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Die Winterrose: Roman (Rosen-Trilogie 2)
 
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Die Winterrose: Roman (Rosen-Trilogie 2) [Kindle Edition]

Jennifer Donnelly , Angelika Felenda
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (183 Kundenrezensionen)

Kindle-Preis: EUR 8,99 Inkl. MwSt. und kostenloser drahtloser Lieferung über Amazon Whispernet
Der Verkaufspreis wurde vom Verlag festgesetzt.

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

London, 1900: Die junge India Selwyn-Jones bewegt sich in den feinsten Kreisen. Bis sie als Ärztin im berüchtigten Viertel Whitechapel zu arbeiten beginnt – und dort in leidenschaftlicher Liebe zu dem gefürchteten Gangsterboss Sid Malone entbrennt … Voller Dramatik und Sinnlichkeit erzählt Jennifer Donnelly, die Autorin der international erfolgreichen »Teerose«, von ihrer unbeugsamen Heldin India.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Jennifer Donnelly wuchs im Staat New York auf. Ihr erster Roman »Die Teerose« begeisterte allein in Deutschland über vierhunderttausend Leserinnen. Nach »Das Licht des Nordens«, das vielfach preisgekrönt und zu einem der bestverkauften Jugendbücher Englands wurde, legte sie mit »Die Winterrose« ihren zweiten großen Roman vor. Ihr folgender Roman »Das Blut der Lilie« erntete bei Presse und Lesern großen Beifall. Mit »Die Wildrose« wird nun ihre erfolgreiche Rosentrilogie abgeschlossen. Jennifer Donnelly, deren Familie aus Schottland stammt, lebt mit ihrem Mann und Sohn in Brooklyn.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Prolog

