Dieses Buch beschreibt und erklärt in ausführlicher und präziser Weise die wirtschaftlichen und politischen Prozesse, die der Weltwirtschaftskrise zwischen 1929-1939 zu Grunde lagen. Es ist DAS Standardwerk zur Analyse der Großen Depression. Kindlebergers 'Weltwirtschaftskrise' ist nach 'Gier und Wahnsinn' (de la Vega/ McCay),
Gier und Wahnsinn: Warum der Crash immer wieder kommt..., der zweite Band der von Max Otte herausgegebenen Reihe der FINANZKLASSIKER.
Nach Kindleberger sind die Hauptursachen der Depression in der mangelnden Stabilität der internationalen politischen und wirtschaftlichen Strukturen zu suchen. Die zentrale Erkenntnis lautet: eine stabile Weltwirtschaft entsteht nicht 'von selbst'. Sie ist ein öffentliches Gut, das angesichts nationaler Egoismen bereitgestellt werden muss. Damit die Weltwirtschaft stabil sein kann, benötigt sie eine Führungsnation, einen wohlwollenden Hegemon oder Stabilisator. Nach Kindleberger muss der Hegemon für Krisenmanagement und angemessene Regeln sorgen.
«Wir haben ein riesiges Chaos angerichtet», schrieb der große britische Ökonom John Maynard Keynes 1931. «Bei der Bedienung einer empfindlichen Maschine haben wir gemurkst, ohne auch nur eine blasse Ahnung zu haben, wie sie eigentlich funktioniert.»
Dieses Zitat hat auch nach der Finanzkrise nichts an seiner bedrückenden Aktualität verloren.
Die Parallelen zwischen den 1930er Jahren und der Gegenwart sind - unabhängig von politischen Orientierungen und theoretischen Vorlieben - tatsächlich kaum zu übersehen. Sowohl 1929 als auch 2008 waren den Finanzkrisen spekulative Aufschwünge und Krisen in den Sektoren Immobilien, Rohstoff- und Agrarproduktion vorausgegangen. Darüber hinaus hatten die Konjunkturzyklen, die entscheidend von der Industrieproduktion bestimmt werden, in beiden Fällen ihren Höhepunkt schon vor dem Börsenkrach überschritten. Letztere waren insofern nicht Krisenursache, sondern Krisenverstärker. Unübersehbar waren aber auch die Unterschiede in den politischen Reaktionen: In den 1930er Jahren lockerten Regierungen und Zentralbanken in den kapitalistischen Hauptländern die geld- und fiskalpolitischen Zügel nur sehr zögerlich. Erst die massive Rüstung für den Zweiten Weltkrieg führte zu Überwindung der Depression. Ganz im Gegensatz dazu wurden die (neo-)liberalen Grundsätze der Wirtschaftspolitik im Herbst 2008 vorübergehend suspendiert. Mit einer Kombination aus drastisch erweitertem Geldangebot, Zinssenkungen, Finanzspritzen für den Bankensektor sowie Konjunkturprogrammen wurde dem Zusammenbruch von Geldzirkulation und effektiver Nachfrage gegengesteuert.
Umso nachdenklicher stimmt die Lektüre des Buches. Wiederholt sich die Geschichte? Stehen wir am Anfang einer zweiten Weltwirtschaftskrise? Auf beunruhigende Ähnlichkeiten stößt man in diesem Buch zuhauf: Der Aktienboom vor dem Crash von 1929 erinnert an die Euphorie an den Börsen bis im Sommer 2007, und der totale Vertrauensverlust, der nach dem Schwarzen Donnerstag das Bankensystem fast vernichtete, gleicht der verbreiteten Skepsis gegenüber Anlagen und Finanzinstituten, wie sie heute zu beobachten ist.
Das Buch liefert eine brillante Analyse der Großen Depression und gehört zur Pflichtlektüre eines jeden Anlegers, Bankers und Politikers. Es ist DER Klassiker zur Erklärung der Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1939.