Ein ungewöhnlich starkes und zugleich spannendes Buch! Die künstlerische und politische Biografie eines "DDR-Komponisten". Nein, so ganz richtig ist dieser Satz eigentlich nicht, denn die Musikhochschule Weimar hat bis heute nicht den Makel ihrer DDR-Vergangenheit, ihrer ehemaligen SED-Hörigkeit und Willfährigkeit bereinigt: Das Diplom von Johannes Wallmann liegt noch dort, wo es auf Druck der ehemaligen Kulturpolitiker der DDR und des MfS hinwanderte: Im Archiv der Kunsthochschule in Weimar.
Wallmann, ein begabtes Kind, kommt aus einer Pfarrersfamilie - mit allen daraus resultierenden Hindernissen wie z.B. den Versuchen der Ausgrenzungen von Bildungsmöglichkeiten. Doch schon seine frühen musikalischen Leistungen und sein Wille sind so herausragend und ausgeprägt, dass er immer wieder einen Weg und Förderer findet, die den jungen Musiker im Rahmen ihrer Möglichkeiten fördern - bei In-Kauf-Nahme persönlicher Risiken.
Es ist eine Abrechnung mit den kulturellen Instrumentarien der DDR, deren Protagonisten, Zuträgern, den vom MfS in den Freundeskreis eingeschleusten IM's. Und es gibt Einblick in bisher unbekannter Tiefe in das "Musikgeschehen" der DDR - wie man gleichschaltete oder, wenn dies nicht ging, versuchte die Nonkonformen zu behindern, zu isolieren, auszugrenzen, zu verleumden und ... Es überkommt einen das Grausen über diese DDR, wenn man in Wallmans MfS-Dokumenten liest: "Besteht die Möglichkeit, die Aussagekraft und Zielstellung der Kompositionen des Wallmann (so) zu deuten, ... der Verdacht des hetzerischen oder staatsfeindlichen Inhaltes....". Und die Täter von gestern? Auch hier wird man fündig! Die Seilschaften haben überlebt und sind gut versorgt.
Aber es ist auch ein sehr persönliches und erklärendes Bekenntnis zu neuen Formen Musik wie das (Dresdner) Glocken-Reqiem, Reiner-Kunze-Zyklus (Uraufführung 2009, Berliner Philharmonie) ..
Johannes Wallmann hatte Courage - ein Buch für Musik- und Politikinteressierte, dass man unbedingt haben sollte und lesen muß.