London, Mai 1900

Einen Bullen konnte Frankie Betts schon von weitem riechen. Bullen rochen nach Bier und Haarwasser und gingen, als ob ihre Schuhe drückten. In den Armenvierteln unter den vielen hungrigen Leuten nahmen sie sich besonders feist und fett aus, rausgemästet wie sie waren von all den kostenlosen Mahlzeiten, die sie sich zusammenschnorrten.
Bullen machten Frankie rasend. Sie brachten ihn dazu, daß er alles und jeden, der ihm in die Quere kam, niederknüppeln wollte. Und jetzt saß einer direkt neben ihm. Im Barkentine. In der Hochburg der Firma. Und tat so, als wäre er ein ganz normaler Gast. Trank, redete und bestellte Essen.
Was für eine gottverdammte Frechheit!
Frankie drückte seine Zigarette aus. Er schob seine Ärmel zurück, stand auf und wollte den Mann verprügeln, bis ihm das Licht ausging. Doch bevor er dazu kam, stand plötzlich ein frisches Bier auf der Theke. Desi, der Wirt, hatte es hingestellt.
»Du gehst doch noch nicht, Kumpel? Bist doch gerade erst gekommen.« Desis Stimme klang freundlich, aber seine Augen blinzelten warnend.
Frankie nickte. »Danke«, sagte er mit zusammengepreßten Lippen und setzte sich wieder.
Desi hatte gut daran getan, ihn aufzuhalten. Sid wäre sauer. Er würde sagen, er sei enttäuscht. Frankie war nicht so dumm, Sid zu enttäuschen. So dumm war keiner.
Er trank einen Schluck Bier, zündete eine weitere Zigarette an und schob den Fehler, den er fast begangen hätte, auf seine schlechten Nerven. Es war eine schwierige Zeit für die Firma. Eine gefährliche Zeit. Die Bullen jagten sie gnadenlos. Letzte Woche hatten sie einen Wagen mit Lohngeldern ausgeraubt und waren mit über tausend Pfund abgehauen, was Freddie Lytton, den hiesigen Parlamentsabgeordneten, dazu brachte, ihnen den Krieg zu erklären. Er ließ Sid festnehmen. Ronnie und Desi ebenfalls. Aber der Richter hatte sie wieder laufenlassen. Es stellte sich raus, daß es keine Zeugen gab. Zwei Männer und eine Frau hatten den Überfall gesehen, doch als sie hörten, daß sie gegen Sid Malone aussagen sollten, konnten sie sich plötzlich nicht mehr erinnern, wie die Räuber ausgesehen hatten.
»Die Polizei hat einen Fehler gemacht und den falschen Mann verhaftet«, sagte Sid auf den Stufen von Old Bailey zur Presse, nachdem er freigelassen worden war. »Ich bin kein Krimineller. Nur ein Geschäftsmann, der auf ehrliche Weise seinen Lebensunterhalt verdienen will.« Das war ein Satz, den er schon oft gebraucht hatte - wann immer die Polizei in seiner Werft oder in seinen Pubs Razzia machte. Er sagte ihn so oft, daß Alvin Donaldson, ein Kriminalinspektor, ihn den »Vorsitzenden« und seine Bande die »Firma« getauft hatte.
Lytton war außer sich gewesen. Er schwor, Sids Kopf auf einem Tablett zu servieren. Er schwor, er würde jemanden finden, einen ehrlichen Menschen, der keine Angst hatte, die Wahrheit zu sagen, der sich vor Malone und seiner Verbrecherbande nicht fürchtete, und wenn ihm das gelänge, würde er sie lebenslänglich hinter Gitter bringen.
»Der macht bloß Wind«, sagte Sid. »Will sein Bild in der Zeitung sehen. Schließlich sind bald Wahlen.«
Frankie hatte ihm geglaubt, aber jetzt saß dieser Bulle hier, frech wie Oskar, und er war sich nicht mehr so sicher, ob Sid recht hatte. Frankie sah den Mann an - nicht direkt, sondern im Spiegel über der Bar. Kam er von Lytton? Oder von jemand anderem? Warum hatte man ihn hergeschickt?
Wo es einen Bullen gab, gab es gewöhnlich noch ein Dutzend andere. Frankie ließ den Blick durch den Raum schweifen. Wenn je ein Pub den Namen Räuberhöhle verdiente, dachte er, dann das Bark. Der dunkle niedrige Bau in Limehouse war zwischen zwei Lagerhäuser am Nordufer der Themse gequetscht. Die Vorderseite lag an der Narrow Street, die baufällige Rückseite hing über den Fluß. Bei Flut konnte man die Themse gegen die Rückwand schwappen hören. Frankie kannte fast jedes Gesicht. Drei Kerle aus dem Viertel standen am Kamin und reichten Schmuckstücke hin und her, vier weitere spielten Karten, während ein fünfter Pfeile auf eine Dartscheibe warf. Andere saßen dicht gedrängt um wacklige Tische oder an der Bar, rauchten, tranken, redeten und lachten laut. Prahlten und stolzierten großspurig herum. Kleinkriminelle, alle zusammen.
Der Mann, hinter dem der Bulle her war, prahlte nicht, stolzierte nicht herum und hatte auch sonst nichts an sich, was auf eine geringe Stellung hingewiesen hätte. Er war einer der mächtigsten und am meisten gefürchteten Verbrecherbosse in London, und Frankie dachte, wenn dieser erbärmliche Bulle wüßte, was gut für ihn ist, würde er abhauen. Solange er noch konnte.
Noch während Frankie den Mann beobachtete, kam Lily, das Barmädchen, aus der Küche und knallte so heftig einen Teller vor ihn hin, daß die Brühe auf seine Zeitung schwappte.
»Einmal Limehouse-Eintopf«, sagte sie.
Der Mann starrte auf die dampfende Plörre. »Das ist Fisch«, sagte er ausdruckslos.
»Sie sind mir ein echter Sherlock Holmes. Was erwarten Sie? Lammkarree?«
»Schweinefleisch, dachte ich.«
»Wir sind hier in Limehouse. Nicht auf der grünen Wiese. Das macht zwei Pence.«
Der Mann schob eine Münze über die Bar, dann rührte er mit einem schmutzigen Löffel die graue Brühe um. Knochen und Hautstücke schwammen darin herum, ein Kartoffelschnitz und etwas Sellerie. Ein Brocken glitschiges weißes Fleisch kam nach oben, das schon ziemlich verdorben wirkte.
Karpfen, dachte Frankie. Die sah er oft bei Ebbe. Riesige Apparate mit trüben Augen, die hilflos im stinkenden Flußschlamm zappelten. Einen Bissen davon, Kumpel, dachte er, und du hast eine Woche lang die Scheißerei.
Desi kam herüber. »Irgendwas nicht in Ordnung mit Ihrem Essen?« fragte er. »Sie haben's ja nicht mal angerührt.«
Der Fremde legte seinen Löffel weg. Er zögerte.
Sag lieber, daß es schmeckt, dachte Frankie.
»Ich krieg keinen Bissen runter, egal, wie sehr ich mich auch anstrenge«, sagte er schließlich. »Hab bloß von Porterbier gelebt. Sobald ich was anderes eß, dreht's mir den Magen um.«
»Was? Sonst nichts?«
»Porridge. Milch. Manchmal ein Ei. Die Wachleute im Gefängnis sind schuld daran. Die Bauchtritte, die sie mir verpaßt haben. Davon hab' ich mich nicht mehr erholt.«
Frankie hätte fast laut herausgelacht.
Desi jedoch nicht. Sein Gesichtsausdruck blieb ungerührt. »Sie waren im Knast?« fragte er.
»Ja. Einbruch. In einem Juwelierladen oben in Camden. Ich hatte ein Klappmesser in der Tasche, also sagten die Bullen, ich wär' bewaffnet gewesen. Hab' fünf Jahre gekriegt.«
»Und Sie sind gerade rausgekommen?«
Der Fremde nickte. Er nahm seine Mütze ab. Ein typischer Gefängnishaarschnitt kam zum Vorschein.
Desi grinste. »Du armer Teufel«, sagte er. »Wo hast du denn eingesessen? In Reading?«
»Petonville.«
»Da hab' ich selbst mal 'ne Weile gesessen. Der Wärter ist ein übles Schwein. Willocks hieß er. Macht er noch immer allen das Leben zur Hölle?«
»O ja.«
Blödsinn, du dummer Hund, dachte Frankie. Hättest dich umhören sollen.
Es gab keinen Willocks in Petonville. Hatte nie einen gegeben.
Desi schenkte ein neues Glas Porter ein. »Hier, Alter. Geht aufs Haus.«
Als er wegging, um andere Gäste zu bedienen, tauschte er wieder einen Blick mit Frankie aus. Paß auf den auf, sollte das heißen.
Frankie wartete eine Weile, trank einen Schluck aus seinem Glas, rauchte und stieß dann den Mann am Arm an, so daß Bier auf dessen Zeitung schwappte.
»Tut mir leid, Kumpel«, entschuldigte er sich, als hätte es sich um ein Mißgeschick gehandelt. »Jetzt ist deine Zeitung naß.«
»Macht nichts«, sagte der Bulle lächelnd. »Das Schmierblatt taugt sowieso bloß zum Aufwischen.«
Frankie lachte. Der Mann nutzte seine gespielte gute Laune für einen Einstieg. Ganz wie er erwartet hatte.
»Michael Bennett«, stellte er sich vor. »Freut mich, dich kennenzulernen.«
»Roger Evans«, sagte Frankie. »Gleichfalls.«
»Hast du davon gehört?« fragte Bennett und deutete auf die Titelstory. »Es geht um einen Raub...

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