Das blut-verschmierte T-Shirt und die Tarnhose des im Bosnien-Krieg getöteten Soldaten Marinko Gagro, im Karton von seinem Vater an Oliviero Toscani, den Benetton-Fotografen geschickt, - dieses Foto (1994) wurde in den USA von der Los Angeles Times "wegen der darin enthaltenen Gewalt zurückgewiesen" - und in Rom bei Antikriegs-Demonstrationen genutzt. Das Foto eines weißen Babys vor einer schwarzen Mutterbrust (1989) half in Südafrika den Unterstützern der Anti-Apartheid-Bewegung, in den USA erzeugte es Wut. Ein frischgeborenes Baby, noch etwas blutverschmiert und mit Nabelschnur (1991), empörte in Palermo; der dortige Bürgermeister ließ die Plakate einstampfen; Oliviero Toscani kommentiert in seinem Buch: "In einer Stadt, in der die Mafia täglich Menschen umbringt, stellt das Bild eines Neugeborenen zweifellos eine Provokation dar..." 1992: ein afrikanischer Soldat mit umgehängtem Maschinengewehr hält auf dem Rücken wie einen Offiziersstab zynisch einen menschlichen Oberschenkelknochen. In einer zugehörigen Pressekonferenz in London toben die Journalisten, Toscani wolle die Afrikaner subtil der Menschenfresserei bezichtigen. Nein, antwortet Toscani, dieses Foto zeige, "wie ein schwarzer Soldat exakt die gleiche Pose der ehemaligen britischen Kolonialoffiziere in Afrika übernehmen kann, wie Machtmißbrauch auch auf die zuvor Unterdrückten abfärbt." Die Londoner "Journaille" schreit den Toscani und seinen Sponsor Luciano Benetton empört nieder. Ist Toscani zu gescheit für die europäische Presse? Nach einer für ihn aufschlussreichen Vergleichstour durch Madrid und Amsterdam, Prag und Budapest, Frankfurt und Wien, New York (in der Public Library) und Paris, Neapel und Zürich - gelangt er nach Tokio. Toscani-Resümee: "Die Japaner wollen verstehen. Sie hören zu. Sie analysieren. Sie nehmen alles in sich auf. Eine solche Einstellung fehlt zu häufig im Europa der Bannflüche und der kleinen aufgeblasenen Gockel." Frizztext-Resümee: Ich habe noch kein lehrreicheres Buch über die Rolle der Fotografie in der modernen Zivilisation gelesen als dieses von Toscani verfasste ...