Ein Muss in jedem Bücherregal eines Schreiberlings.
Roy Peter Clark ist Vizepräsident einer der renommiertesten Journalistenschulen der Welt, des Poynter Institutes, St. Petersburg in Florida und hat mehrere Bücher zum Thema Schreiben und Journalismus veröffentlicht.
Jetzt präsentiert er uns seine Werkzeugkiste mit 50 Werkzeugen - keine Regeln, sondern Schraubendreher, Hammer, Wasserwaage und Inbusschlüssel für Schriftsteller. An über 200 Textbeispielen verdeutlich er diese und zeigt ihre Funktionen. Jedes Werkzeug schließt mit einem Workshop, der zum Ausprobieren anregt und eine Hilfe für Autoren ist. Eine Hilfe besser zu schreiben.
Es gibt unzählige Schreibratgeber auf dem Mark. Manche versuchen einem aufzuzeigen, wie man schreiben sollte, und stellen Regeln auf. Roy Peter Clark schreibt dies nicht vor. Er weist auf die unterschiedlichen Methoden und ihre Wirkungen hin. Jedes Mittel wirkt auf seine Weise und jedes Werkzeug erzielt einen anderen Effekt. Aufgeteilt in vier Teile ("Das A und O", "Spezialeffekte", "Pläne", "Nützliche Gewohnheiten") zeigt er nicht nur verschiedene Stilmittel auf, sondern stellt ebenfalls vor, wie man konkrete Details benennt, originelle Bilder entwirft, wo die Kamera steht und warum eine Werkzeugkiste auch eine Leiter benötigt ("Die Leiter der Abstraktion").
Das alles versteckt Clark in einem Schreibstil, der es einem schwierig macht, den einzelnen Werkzeugen die richtige Portion Zeit zu schenken und sein Buch nicht in einem Rutsch durchzulesen. Es ist kein trockenes Handbuch für Schreiberlinge, sondern ein Ratgeber, der zum Mitdenken und Mitarbeiten anregt. Und diese Zeit sollte man sich nehmen.
Angefangen bei Subjekt und Prädikat, über das Goldwort Verb und Schreibmuster, über Spieltipps, Namen und Bilder, hin zu Planung, Dialog und Cliffhanger und weiter zur Recherche, Selbstkritik und Fremdkritik wird jedes seiner 50 Werkzeuge anschaulich, verständlich und mit Beispielen erklärt. Fragen, die mich beschäftigt haben, jedoch nie vollständig zu klären waren, beantwortet er mit Leichtigkeit.
Mir sind bereits mehrere Schreibratgeber in die Finger gefallen, wurden gelesen, durchstöbert und für mittelmäßig, gut oder auch sehr gut (Hans Peter Roentgen - "Vier Seiten für ein Halleluja") befunden. Aber keines regte mich derart zum Spielen an, wie Clarks Werkzeugkiste. Für mich eine Spielkiste mit den verschiedensten Spielvarianten der Sprache. Eine Einladung mit Worten, Satzlängen und Effekten zu jonglieren.
Während seiner Kniffe und Werkzeuge lässt Roy Peter Clark nicht außer Acht, dass es sich um genau diese handelt. Auch andere Werkzeugnutzung kann zu guten Büchern führen, wie dieses Beispiel im Kapitel der Adverbien sehr schön zeigt:
Die reichste Schriftstellerin der Welt ist J.K. Rowling. Sie liebt Adverbien, besonders, wenn es um das Sprechen geht. [...] Falls Sie mehr Geld verdienen wollen als die Queen, sollten Sie vielleicht doch lieber viele Adverbien verwenden. Falls Sie, wie ich, etwas bescheidener leben können, setzen Sie sie sparsam ein.
(Roy Peter Clark: Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben. Berlin, 2009)
Fünf von fünf Sternen.
© KristinB