In den letzten 200-300 Jahre hat sich ein wahrer pool an Mythen von Kultur und Geschichte der Wikingerzeit entwickelt. Z.B., dass Wikinger trinkfest waren, gehörnte Helme trugen und mit ihren Drachenboten bis nach Amerika vorstießen.
Dieses zahlreiche "mythische Material" ist nach Simek insb. der Quellenlage geschuldet, da einmal archäologische Daten und Fakten erst in den letzten 200 Jahren ans Tageslicht gebracht worden sind und andererseits "der Großteil unseres geläufigen Wissens über die Wikingerzeit aus Texten stammt, die ... von mittelalterlichen Historikern in den auf die Wikingerzeit folgenden Jahrhunderten geschaffen" wurde. Daher sind einige Quellentexte als unhistorisch und legendenhaft zu betrachten.
Die Bedeutung des Wortes Wikinger muss mit Seeräuber wiedergegeben werden. D.h. eigentlich handelt es sich, so verstanden, nur bei einem kleinen Ausschnitt der Bevölkerung um Wikinger. Doch wird im vorliegenden Buch, wie im Allgemeinen auch, die Gesamtbevölkerung Skandinaviens vom Ende des 8. bis zum 11. Jahhrhundert so bezeichnet.
Ziel des Autors ist es, die Geschichte und Kultur der Wikinger auf "knappem Raum" vorzustellen. Den Anfang der Wikingerzeit datiert Simek dabei auf den Überfall skandinavischer Krieger auf die englische Nordküste und Klosterinsel Lindisfarne im Jahr 793. Das Ende der Wikingerzeit 1066. "Die beiden daten 793 und 1066 sind deswegen brauchbar, weil ihre ereignisse symptomatisch für die entwicklung der Wikingerzeit waren. Der überfall von 793 war das für die Opfer überraschende Werk einer plündernden Seeräuberbande, die Schlachten von 1066 zeigen die wikingische Welt als durch politische, militärische und ökonomische Verbindungen eng vernetzt".
Der Autor möchte insgesamt keine "Ehrenrettung" der für ihn z.T. überproportional verklärten Wikingerzeit leisten. Es geht ihm "um die viele Facetten nationaler, geographischer, ökonomischer und auch mentaler Art, die sich daraus ergeben, dass sich in den knapp 300 hier behandelten Jahren der Wikingerzeit die Skandinavier mit zahlreichen anderen Völkern, Wirtschafts- und Siedlungsräumen, Religionen und politischen Systemen messen mussten". Simeks Anliegen ist also eine sachliche Analyse. Einer vorschnellen Definition dieser Epoche hält er daher zwar nicht für angebracht. Als wesentliche Elemente der Wikingerzeit aber sind Okkupation, Kolonisation und ökonomische Infiltration auszumachen.
Die Darstellung erfolgt insgesamt anhand von ausgewählten Quellen und ist nicht chronologisch, sondern thematisch geordnet. Einige Karten erleichtern die Orientierung bei der geographischen Einordnung der Wikingerexpansion. Die Sprache ist sachlich, aber nicht überzogen anspruchsvoll für ein Übersichtswerk. Literaturhinweise ermöglichen allen Interessierten die weitere Lektüre.