Kaum hatte ich eine Erzählung von T.C. Boyle beendet, fand ich mich in dieser kürzeren Sci-Fi-Geschichte von Andreas Eschbach wieder: ein Vergleich, der sich lohnt! Bei Eschbach ist es einfach egal, wie real eine Geschichte sein könnte oder ist - das spielt keine Rolle, jede seiner manchmal absurden, unwirklichen Handlungen fesselt mich, auch wenn die Geschichte auf einem Weltraum-Schrottplatz am Rande des Universums mit einem Aufgebot menschelnder Ausserirdischer stattfindet (also nicht gerade naheliegend ist, sondern sehr konstruiert). Obwohl ich kein Freund von Science Fiction als Gattung bin, fand ich die (kurze) Erzählung aber von Anfang an spannend - vielleicht, weil es sich nur oberflächlich um Sci-Fi handelt, im Kern aber etwas ganz Bekanntes, Nahes vermittelt wird? Einsamkeit, Langeweile, das Gefühl der Überflüssigkeit, Gedankenlosigkeit, Ablenkung, Vetternwirtschaft, Perspektive, Neugier, Aufbruch: das sind sehr menschliche Züge, und der Spannungsbogen unterstützt sehr gut den eigentlichen Erfahrungsgewinn, die Einsicht, den Schluß. Hervorragend! Es bleibt etwas zum Nachdenken und Verarbeiten. Anders als bei T.C. Boyle ist die - total konstruierte - Handlung nur der Rahmen, nicht der Inhalt. Boyle legt sein Gewicht auf die Schilderung tatsächlicher, meist historisch verbürgter, wenngleich nochso absurder Vorkommnisse, und davon ist die Geschichte reich. Andreas Eschbach macht sich diese Mühe nicht, er erfindet gleich seine eigene Utopie, die aber nie ein Selbstzweck ist, sondern meist eine sehr naheliegende Idee vermittelt: schaut, die beiden Typen auf dem Weltraum-Schrottplatz sitzen mittendrin in einer utopischen Abenteuer-Wunschlandschaft, und was tun sie? Das gleiche, was wir auch tun würden... jedermanns Schicksal entsteht aus dem, was er wirklich tut und was seiner Veranlagung entspricht; eben nicht allein durch die Umstände.