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Die Wirklichkeit ist Schatten des Wortes: Aufsätze und Briefe
 
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Die Wirklichkeit ist Schatten des Wortes: Aufsätze und Briefe [Taschenbuch]

Bruno Schulz , Jerzy Ficowski , Joseph Hahn , Mikolaj Dutsch
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. September 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423128224
  • ISBN-13: 978-3423128223
  • Größe und/oder Gewicht: 18,9 x 11,8 x 2,3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 187.431 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Bruno Schulz
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Als vor über dreißig Jahren die Erzählungen von Bruno Schulz zum ersten Mal in Deutschland erschienen, war man sich über seinen Rang sofort einig: er ist einer der ganz großen Erzähler der Weltliteratur. Ein geistiges Gesamtportrait des Maler-Dichters der polnischen Avantgarde aber entsteht erst durch seine inzwischen aufgefundenen Briefe, Essays, Rezensionen und Skizzen. In ihnen lässt sich der Lebensweg des zur literarischen Erneuerung entschlossenen und fähigen Künstlers eindringlich nachvollziehen. Ein ausführlicher Anhang mit Zeugnissen von Freunden und Zeitgenossen, eine Lebens- und Werkchronik sowie Nachworte des akribischen Suchers und Herausgebers Jerzy Ficowski ergänzen die Erkundungen.

»Es blieb sehr viel übrig, nämlich fast das gesamte Werk dieses genialen Menschen, fast seine gesamte gestorbene Welt, empfangen in dieser märchenhaften, wunderbar deformierenden und uns dadurch bereichernden Phantasie, die tausendmal reicher war als die gewöhnliche Phantasie . . . «(Andrzej Szczypiorski)

Über den Autor

Bruno Schulz wurde 1892 als Sohn eines jüdischen Textilhändlers in Drohobycz/Galizien geboren. Nach dem Abitur wollte er Maler werden, doch die finanziellen Verhältnisse machten ein Architekturstudium ratsam. Krankheiten, der Tod des Vaters und die wirtschaftliche Situation zwangen ihn, sich als Zeichenlehrer zu verdingen. Daneben arbeitete er als Maler und Graphiker und begann zu schreiben. 1936 wurde er mit dem »Goldenen Lorbeer« der Polnischen Akademie für Literatur ausgezeichnet. 1942 kam er ins Ghetto; wenig später wurde er von der Gestapo auf offener Straße erschossen.

