Es geht im Grunde um die unterschiedlichen Positionen der modernen Feministinnen vereinfacht ausgedrückt: Sind wir nun gleich wie die Männer oder doch grundverschieden? Müssen wir also gleiche Rechte einfordern oder Rücksicht auf spezifisch weibliche Belange?
Viel von dem, was sie sagt, ist gut nachvollziehbar, weil gut begründet. Es lohnt sich für jede(n), der/die sich mit dem Thema beschäftigen will, dieses Buch zu studieren. Endlich mal klare und vor allem gut begründete Worte darüber, was die "Differentialistinnen" übersehen. Das Buch nimmt zwar viel auf französische Verhältnisse Bezug, ist aber auch für Deutschland interessant.
Für mich persönlich kommt an einigen (aber eben nur an wenigen) Stellen die begriffliche Klarheit zu kurz, die Begründungen, der Hintergrund. Vielleicht bin ich aber dazu einfach zu spitzfindig und sollte das Buch mit etwas Abstand nochmal lesen?
Gerade ihre Sexualitäts/Gewaltspassagen halte ich für etwas unausgewogen, sogar spürbar emotional. Sie unterscheidet nicht zwischen ihrer Meinung nach tolerablen Spielarten von Sexualität, und den zu unterbindenden Exzessen. Diese schwierige Grenzziehung, geschlechstunabhänig, bräuchte man allerdings, um Gleichheit frei von krankhafter und übermäßiger Gewalt zu verteidigen.
Von den (aus meiner Sicht) Schwächen unbenommen (vielleicht sogar gerade deswegen) halte ich das Buch für unbedingt lesenswert.