Was kann uns so ein Büchlein eigentlich noch beibringen? Die Gedicht-Zyklen von Müller - „Die Winterreise", „Die Schöne Müllerin" - sind ja, meist als Schubertsche Vertonung - hinreichend bekannt.
Interessanter und der eigentliche Clou dieses Buches - obwohl das die Herausgeber sicherlich so nicht geplant haben - sind die Illustrationen von Ludwig Richter. Was hier zu Tage tritt, ist mehr als spannend. Wie hat Richter die Gedichte wahrgenommen? Konnte er ihre Tiefe, ihre Bedeutung, besonders was die Winterreise betrifft, überhaupt einordnen? Wir können nur ahnen, daß die Thematik dieses ersten Zyklus' - Todesgedanken, Suche, Ungewißheit, Verzweiflung - Richter sehr mißfallen haben müssen; diese Aspekte sind aus seinen Bildern vollständig verschwunden. Durch die Bank illustriert er die Bilder mit einer biedermännisch-heiteren Naivität, die einem bei einem Gedicht wie „Gefrorene Tränen" schon mal die (Lach)Tränen in die Augen treiben können...
Ein beredtes Zeugnis zeitgenössischer Rezeption, das ungeheuer viele Fragen aufwirft. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)