Wirtschaft war für mich Nebenfach im Ingenieursstudium. Ich empfand dieses Nebenfach als sehr erstaunlich und darin wichtige Glaubenslehren (insbesondere Wachstumstheorien) als nicht logisch nachvollziehbar. Bis heute erlebe ich im Industriealltag, wie in Wirtschaftsfragen theoretischer Anspruch und praktische Wirklichkeit auseinanderklaffen. Aber auch die Kritik "der Wirtschaft" stellte sich mir fast immer als so ideologisch verseucht dar, wie der Gegenstand der Kritik selbst. Systemtheorie war mir dagegen vertrauter, und ich war neugierig, wie sie bei Soziologen aussieht. So geriet ich an Luhmann. Sein Buch "Die Wirtschaft der Gesellschaft" erwies sich dann als das erste Wirtschaftsbuch, dass mir logisch erklären konnte, wie die Wirtschaft tickt und worin die Bedeutung von Geld liegt. Das liegt wohl auch daran, dass Luhmann Wirtschaft von außen beobachtet. Besonders gefällt mir der Trick, Dingen, die sich der Beobachtung entziehen wollen, durch die Beobachtung des Beobachters zuleibe zu rücken. Dabei ist Luhmann schwer ideologisch zu "verorten", was vielleicht an seinem Humor liegt, denn wirklicher Humor befreit den Kopf in klärt die Dinge, also endlich auch Wirtschaftswachstum: "Die 'invisible hand' hatte, schon im 17. Jahrhundert, eine Fortschrittsgarantie symbolisiert. Nachdem sie zunehmend unter Arthrose zu leiden begann, übernahm das Desiderat des wirtschaftlichen Wachstums selbst diese Funktion. Man gab die Annahme einer Mengenkonstanz auf, um durch die Art der Allokation ein Mengenwachstum zu produzieren und zugleich diejenigen, die dabei zu kurz kommen, abfinden zu können. Den Politikern und der öffentlichen Meinung wird folglich suggeriert, Wirtschaftswachstum sei notwendig, sei eine Bedingung gesellschaftlicher Stabilität. - Das ist sicher eine sehr eindrucksvolle und nicht unrealistische Entparadoxierung des Systems, die mit zeitlicher Asymmetrie spekuliert. Dennoch könnte man sich, und sei es nur vorsorglich, um andere Möglichkeiten kümmern für den Fall, dass diese ausfällt wegen ihrer 'externen Kosten' oder ihrer ökologischen Folgen." (Kapitel 3.IV)