Mehr als zwanzig Jahre ist es her, da standen Tausende auf dem Symbol der Trennung und feierten. Sie feierten einen Sieg über Intertoleranz, Unterdrückung, Gängelei und Unfreiheit. Die Berliner Mauer - einst ein nahezu unüberwindliches Hindernis - wurde zur Tribüne der Freiheit.
Was im Grundgesetz der Bundesrepublik festgeschrieben stand, und doch so unerreichbar schien, was 40 Jahre lang getrennte Familien hofften, aber nicht glaubten, all dies wurde innerhalb weniger Tage, ja Stunden Wirklichkeit. Über hundert Tote sind der "Mauer" bzw. den Schergen an selbiger zu schulden, ungleich mehr Opfer sind an diesem Bollwerk verletzt, verhaftet und auf Jahre ihres Lebens in Bautzen oder ähnlichen Gefängnissen verschwunden. Wer sich heute mit den nach 1989 geborenen Deutschen, unabhängig ob aus dem Westen oder Osten, über die von einigen nicht zu Unrecht sogenannte "Zweite Deutsche Diktatur" unterhält, erfährt häufig Desinteresse, manchmal sogar Unwillen.
Denn nicht alle Träume der Älteren sind in Erfüllung gegangen. Die "blühenden Landschaften" im Osten, einst versprochen zur Wiedervereinigung, blühen im Frühjahr tatsächlich. Allerdings hauptsächlich, weil die sogenannten "Neuen Bundesländer" unter starkem Abwanderungsdruck stehen und der Natur ihren Raum lassen. Das Lohngefüge ist immer noch ungleich verteilt, die Arbeitslosigkeit durchweg höher als in den "alten" Bundesländern. Das Bildungsniveau, die Basis für soziale Gerechtigkeit und Wohlstand, hinkt europaweit betrachtet hinterher, und es gib mancherlei weitere Gründe, mit seiner "persönlichen" Situation zu hadern.