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Format:Taschenbuch
Angenommen, man wüßte sonst nichts von Bruno Schulz, man kennte weder „Die Zimtläden" noch „Das Sanatorium zur Todesanzeige", man hätte noch nie irgendeine seiner Zeichnungen gesehen, und man stieße nun unversehens auf seine in diesem Band gesammelten, diversen Aufsätze und Rezensionen sowie auf seine nur unvollständig erhaltenen Briefe: Was erführe man über ihn, was für ein Bild machte man sich wohl von ihm? Zweifelsohne ein ziemlich ausführliches. Die äußeren Umstände seines Lebens lassen sich in den Briefen nämlich in klaren Umrissen erkennen: 1892 in einem jüdischen Elternhaus als das jüngste von drei Kindern geboren, wurde er nach dem Ersten Weltkrieg in seiner nunmehr wieder polnisch gewordenen Heimatstadt Drohobycz an einem staatlichen Gymnasium zunächst Zeichen-, später auch Werkslehrer. Dies war für ihn noch die einfachste Art und Weise, seine Familie (die Schwester, eine Cousine und einen Neffen) mit zu ernähren, die auf seine Unterstützung und die seines Bruders Izydor angewiesen war. „Einfach" soll aber nicht „ausfüllend" oder „beglückend" heißen: Oft genug klagt er über die „krüppelige Lehrerei", die ihm das Leben versauerte. Alle Anwandlungen, Drohobycz zu verlassen, sei es, um nach Warschau oder auch nur Lemberg zu ziehen, scheiterten, schließlich blieb er zeit seines Lebens Lehrer in Drohobycz - bis auf das letzte Jahr während der deutschen Besatzung. Das Abhängigkeitsverhältnis von seiner Familie wurde erst recht unlösbar, als der Bruder im Januar 1935 plötzlich und unerwartet starb. Auch ein lang gehegter Heiratsplan mit seiner Braut Józefina Szeliñska zerschlug sich 1937 endgültig. Bruno Schulz, der Deutsch in Wort und Schrift perfekt beherrschte, hatte sich gegen Ende des Ersten Weltkrieges einige Monate lang in Wien aufgehalten. Eine zweite Auslandsreise führte ihn im August 1938 nach Paris und wurde zu einer großen Enttäuschung. Es folgten zwei Jahre sowjetische Besatzung, wo er noch als Lehrer arbeiten konnte. Bis am 1. Juli 1941 der deutsche Einmarsch in Drohobycz erfolgte. Bruno Schulz geriet in Abhängigkeit des Gestapo-Offiziers Felix Landau, für den er Wandfresken ausführen mußte. Schließlich wurde er am 19. November 1942 von Karl Günther, einem SS-Mann und Rivalen Landaus, auf offener Straße erschossen. Dieser letzte Abschnitt findet zwangsläufig keinen Niederschlag mehr in den Briefen, die ansonsten über die äußeren Lebensdaten weitgehend Aufschluß geben. Zweifelsohne war Bruno Schulz' Drohobyczer Alltag kein erquicklicher. Oft genug klagt er, wie depressiv er sei, wie ungeeignet die Verhältnisse, in denen er lebte, zum künstlerischen Schaffen gewesen seien. Zum einen. Zum anderen spricht er aber auch in einem Brief an Witold Gombrowicz von der „schillernden Ambivalenz meines Wesens" bzw. seiner „Janusköpfigkeit", und trotz aller depressiven Zustände machte er auf die meisten Menschen, die ihm nahestanden, z.B. auf seine Braut Józefina Szeliñska, immer wieder den Eindruck, als sei er „ein purer Extrakt der Dichtung". Entgegen allem Anschein und unabhängig davon, wie depressiv er sich auch fühlen mochte, war er möglicherweise gar nicht so schwach, wie er sich ausnahm. Um mit Józefina Szeliñska zu sprechen: „Dabei war ich mir durchaus darüber im klaren, daß von uns beiden nicht er, sondern - wider allen Schein - ich die schwächere Seite war. Er hatte die Welt seiner Kunst, seiner hohen Regionen, ich hatte nichts". Tatsächlich ist diese eine angesprochene „Welt seiner Kunst, seiner hohen Regionen", so ungenügend er ihr auch leben mochte, eine weitgefaßte. In die Welt des Bruno Schulz - in seinen Seelenzustand, in seinen geistigen und literarischen Horizont sowie in die Bedingungen seines Schaffens als Schriftsteller und Grafiker - gewähren die erhaltenen Briefe, Essays, Rezensionen und sonstigen Skizzen aufschlußreiche Einblicke. Bereits zu seinen Lebzeiten war Bruno Schulz in Polen ein bekannter und anerkannter Autor, der mit Stanis³aw Ignacy Witkiewiecz und Witold Gombrowicz einen regen Austausch pflegte. Unter den deutschsprachigen Schriftstellern, zu denen er in besonderer geistiger Nähe stand, seien Rilke, Kafka und Thomas Mann herausgehoben. Aber auch französische Autoren wie Marcel Proust oder Jean Giono wußte er zu schätzen. Unter all den erhaltenen Briefen sei insbesondere auf einen an Witkiewicz hingewiesen, in dem Bruno Schulz ihm höchsteigene und wesentliche Anschauungen darlegt. Ihnen zufolge leidet der Mensch unter einem doppelten Verlust: dem seiner mythologischen Anfänge und dem der Kindheit. Hier setzt aber die Kunst an, deren Rolle es ist, zu den verschütteten Quellen, so weit wie möglich, zurückzufinden. Die Rolle der Kunst sei die „einer Sonde, die ins Namenlose hinabgelassen wird. Der Künstler ist ein Apparat, der Vorgänge in einer Tiefe registriert, in der Werte geschaffen werden". Hierin liegt wohl die Haupttriebfeder von Bruno Schulz' Schaffen, in diesen Anschauungen der gedankliche Unterbau zu den „Zimtläden" sowie zum „Sanatorium zur Todesanzeige", die tatsächlich und wahrhaftig als „ein purer Extrakt der Dichtung" anzusehen sind. Unter anderem auch deswegen, weil die künstlerische Umsetzung der ihnen zugrundeliegenden Anschauungen ans Vollkommene heranreicht.
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