Das Theaterstück wurde zwar zu Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben, behandelt aber ein immer aktuelles Thema: die Liebe. Eigentlich sollte es ja so sein, dass ich für den Menschen den ich liebe nur das Beste möchte, ihn glücklich sehen will. Oft verlange ich jedoch einen Preis, in Form eines Opfers oder eines Beweises, dass der oder die andere mich liebt. Erst dann gebe ich meine Liebe, sozusagen als Belohnung für das dargebrachte Opfer. Im vorliegenden Drama erfährt ein Vater am Vorabend des 15. Geburtstages seiner über alles geliebten Tochter, dass diese ein Kuckuckskind ist. Er wendet sich brüsk von ihr ab, will nichts mehr von ihr wissen. Das Kind versteht die Welt nicht mehr, möchte dem Vater seine Liebe beweisen und beschliesst, von einem Moralapostel verleitet, die ihm anvertraute und geliebte Wildente umzubringen.
Es gibt nicht Gut und Böse, Schwarz und Weiss, schlecht und edel handelnde Personen in diesem Theaterstück von Ibsen. Es gibt nur übernommene und überkommene Moralvorstellungen, die letzten Endes ein Unglück verursachen. Alle Handelnden verheddern sich, jeder auf seine Art und seinem Schicksal gemäss, in einem Netz aus 'Verloren sein' und 'Nicht mehr weiter wissen', die Fäden der eigenen Interessen und Neigungen darin verwoben und übernehmen oder übertreten dabei die von der Gesellschaft und deren Moralaposteln vorgegebenen Normen. Der Sinn, oder wenn man so will, die Moral von Ibsens Drama liegt darin, dass die wahre Liebe, die keine Gegenleistung erwartet, sondern nur gibt und verzeiht, das sture Festhalten an Gesellschaftsnormen überflüssig macht, ja von ihnen befreit und den gesunden Menschenverstand fördert.