisches Epos und detaillierte Dreiecks-Geschichte in beeindruckender, unterkühlter Optik.

Kurzbeschreibung

Auf der abgeschiedenen kanadischen Insel St. Pierre wird der Seemann Neel Auguste für die Ermordung eines Mannes zum Tod durch die Guillotine verurteilt. Während der Todeskandidat auf die Vollstreckung des Urteils wartet, überträgt ihm die Frau des militärischen Befehlshabers, Madame La, einige Hausarbeiten. Mit ähnlichen Arbeiten gewinnt Auguste nach und nach die Sympathie der Inselbewohner. Der Kommandant von St. Pierre gerät zunehmend in einen Gewissenskonflikt: Soll er "Die Witwe" - wie die Guillotine genannt wird - ihre tödliche Arbeit verrichten lassen, oder soll er Auguste die Chance auf ein neues Leben geben...

Produktbeschreibungen

Madame La, die Frau des melancholischen militrischen Befehlshaber der unwirtlichen Insel Saint Pierre nimmt sich eines zum Tode verurteilten Seemanns an. Der muss in der kleinen Festung schmoren bis die Guillotine aus einer anderen franzsischen Kolonie eingeschifft wird. Sie macht einen besseren Menschen aus ihm bis auch die anderen Inselbewohner verhindern wollen, dass die Guillotine, Witwe genannt, an Land kommt.
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